Wieder Schwanen-Drama am Bodensee

Auch dieses Jahr baut ein Schwanenpaar sein Nest an einer gefährlichen Stelle in Rorschach.
Auch dieses Jahr baut ein Schwanenpaar sein Nest an einer gefährlichen Stelle in Rorschach. © Bild: rorschacherecho
Schon seit Jahren baut ein Schwanenpaar sein Nest direkt an der Promenade in Rorschach. Ein ungünstiger Ort – immer wieder werden die Eier vom Wasser weggespült. Schuld an dieser traurigen Wiederholung sind wir Menschen.

«Vergässe, was isch gscheh», singt Göla in seinem berühmten Lied «Schwan». Dies passt nur zu gut zum Schwanenpaar, das schon seit Jahren sein Nest an der Promenade in Rorschach baut. Immer am gleichen Ort, direkt am Ufer des Bodensees beim Arion, brüten die Schwäne ihre Eier aus. So auch dieses Jahr, wie das rorschacherecho berichtet. Die Gefahr ist dort gross, dass das Nest samt Nachwuchs weggespült wird.

Sind Schwäne dumm?

Jahr für Jahr das Nest an einer gefährlichen Stelle zu bauen, ergibt eigentlich keinen Sinn. Da stellt sich die Frage: Haben Schwäne ein Spatzenhirn? «Auf keinen Fall», sagt Christian Müller, Präsident der Voliere Gesellschaft St.Gallen. «Schwäne sind Gewohnheitstiere. Sie leben nicht nur in einer monogamen Beziehung bis an ihr Lebensende, sondern suchen auch immer wieder die gleiche Stelle auf, um ihre Eier auszubrüten.»

«Schwan hat keinen Lebensraum mehr»

Das Problem in dieser Geschichte liegt laut Christian Müller nicht beim Tier, sondern viel mehr beim Menschen. «Der Schwan hat keinen Lebensraum mehr, sein Revier am Bodensee wird immer enger. Über Jahre hinweg wurde vor allem auf der Schweizer Seite so viel gebaut, dass der Schwan Mühe hat, noch einen Schilfgürtel zu finden, wo er seine Jungen aufziehen kann.» So würden die Tiere immer wieder Hafenmauern in Anspruch nehmen. Steigt dort der Wasserspiegel, gehen die Eier unter.

Schwäne abschiessen

Ein weiteres Problem sei die zu hohe Schwanenpopulation, sagt Christian Müller. Diese betreffe den gesamten Bodenseeraum, auch in Deutschland und Österreich. «Schon vor 20 Jahren hätte man etwas dagegen machen sollen. Zum Beispiel hätte man Eier anstechen können, so dass die Schwäne nur ein oder zwei Eier ausbrüten können.» Dafür sei es jetzt zu spät und nun diskutiere man darüber, ob man Schwäne abschiessen soll, so Christian Müller. «Das ist wirklich schade, ich bin strikt gegen diese Methode.»

Künstliche Inseln als Lösung

Christian Müller findet, man sollte den Tieren wieder den Platz schaffen, der ihnen zusteht. Auch im Fall des Schwanenpaars in Rorschach, das heuer gleich acht Eier brütet. «Ich bin überzeugt, würde man auf dem See künstliche Inseln bauen, so würden die Schwäne diese nutzen.» Verändere sich aber nichts an der Situation, so werde das Schwanenpaar auch nächstes Jahr die gleiche Stelle am Ufer aufsuchen und die Eier werden einmal mehr im See verschwinden.

(kov)


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