Präsident bietet Rücktritt an

Vor dem Saunameister die Hosen runtergelassen – Chaostage beim FC Dornbirn

06.02.2024, 14:28 Uhr
· Online seit 06.02.2024, 12:50 Uhr
Der neue Trainer kann nicht bezahlt werden, weil sich ein Investorenvermittler als Hochstapler herausstellt. Der Traditionsclub aus Dornbirn scheint zahlungsunfähig zu sein und muss irgendwie den Abstieg verhindern.
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Aus schweizerischer Sicht hat man das oft nicht auf dem Schirm – aber Dornbirn ist mit mehr als 50'000 Einwohnern eine Stadt mit ordentlicher Grösse. Die zehntgrösste des Landes, um genau zu sein, und in der Schweiz käme Dornbirn auf einen ähnlichen Platz.

Unter den Vorarlberger Fussballvereinen wäre Dornbirn somit der logische Kandidat, einen Bundesligisten zu stellen. In der Realität spielt der FC Dornbirn jedoch nicht mal die dritte Geige: In der 1. Bundesliga spielen die Austria Lustenau und der SCR Altach, in der zweiten Bundesliga liegt Schwarz-Weiss Bregenz weit vor den abstiegsbedrohten Dornbirnern in der Tabelle.

Sportlicher Misserfolg ist das eine. Doch die Misere auf der anderen Seite des Rheins ist keinesfalls nur sportlicher Natur. Die Ereignisse der letzten Tage sind haarsträubend, der Verein hat sich bis auf die Knochen blamiert.

Zwei Trainerabgänge in drei Tagen 

Begonnen hat alles mit der Trennung von Trainer Thomas Janeschitz, die am 29. Januar kommuniziert wurde. Er war seit eineinhalb Jahren im Amt, die Entlassung erfolgte, weil Dornbirn unter ihm den Klassenerhalt gefährdet sah.

Gleichentags die Ankündigung des neuen Mannes: Roberto Plätzold soll kommen, früherer Trainer von Admira Wacker. Drei Tage später die Info: Plätzold ist schon wieder weg. «Der FC Dornbirn kann das ausgehandelte und zugesicherte Vertragsangebot nicht realisieren», heisst es in einer Medienmitteilung.

Der Grund: Ein privater Investor habe seine Zusagen nicht eingehalten.

Will heissen: Ohne zusätzliches, fremdes Geld kann der FC Dornbirn den neuen Mann nicht bezahlen. Laut Recherchen der «Neuen Vorarlberger Tageszeitung» hatte der zuvor länger als ein Jahr nicht bei einem Verein angestellte Plätzold sein erstes Gehalt im Voraus verlangt.

Was für einen Fussballtrainer in der 2. Österreichischen Liga keine Unsumme sein kann – sondern eher ein Betrag unter 5000 Euro. Das lässt die Schlussfolgerung zu: Der Kontostand des FC Dornbirn ist mehr oder weniger bei null.

Aber die Geschichte wird noch viel besser.

Dem Falschen vertraut

Denn an den ausgebliebenen Investorengeldern ist noch viel mehr dran. Versprochen hat diese Gelder der neue Sportdirektor in Spe – der Kärtner Franz Schwaiger, der sich während der letzten Wochen dem Vereinspräsidenten Hubert Domig angedient hatte.

Er versprach laut Recherchen der genannten Zeitung, im Falle einer Anstellung millionenschwere Investoren mitzubringen.

Versprechungen, mit denen er bei Präsident Domig auf offene Ohren stiess, diesen von der sportlichen Erfolgsspur, vielleicht gar vom Aufstieg in die höchste Spielklasse träumen liess. Versprechungen, die sich als nichts weiter als heisse Luft herausstellen sollten.

In Rekordzeit trat Schwaiger bei Dornbirn als Vermittler dieser neuen Investoren in Erscheinung. Eine seriöse Prüfung, die in solchen Fällen normalerweise Monate dauert, wurde innerhalb weniger Tage durchgedrückt.

«Im Vergleich ein Hühnerschiss»

Noch letzte Woche kommentierte Domig eine zukünftige (wohl ebenfalls durch Schwaiger erfundene) Zusammenarbeit mit einem ausländischen Verein so: «Im Vergleich zu dem Verein, um den es sich wirklich geht, sind die Würzburger Kickers ein Hühnerschiss. Es ist ein viel, viel grösserer Verein.»

Dies, nachdem die Würzburger Kickers (Halbprofis aus Bayern) in der Presse als mögliche Kooperationspartner gehandelt wurden.

Vor dem «Saunameister» die Hosen runtergelassen

Worte, die er heute, nach dem Zusammenbruch des Luftschlosses, bereuen dürfte. Denn hätte der Verein den erforderlichen Backgroundcheck bei Schwaiger auch nur ansatzweise durchgeführt, wäre man schnell auf seine zwielichtige Vergangenheit gestossen. Darauf, dass er seine «Dienste» bereits vor Jahren zwei kleineren Vereinen in der Region angeboten hatte, wo er aber durchschaut wurde.

Zumindest stutzig machen müssen, hätte die Dornbirner, dass Schwaiger keinerlei Referenzen vorzuweisen hat – und bisweilen als «Saunameister» tätig ist. Eine nicht genau definierte Berufsbezeichnung für Hilfsangestellte in Wellnessbetrieben.

Auch in diesem Bereich ist er wegen Betrugs aufgefallen und schuldet verschiedenen Lieferanten mehrere tausend Euro, ehemalige Geschäftspartner vermuten bei ihm eine psychische Störung, bezeichnen ihn als «notorischen Lügner», attestieren ihm jedoch auch eine sehr überzeugende Art.

Domig bietet Rücktritt an 

Auf die auch Domig hereingefallen ist, begünstigt durch die offenkundig grosse finanzielle Not. Das letzte Geschäftsjahr hat Dornbirn mit einem Minus von rund 93'000 Euro abgeschlossen.  Mittlerweile ist Franz Schwaiger beim FC Dornbirn Geschichte, wie der Verein bestätigte – der Grund dafür sei der Umgangston gewesen.

Nicht mehr da sind auch drei Spieler, die während der letzten Wochen getestet wurden, und mit denen der Ligaerhalt hätte realisiert werden sollen. Nur fehlt natürlich das Geld, mittlerweile sogar das Versprechen auf Geld – obwohl laut vol.at beim Verein der Glauben an eine Zahlung der immer noch unbekannten Investoren noch nicht versiegt sein soll.

Was dem Verein einige Tage vor dem Rückrundenstart bleibt, ist der zweitletzte Tabellenplatz, eine beispiellose Blamage im Ibiza-Stil und Präsident Hubert Domig. Dieser hat zwar jüngst seinen Rücktritt angeboten und will die Verantwortung für das Geschehene tragen, doch dass jemand seinen Posten unter diesen Umständen übernehmen könnte, scheint äusserst fraglich.

veröffentlicht: 6. Februar 2024 12:50
aktualisiert: 6. Februar 2024 14:28
Quelle: FM1Today

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