Gebärdensprache für Babys

Voci büffeln ab 6 Monaten? – Zwergensprache erobert das Netz

12.11.2023, 19:05 Uhr
· Online seit 11.11.2023, 07:34 Uhr
Babys wollen erzählen und Eltern wollen verstehen – und das, bevor die Kleinen reden können. Mit der Zwergensprache soll diese Hürde etwas erleichtert werden. Eine Expertin erklärt, wie die Babysprache funktioniert.

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

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Wenn das eigene Kind weint und schreit und man schlicht nicht versteht, was dieses kleine Wesen damit sagen möchte, kann das Eltern zur Verzweiflung bringen. Die Lösung für dieses Problem: die Zwergensprache. «Dabei handelt es sich um eine Zeichensprache für Babys», wie Stephanie Jost, Kursleiterin für Zwergensprache in Baden, sagt.

Hier bekommst du einen Eindruck von der Zwergensprache:

Zwergensprache kann ab sechs Monaten erlernt werden

Die Zwergensprache nimmt durch Social Media momentan an Bekanntheit zu. So zeigen Influencerinnen, wie ihre Sprösslinge durch «Baby Signals» mit ihnen kommunizieren. «Bei der Zwergensprache handelt es sich um vereinfachte Gebärden», so Jost. Sie sollen dabei helfen, die Kommunikation zwischen den Eltern und den Kindern zu erleichtern. «Die Kinder sind bereits im Alter ab sechs Monaten motorisch in der Lage, die Gebärden auszuführen und die Bedeutung dahinter zu verstehen», sagt Jost weiter. Selber kommunizieren können die Kleinen ab etwa neun und zwölf Monaten.

@themcfam Sorry for the food mouth but this girl is always eating 🤪 #babysignlanguage ♬ Love Grows (Where My Rosemary Goes) - Edison Lighthouse

Rund 200 bekannte Zeichen beinhaltet die Zwergensprache, «nach oben ist es jedoch offen». Beibringen müssen die Eltern ihren Kindern nicht das ganze Vokabular. «Die Eltern können selbst entscheiden, welche Zeichen sie ihren Kindern zeigen möchten.» Dazu gehören beispielsweise: Danke, Essen, Mehr, Schmerzen oder Hunger.

«Geduld und Zeit ist der Schlüssel»

Beigebracht wird den Babys die Zeichensprache, indem man für ein Schlüsselwort ein Handzeichen macht. «Wenn man das Kind beispielsweise fragt, ob es etwas essen möchte, macht man dazu die passende Gebärde für ‹Essen›», erklärt Jost. «Dabei ist wichtig, dass das Schlüsselwort gut betont wird, damit das Kind das passende Wort herausfiltern kann.»

Sofort soll der Schützling verstehen, worum es bei der Geste geht. Das Gehirn von Babys kann nämlich viel einfacher und schneller Zeichen und Gesten abrufen als Wörter. «Dafür braucht man als Eltern jedoch viel Zeit und Geduld.» Weiter kommt es laut Jost vor allem auf eins an: «Auf die stetige Wiederholung der Eltern.» Nur so kann das Kind die Bedeutungen der Zwergensprache verstehen, deuten und nachahmen.

Wie sinnvoll ist die Zwergensprache?

Die Zwergensprache hat vor allem den Zweck, dass der Alltag zwischen den Eltern und dem Kind erleichtert wird. Doch nicht immer sind alle vollkommen von der Baby-Gebärdensprache überzeugt. «Ich werde immer wieder gefragt, ob die verbale Kommunikation unter der Zwergensprache leidet», so Jost. Ihre Antwort: «Die Sprache kommt nicht zu kurz. Alle Punkte, die wichtig für den Spracherwerb sind, verstärkt man durch die zusätzliche Baby-Zeichensprache.» Sobald die Kinder sprechen können, nähmen die Gebärden ab.

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Viele Studien in Bezug auf die Baby-Gebärdensprache gibt es jedoch noch nicht. Ob es sich wirklich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt oder sich als ein weiterer Baustein im «Frühförder-Wahn» herausstellt, kann man somit noch nicht sagen. Gegenüber «Stern.de» sagt ein Entwicklungspsychologe: «Das beste für das Kind ist es, wenn man mit ihm ganz normal kommuniziert.» Der Grund: Das Kind soll seine kommunikative Kompetenz vollständig entwickeln und dazu gehört auch die nonverbale, wie beispielsweise Signale der Freude und des Unwohlseins. Das Kind soll somit bereits im frühen Alter zu verstehen bekommen, dass die Umwelt auch auf seine natürlichen Signale reagiert – ohne dass es sein Leid in Gebärdensprache mitteilt.

veröffentlicht: 11. November 2023 07:34
aktualisiert: 12. November 2023 19:05
Quelle: ArgoviaToday

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