«Zwölf Jahre Aufbauarbeit sind zerstört»

Von Angela Müller
Der Schnee hat den Wetterschutz einer Kirschenplantage in Egnach niedergedrückt.
Der Schnee hat den Wetterschutz einer Kirschenplantage in Egnach niedergedrückt. © zVg
Der heftige Schneefall am Freitag hat im Thurgau mindestens zwei Obstplantagen komplett zerstört. Eine davon gehört Werner Gsell aus Egnach – ab Dienstag werden dort mindestens 50 Einsatzkräfte des Zivilschutzes beim Aufräumen helfen.

Die Nacht vom letzten Donnerstag auf Freitag war für Landwirt Werner Gsell und seine Familie Horror. Seine ganze Kirschenplantage mit rund 4000 Bäumen wurde vom heftigen Schneefall verwüstet. «Zwölf Jahre Aufbauarbeit sind zerstört», sagt Werner Gsell. Weil die Bäume bereits geblüht hatten, waren die Hagelschutznetze darüber gespannt, diese krachten während des Schneefalls zusammen und rissen die Obstbäume mitsamt Betonpfeilern um.

Der Landwirt versuchte vergeblich, den Schaden zu verhindern.«Wir wussten, dass es schneien wird und haben deshalb 35 Helfer aufgeboten, die über Nacht den Schnee von den Schutzplanen abschütteln», sagt Werner Gsell. Doch am Morgen gegen 6.30 Uhr mussten er und die Helfer sich eingestehen, dass alle Massnahmen nutzlos sind.

Zivilschutz am Freitag alarmiert

«Zwischen 8 und 9 Uhr sind die Beton-Stützpfeiler der Wetterschutzanlagen zusammengekracht und der Schnee hat die Kirschbäume unter sich begraben.»Bereits am Freitagnachmittag hatte er Kontakt mit dem Thurgauer Landwirtschaftsamt Arenenberg, das sofort den Zivilschutz aufbot. «Wir hatten bereits über das Wochenende erste Unterstützung», sagt Gsell. Der Landwirt erlebt nicht die erste Katastrophe: Im Jahr 2007 waren seine Apfelbäume massiv vom Feuerbrand befallen und er musste sie roden.

Ernte und Bäume sind unversichert

Wie hoch der Schaden in diesem Jahr tatsächlich ist, kann er nicht abschätzten. Die ganze Schutzkonstruktion dürfte bis zu 300 000 Franken kosten, doch diese ist nicht zum Neuwert versichert. «Ob alle Kirschbaum-Stämme zerbrochen sind, weiss ich noch nicht», sagt Gsell. Weder die Kirschbäume noch die Ernte ist versichert.

Am Montagnachmittag wird der Zivilschutz ein weiters Mal die Kirschplantage von Gsell und von seinem Nachbarhof begutachten. Auch der Hof von Nachbar Konrad Huber wurde vom Sschnee nicht verschont. Seine Hagelschutzanlage ist ebenfalls komplett zerstört worden. Die verwüsteten Wetterschutzkonstruktionen auf einer Gesamtfläche von 4,5 Hektaren bei Gsell und jene vom Hof von Konrad Huber auf einer Fläche von rund sechs Hektaren müssen entsorgt werden.

Unfallgefahr wegen gespannter Seile

«Rund 50 Zivilschützer kommen zum Einsatz, ob es ab Mittwoch noch mehr braucht, wissen wir nicht», sagt der Thurgauer Zivlischutz-Kommandant Ivo Rindlisbacher. Da die Stahlseile zum Teil unter Spannung stehen, besteht eine gewisse Unfallgefahr. «Deshalb muss der Einsatz gut geplant sein.»

 

 


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