Afghanistan

Gratulation an Reporter für Abzugsfrage vor elf Jahren

15. April 2021, 11:51 Uhr
Abdullah Abdullah, Vorsitzender des Nationalen Rats für Versöhnung in Afghanistan und Delegationsleiter der afghanischen Regierung, spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa
© Keystone/AP/Rahmat Gul
In einem sympathischen Eingeständnis eines früheren Fehlers hat der afghanische Politiker Abdullah Abdullah einem Journalisten für eine Frage vor elf Jahren gratuliert.

Der Reporter habe ihn damals gefragt, ob Abdullah nicht glaube, dass die Nato und andere Länder den Krieg an der gleichen Stelle beenden würden, wo sie ihn begonnen haben, erzählte Abdullah bei einer Rede am Mittwoch in Kabul.

«Erst jetzt habe ich verstanden, was er damals meinte», gestand Abdullah vor laufender Kamera. «Wo auch immer sie sind: Ich schicke ihnen meine Grüsse, sie haben eine richtig gute Frage gestellt damals», sagte Abdullah lachend weiter.

Zuvor war bekannt geworden, dass die USA ihre Soldaten bis zum 11. September aus Afghanistan abziehen. US-Präsident Joe Biden erklärte, er sehe die US-Ziele als erreicht an. Viele Afghanen erinnert die aktuelle Lage an frühere Zeiten: Die militant-islamistischen Taliban, die mit der US-Invasion 2001 von der Macht vertrieben worden waren, kontrollieren heute wieder weite Landstriche.

Abdullah hatte damals den Journalisten für seine Frage unfreundlich abgekanzelt. Er fragte zurück, ob denn dieser Fernsehsender keinen anderen Journalisten habe und was das überhaupt für eine Frage sei. Ein zusammengeschnittenes Video der Rede Abdullahs von Mittwoch und der Frage des Journalisten vor elf Jahren ging in Afghanistan viral und wurde hundertfach auf Facebook, Twitter und TikTok geteilt.

In Afghanistan war die Nachricht über den US-initiierten Abzug der internationalen Truppen vor allem von Politikern mit Enttäuschung aufgenommen worden. Washington hätte den Einsatz auch auf verantwortungsvollere Weise beenden können, hiess es. Die Friedensgespräche zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul sind zuletzt ins Stocken geraten. Die Gewalt im Land dauert an.

Quelle: sda
veröffentlicht: 15. April 2021 11:45
aktualisiert: 15. April 2021 11:51