«Die Zeit bis Juni wird zäh»

Von Angela Müller
Bruno Vattioni, Geschäftsleiter der Säntis-Schwebebahn, ist froh, wenn die Bahn wieder Personen auf den Berg transportieren kann.
Bruno Vattioni, Geschäftsleiter der Säntis-Schwebebahn, ist froh, wenn die Bahn wieder Personen auf den Berg transportieren kann. © FM1Today/Angela Müller
Demnächst werden oberhalb der Schwägalp beim Säntis die Bauarbeiten zur Stabilisierung der Seilbahnstütze beginnen. Falls das Wetter mitspielt, dürfte die Seilbahn im Juni wieder fahren. Geschäftsleiter Bruno Vattioni ist erleichtert.

Der Himmel hängt dunkelblau über der Schwägalp an diesem frühen Montagmorgen im April. Der Gipfel glänzt verheissungsvoll, doch die Schwebebahn ist seit Januar nicht mehr in Betrieb. Zwei Lawinen waren am 10. und 13. Januar niedergegangen und hatten sowohl das Hotel Schwägalp als auch eine Trägerstütze der Seilbahn beschädigt.

Die gesamte Talstation der Schwägalp wirkt verwaist. An der Hotel-Rezeption hängt die Infotafel: «Die Schwebebahn ist vorübergehend ausser Betrieb.» Zwei einsame Strassenarbeiter sitzen im Restaurant beim Znüni. Kurz kommt in der Hotel-Lobby Hektik auf, eine eben angereiste Gruppe sucht ihre Seminarräume.

«Als wäre man in einer Leichenhalle»

«Viel ist hier in letzter Zeit wirklich nicht los gewesen», sagt Bruno Vattioni, Geschäftsleiter der Säntis-Schwebebahn. «An Schlechtwetter-Tagen hat es sich manchmal angefühlt, als wäre man in einer Leichenhalle.» Doch diese Zeiten dürften spätestens im Sommer vorbei sein: Im Juni soll die Säntisbahn ihren Betrieb wieder aufnehmen.

«Wir sind froh, dieses Ziel klar vor Augen zu haben.» Die Lawinen-Schäden im Hotel und Restaurant konnten bereits im Januar in Angriff genommen werden (siehe Bildergalerie). Spätestens im Mai, wenn die Fenster geliefert werden, können die beiden beschädigten Räume wieder genutzt werden.

Verbogene Querverbindungen der Trägerstütze

Bei der unteren, 45 Meter hohen, Seilbahn-Trägerstütze hatte die Lawine die Querverbindungen verbogen und somit die Stabilität beeinträchtigt. «Dort haben wir nun einen Sensor angebracht, der die geringsten Veränderungen registriert», sagt Vattioni. Der Schaden an der Stütze brauchte umfangreiche Experten-Abklärungen.

Diese haben ergeben, dass mit einer provisorischen Stabilisierung ein sicherer Betrieb der Bahn garantiert werden kann. Der Bund hat nun dieses Vorgehen genehmigt. Bereits im nächsten Jahr ist jedoch der Bau einer neuen Seilbahn-Stütze geplant. Ein weiterer einmonatiger Unterbruch des Betriebs wird dann im Herbst 2020 nicht zu umgehen sein.

Kosten überschreiten Millionengrenze

«Die beiden Lawinen waren ein Jahrhundertereignis, das haben uns auch verschiedene Experten bestätigt.» Wie hoch sich die Kosten für die Schäden belaufen werden, kann noch nicht genau beziffert werden, «doch sie dürften die Millionengrenze übersteigen», sagt Vattioni. Immerhin: Für die Säntisbahn sind sie nicht existenzbedrohend. «Wir sind sehr sinnvoll versichert.» Was Vattioni wichtig war: Es mussten niemand entlassen werden. Die Mitarbeiter bauten seit Januar Überstunden ab oder erledigten Arbeiten, für die vorher keine Zeit war.

In den nächsten Wochen beginnen nun die Vorbereitungsarbeiten am Berg. «Diese werden relativ spektakulär. Wir müssen unter anderem einen Bagger, Kräne und Container hochtransportieren, bevor wir überhaupt mit der Stabilisierung beginnen können.» Gleichzeitig muss die Sicherheit der Bauleute gewährleistet sein. Gerade im Frühling steigt die Gefahr von kleineren, aber gefährlichen Schneerutschen. Die Situation wird sehr genau kontrolliert und überwacht. Mithilfe vier zusätzlicher Stahlstützen wird dann die Seilbahnstütze verstärkt. «Damit erhält die Trägerstütze wieder die volle Tragfähigkeit», sagt Vattioni.

Diverse Massnahmen sind am Berg geplant

Für den Transport werden auch Helikopter zum Einsatz kommen. Ein Teil des Materials kann aber auch mit der Kabine bis zur Baustelle an der ersten Trägerstütze transportiert werden, Personen dürfen jedoch nicht mitfahren. «Mit der regelmässigen Nutzung der Bahn können wir Schäden an den Seilen verhindern», sagt Vattioni.

Die Stabilisierung und der Neubau der Seilbahnstütze werden nicht die einzigen Massnahmen bleiben, um die Sicherheit der Seilbahn zu gewährleisten. «Die Überwachung des Wetters und der Schneeverhältnisse werden verstärkt und es sind verschiedene Bauten vorgesehen.» Denn auch wenn die beiden Lawinen als Jahrhundertereignis gelten, ist sich Vattioni bewusst: «Es könnte sich auch sofort wiederholen.»

Nun müssen die Angestellten noch die Zeit bis Juni durchstehen. «Das wird wohl schon noch etwas zäh», sagt Vattioni. «Die Leute arbeiten lieber, als auf Kundschaft zu warten, was leider im Moment oft der Fall ist.» Deshalb sind im Frühjahr verschiedene Anlässe vorgesehen, wie zum Beispiel die «Klassik Night» am 11. Mai, die eigentlich auf dem Gipfel hätte stattfinden sollen.


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