Wieder ein Brite als Tour-Sieger – oder erstmals ein Kolumbianer?

Der britische Vorjahressieger Geraint Thomas (rechts) und sein Ineos-Teamkollege Egan Bernal aus Kolumbien im Training vor dem Tour-Start
Der britische Vorjahressieger Geraint Thomas (rechts) und sein Ineos-Teamkollege Egan Bernal aus Kolumbien im Training vor dem Tour-Start © KEYSTONE/EPA/GUILLAUME HORCAJUELO
Die Antwort auf die Frage, wer die Tour de France gewinnt, scheint so offen wie seit langem nicht mehr. Mit Chris Froome fehlt der Fahrer, der seit 2013 im Vorfeld jeweils meistgenannter Favorit war.

Froome musste verletzungsbedingt Forfait geben, nachdem er Mitte Juni bei der Streckenbesichtigung für das Dauphiné-Zeitfahren in Roanne schwer gestürzt war und sich beim Unfall den rechten Oberschenkel, die Hüfte, den Ellbogen und einige Rippen gebrochen hatte. Aber auch ohne seinen nominellen Leader begibt sich das Team Ineos (vormals Sky) dank Geraint Thomas und Egan Bernal keineswegs chancenlos zum Grand Départ in Brüssel.

Vorjahressieger Thomas absolvierte jedoch eine schwierige Vorbereitung auf die Tour de France. Der 33-jährige Brite hat nur gerade 26 Renntage in den Beinen. Die als Hauptprobe vorgesehene Tour de Suisse musste er nach einem Crash in der 4. Etappe aufgeben. Thomas’ Zuversicht ist dennoch ungebrochen, schliesslich sei er bis 2018 und bis zu seinem ersten Tour-Sieg jedes Jahr besser geworden. Darauf setzt der Waliser auch in diesem Jahr, und er will Historisches schaffen: «Wenn man in die Geschichtsbücher schaut, ist es Miguel Indurain als letztem Fahrer 1992 gelungen, den ersten Tour-Sieg direkt zu wiederholen.»

Ganz anders präsentiert sich der Formstand von Bernal. Der 22-jährige Kolumbianer sprang bei der Schweizer Landesrundfahrt nach Thomas’ Ausscheiden souverän in die Bresche und holte sich den Gesamtsieg. Dennoch sieht sich Bernal, der im März auch schon die achttägige Rundfahrt Paris – Nizza für sich entschieden hatte, für den Saisonhöhepunkt in Frankreich in der Rolle des Helfers. «Ich gehe zur Tour, um unseren Leader Geraint zu unterstützen», sagte der Youngster nach seinem Gesamtsieg in der Schweiz. Bernal war heuer als Ineos-Leader für den Giro d’Italia vorgesehen. Weil er sich aber Anfang Mai bei einem Sturz im Training das Schlüsselbein brach, erfolgte die Umstellung des Programms.

Wie im Vorjahr mit einer Dreier-Spitze präsentiert sich das spanische Team Movistar. Neben dem Kolumbianer Nairo Quintana, 2013 und 2015 jeweils Tour-Zweiter und 2016 Dritter, gilt es auch Mikel Landa sowie dessen spanischen Landsmann, den Alt- und Weltmeister Alejandro Valverde, zu beachten. Ein oft genannter Favorit ist nach seinem Sieg beim Dauphiné Jakob Fuglsang. Der Däne ist aber wie der von den Wettbüros ebenfalls hoch gehandelte Brite Adam Yates in einer dreiwöchigen Rundfahrt noch ohne Top-3-Platzierung.

Grosse Ambitionen hegen – ein weiteres Mal – auch Romain Bardet und Thibaut Pinot, die für den ersten französischen Gesamtsieg seit 1985 (Bernard Hinault) sorgen sollen. Gleiches gilt auch für Vincenzo Nibali. Der Tour-Sieger von 2014 aus Italien erholte sich vom 2. Giro-Gesamtrang über Erwarten gut und schnell.

Zu den grossen Abwesenden gehört neben dem vierfachen Sieger Froome auch Tom Dumoulin. Der letztjährige Tour-Zweite muss wegen einer Knieverletzung passen.

Fünf Bergankünfte, sieben Pässe über 2000 Meter über Meer sowie je ein Mannschafts- und Einzelzeitfahren über gut 27 km – das sind die zentralen Hindernisse auf dem Weg zum Triumph in der 106. Tour, die zu Ehren von Eddy Merckx in Brüssel beginnt. Der wegen seiner vielen Siege Kannibale genannte Belgier entschied vor 50 Jahren seine erste von fünf Frankreich-Rundfahrten zu seinen Gunsten. Für den Grand Départ im radsportverrückten Belgien werden bis zu einer Million Fans erwartet.

(SDA)


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