Anzeige
Rekonstruiert

So klingt die Stimme einer 3000 Jahre alte Mumie

27. Januar 2020, 15:26 Uhr
Britischen Wissenschaftlern ist es gelungen, den Klang der Stimme eines 3000 Jahre alten ägyptischen Priesters wiederherzustellen. Möglich war das mithilfe eines 3D-Druckers, und weil die Mumie sehr gut erhalten geblieben ist.
Möglicherweise können die Toten in Zukunft wieder sprechen.
© keystone

Seit gut 150 Jahren lässt sich der Klang von Stimmen konservieren. 1877 meldete der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison eine bahnbrechende Erfindung an: den Phonographen. Erstmals war es möglich, die eigene Stimme aufzunehmen und deren Klang wiederzugeben. 

Stimmen, die schon vor dieser Erfindung verstummten, sind verloren. Oder waren es bis jetzt. Denn einem Forscherteam aus England ist es gelungen, die Stimme einer 3000 Jahre alten Mumie zu rekonstruieren. 

Die Stimme eines 3000-Jährigen

Der ägyptischer Priester Nesyamun liebte es, zu sprechen. Und die Leute liebten es scheinbar, ihm zuzuhören. Auf seinem Sarkophag steht die Inschrift: «Nesyamun, die wahre Stimme.» Offenbar hegte der Priester Zeit seines Lebens den Wunsch, seine Stimme möge auf ewig erklingen. 

Zu seinem Glück haben die Balsamierer ganze Arbeit geleistet. Der Stimmtrakt des Priesters blieb erhalten. Mittels Computerscan und 3D-Drucker konnten die Wissenschaftler den Bereich zwischen Kehlkopf und Lippen rekonstruieren. 

In Kombination mit einem Lautsprecher und einem Computer hauchten die Wissenschaftler der Mumienstimme wieder neues Leben ein. Zu hören ist allerdings nur ein einziger Ton.

In Zukunft sollen die Toten sprechen können

Ob das Stimmgeräusch nahe beim Original ist, lässt sich natürlich nicht überprüfen. Trotzdem denken die beteiligten Wissenschaftler bereits weiter. «Im Moment kann die Mumie noch nicht sprechen. Es ist aber sehr gut möglich, dass wir eines Tages richtige Worte produzieren können», sagt Chef-Forscher David Howard gegenüber der «New York Times».

Möglich werden soll dies durch die Anpassung der Software. Diese soll die Grösse, Position und Bewegung der Zunge und des Kiefers imitieren. So könnte man Nesyamun, beziehungsweise seine Stimme, in einer Ausstellung seine Gebete aus dem alten Ägypten rezitieren lassen. 

Und nicht nur Nesyamun. Mit der Technologie könnte man auch versuchen, die Stimmen von anderen gut erhaltenen Mumien zu reproduzieren. Die des berühmten Pharaos Tutanchamun, oder sogar die von Ötzi. Wie viel die wiedererweckte Stimme eines Toten zu erzählen hat, bleibt allerdings fraglich.

(thc) 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Januar 2020 07:24
aktualisiert: 27. Januar 2020 15:26