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Elgg

«Schnecken zu essen, ist Kopfsache» – zu Besuch auf der Schneckenfarm

Lena Rhyner, 19. Juli 2021, 07:48 Uhr
Auf der Schneckenfarm in Elgg werden Weinbergschnecken für den Verzehr gezüchtet. Eine einheimische Sorte und die mediterranen Turboschnecken gibt es bei Armin Bähler auf dem Hof.
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Quelle: FM1Today

Armin Bähler weiss nicht genau, wie viele Schnecken es auf seiner Freiland-Zuchtanlage gibt. Fünfstellig, das sicher. Bei Regen, so wie heute, befinden sich die Weinbergschnecken an der Oberfläche. Haufenweise leben die grossen Häuschenschnecken in kistenartigen Gehegen. «Wir züchten die einheimische Weinbergschnecke und die Turboschnecke», sagt Bähler. Eine Schnecke ergibt etwa drei bis fünf Gramm Fleisch. Daraus wird eine Delikatesse mit Kräuterbutter, Schnaps oder Bier.

Früher verpönt

Beim Gedanken, eine Weinbergschnecke zu essen, verziehen womöglich viele das Gesicht. Das liegt einerseits an der Vorstellung, in dieses schleimige Ding zu beissen, andererseits an der Geschichte. Während Schnecken zu essen früher zum Überleben gehörte, wurde es in den 70er und 80er Jahren verpönt, da die Wildbestände der Weinbergschnecke fast ausgerottet waren. Mittlerweile haben sich diese erholt – in sich geschlossene Zuchten wie jene in Elgg tragen dazu bei. «Heute können Liebhaber die Delikatesse an bestimmten Orten essen», sagt Bähler. «Schnecken zu essen, ist Kopfsache.»

«Die Tötung ist artgerecht»

In regelmässigen Abständen schaut bei Bähler auch der Tierschutz vorbei. Die Freiluft-Zuchtanlage sei sehr naturgerecht. Auch bei der Produktion schaue dieser genau hin. «Die Tötung ist artgerecht», sagt Bähler. Anders sei es praktisch nicht möglich. Sind die Schnecken ausgewachsen, werden sie in einen kühlen Raum gebracht. Die Schnecken entleeren ihren Darm und ziehen sich ins Häuschen zurück. Sie kommen ins kochend heisse Wasser und sterben sofort.

Eingelegte Schnecken und Schneckenlikör

Seit 2003 züchtet Bähler zusammen mit seinem Vater die Weinbergschnecken. «An der Landwirtschaftsschule lernt man das nicht.» Die beiden haben sich alles selber angeeignet. Bei der Schneckenzucht muss einiges stimmen: Futter, Klima, Nachwuchs. Mittlerweile haben Bählers den Dreh raus, pro Jahr produziert die Elgger Schneckenfarm zwischen 500 Kilogramm und einer Tonne Schneckenfleisch. Ein Teil landet in der Gastronomie, der Rest im Verkauf und auf den Tellern des Farm-Restaurants. Wer also bei der «Schnecken-Essen-Kopfsache» den Dreh raus hat, kann sich dort Schneckenfleisch mit Kräuterbutter zu Gemüte führen. «Wir bieten verschiedenste Schneckenspeisen in unserem Restaurant an», so Bähler. Auch einen Schneckenlikör, eingelegte Schnecken und ein Schnecken-Bier gibt es im Hofladen zu kaufen. Also, wer traut sich?

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Juli 2021 07:39
aktualisiert: 19. Juli 2021 07:48