Thaler kritisieren Vorgehen von Behörden

Die Gemeindemitglieder von Thal zeigen wenig Verständnis für den provisorischen Durchgangsplatz für Fahrende.
Die Gemeindemitglieder von Thal zeigen wenig Verständnis für den provisorischen Durchgangsplatz für Fahrende. © TVO
Die Gemüter in der Gemeinde Thal sind erhitzt. Viele sind gegen den Durchgangsplatz für Fahrende im Fuchsloch und haben 2014 ihr «Nein» für den Standort abgeben. Trotzdem wurde jetzt erneut ein Projekt für den provisorischen Durchgangsplatz vorgestellt.

Der Thaler Gemeindepräsident Robert Rahts und der Regierungsrat Marc Mächler haben am Montagabend das Projekt für den provisorischen Durchgangsplatz präsentiert – sehr zum Ärger der Gemeindemitglieder. Schliesslich wurde darüber schon 2014 abgestimmt und das Projekt abgeschmettert. «Ich erwarte, dass der Gemeinderat seinen Entscheid nun zurück zieht. Man sollte den Volkswillen akzeptieren. Wir haben vor fünf Jahren darüber abgestimmt», sagt Raphael Graber, Präsident der SVP Thal.

Das Problem: Der Kanton ist gesetzlich dazu verpflichtet, Durchgangsplätze für Fahrende zur Verfügung zu stellen. Da dies in St.Gallen seit 13 Jahren nicht geklappt hat, muss der Kanton nun durchgreifen.

«Thal ist der richtige Platz dafür»

In Thal habe man dafür den richtigen Platz gefunden – darin sind sich Rahts und Mächler einig. Dazu komme, dass dies nur ein Provisorium und ausschliesslich für Schweizer Fahrende sei. «Ich verstehe die Enttäuschung der Leute. Es wäre besser gewesen, wenn wir einen Platz gefunden hätten, über den wir noch nicht abgestimmt haben. Da wir aber im ganzen Kanton gesucht haben, sind wir überzeugt, dass das Fuchsloch am geeignetsten ist», sagt Regierungsrat Marc Mächler.

Autobahnanschluss macht Thal so attraktiv für Fahrende

Noch dieses Jahr soll der provisorische Durchgangsplatz in Betrieb genommen werden. Das Projekt soll zwei bis drei Jahre andauern. Gibt es keine Probleme werde aus dem Provisorium ein fester Durchgangsplatz. «Wir haben seit 15 Jahren durchgehend Fahrende. Man kennt Thal und man kennt auch den Standort», sagt Gemeindepräsident Rahts. Der Autobahnanschluss sei der Hauptgrund für die Fahrende, sich in Thal niederzulassen.

«Das sind nur Vorurteile»

Beruhigen lässt sich am Montagabend aber kaum jemand. Die Leute machen sich nicht nur wegen des Verkehrs Sorgen, sondern auch wegen des Drecks, den die Fahrenden zurück lassen würden. Das sei ein Vorurteil, betont einer der anwesenden Jenischen. «Wenn es eine Unordnung gibt auf dem Platz und man weiss, wer es ist, kann man uns anrufen. Wir gehen dem dann nach», sagt Willi Gruber, Jenischer aus Goldach. Er bedauert die Einstellung der Gemeindemitglieder.

Solidarität mit Fahrenden ist zwar knapp aber vorhanden

Trotz des starken Gegenwinds sind nicht alle Thaler gegen das Projekt. «Man sollte doch erstmals abwarten und im Nachhinein sich beschweren. Ich habe extrem Mühe mit Personen, die ständig Hass und Vorurteil schüren», sagt ein Teilnehmer der Gemeindeversammlung. Ab wann der Durchgangsplatz offen sein wird, ist zurzeit noch unklar. Ziel ist aber den Platz ab diesem Sommer zur Verfügung zu stellen.

(nm)


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