Schweizer nimmt Flüchtlinge positiver wahr

Die Generationensolidarität in der Schweiz spielt: Frauen verschiedenen Alters kümmern sich um ein Kind im Buggy. (Symbolbild)
Die Generationensolidarität in der Schweiz spielt: Frauen verschiedenen Alters kümmern sich um ein Kind im Buggy. (Symbolbild) © KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI
Die Haltung der Schweizer Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen hat sich seit 2002 positiv entwickelt. 2016 sprachen sich 36 Prozent der Befragten für einen grosszügigen Umgang mit Asylgesuchen aus, 2002 waren es nur 22 Prozent gewesen.

35 Prozent waren 2016 für eine restriktive Aufnahmepolitik, 29 Prozent hatten keine Meinung. 2002 war noch die Hälfte der Befragten gegen eine grosszügige Behandlung von Asylgesuchen.

Zudem teilten 2016 weniger Menschen die Ansicht, dass die Flüchtlinge in ihrer Heimat nicht wirklich bedroht seien. 34 Prozent gingen von einer echten Bedrohung aus, wie dem am Donnerstag veröffentlichten europäischen Sozialumfrage European Social Survey zu entnehmen ist. 2002 waren lediglich 24 Prozent von einer Bedrohung ausgegangen.

Ist ein Flüchtling einmal anerkannt, sollte er für 53 Prozent die Familie nachziehen dürfen. 2002 hatten sich 56 Prozent für den Familiennachzug ausgesprochen.

In Hinblick auf die Zugezogenen sprach sich nach wie vor die klare Mehrheit von 77 Prozent für gleiche Rechte bei den Sozialleistungen aus. 54 Prozent waren allerdings der Meinung, dass die Eingewanderten dafür mindestens ein Jahr in der Schweiz gearbeitet und Steuern bezahlt haben sollten.

Wie gegenüber Zugewanderten ist die Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit bestimmten Gruppen gross. 69 Prozent gaben an, die Regierung müsse für einen angemessenen Lebensstandard von älteren Menschen besorgt sein. 56 Prozent sprachen sich zugunsten einer ausreichenden Kinderbetreuung für berufstätige Eltern aus.

Dass Arbeitslose angemessen leben sollen, unterstützten hingegen nur 47 Prozent. Zehn Prozent waren dagegen und 43 Prozent unentschieden. Allerdings ist eine Mehrheit dafür, dass der Staat für die Arbeitslosen Aktivierungsprogramme durchführt.

Ein Grundeinkommen findet keine Unterstützung. Von allen Europäerinnen und Europäern sind nur noch die Norweger stärker dagegen als die Schweizer.

Die Generationensolidarität in der Schweiz ist stark. Bei den 15- bis 34-Jährigen sind 76 Prozent davon überzeugt, dass der Staat den Betagten einen angemessenen Lebensstandard gewährleisten muss. 67 Prozent dieser jungen Generation sind auch für eine stärkere familienexterne Kinderbetreuung.

Und die Jüngeren können auf die Solidarität der Älteren zählen. Auch die über 65-Jährigen unterstützen die Stärkung der Kinderbetreuung und die Lebenshaltungssicherung im Alter, aber weniger stark.

Bei der Umfrage in 23 europäischen Ländern nahmen in der Schweiz 1525 Personen teil. Sie wurden zwischen September 2016 und Februar 2017 einem etwa einstündigen Interview unterzogen.

Die Befragung wird seit 2002 alle zwei Jahre mit einer repräsentativen Stichprobe von Personen über 15 Jahren durchgeführt. Die Umfrage besteht aus drei Modulen: Das Basismodul wird bei jeder Runde erhoben, zwei weitere Module sind spezifischen Themen gewidmet. 2016 war das neben dem Klimawandel die Solidarität und der Wohlfahrtsstaat.

In der Schweiz ist das nationale Kompetenzzentrum für Sozialwissenschaften (Fors) an der Universität Lausanne für die Erhebung zuständig.

(SDA)


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