«Vegantasia» schliesst schon wieder

Die Vegantasia verkauft sogar veganes Hundefutter.
Die Vegantasia verkauft sogar veganes Hundefutter. © Urs Bucher/Tagblatt
Der einzige rein vegane Laden in St.Gallen macht nach nur neun Monaten dicht: An der Spisergasse gehen diesen Monat die letzten Sojajoghurts und veganen Bratwürste über die Theke.

Wo nicht einmal einen Kilometer entfernt Fleisch und Milchprodukte an der Olma gefeiert werden, bleibt der Inhaber der «Vegantasia» an der Spisergasse in St.Gallen auf seinen Tofu-Plätzchen sitzen. Der vor neun Monaten geöffnete Laden schliesst bereits wieder. Inhaber Renato Werndli war sich bewusst, dass das rein vegane Angebot in seinem Laden nur einen winzigen Teil der Bevölkerung anspricht. Wie Werndli gegenüber dem Tagblatt sagt, sei aber seine Geschäftsstrategie schuld am Scheitern: «Einerseits habe ich keine Ahnung von Marketing. Andererseits ist die Zeit der kleinen Läden vorbei, ganz gleich in welcher Branche.» Die Geschäftsführerin des Ladens habe auf Ende Oktober gekündet, worauf für Werndli der Fall klar war – die «Vegantasia» wird zu diesem Zeitpunkt schliessen.

Veganismus verbreiten

Wo kleine Läden wie Metzger, Bäcker und andere Fachgeschäfte am Laufmeter schliessen müssen, ist fraglich, warum man einen Laden mit ausschliesslich veganen Produkten eröffnet. «Die ‹Vegantasia› ist keineswegs nur irgendein Hobby von mir. Mit dem Laden möchte ich den Veganismus verbreiten. Mir geht es dabei um die ethischen Aspekte», sagt Werndli gegenüber FM1Today. Geld wolle er damit nicht verdienen. Mit der Vegantasia habe sich aber nicht einmal eine Nullrechnung machen können.

Grossverteiler bauen das Sortiment aus

Wie eine Studie von Swissveg, der grössten Interessenvertretung von Vegetariern und Veganern der Schweiz ergab, lebten 2017 elf Prozent der Bevölkerung vegetarisch, drei Prozent sogar vegan. Dass aus dieser Bevölkerungsgruppe Kapital zu schlagen ist, haben auch die Grossverteiler verstanden. Seit 2015 hat die Migros ihr vegetarisches und veganes Sortiment um einen Drittel ausgebaut. In den Supermärkten sind heute über 500 zertifizierte vegane Produkte erhältlich. Und weil ein Supermarkt einen Liter Mandelmilch für zwei Franken verkaufen kann, haben Geschäfte wie die «Vegantasia» laut Werndli fast keine Überlebenschancen. Mit solch tiefen Preisen könne ein Nischenladen nicht mithalten. «Das ist sicher der Hauptgrund, warum die ‹Vegantasia› nicht rentiert», sagt Werndli.

Vegetarisch kommt nicht in Frage

Ein rein veganes Sortiment ist wohl doch noch eine Stufe zu extrem für St.Gallen. Das Angebot auf vegetarische Produkte auszuweiten, war jedoch nie eine Option für Inhaber und Tierrechtsaktivist Renato Werndli. «Die Milch- und Eierproduktion ist so ziemlich das Schlimmste. Kühe und Hühner müssen Höchstleistungen erbringen und werden dann doch jung geschlachtet», sagt Werndli.

(rhy)


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