Corona-Schutz

«Erfolgreiche Empa-Tests»: Ostschweizer produzieren Textilmasken für den Bund

Fabienne Engbers, 1. Mai 2020, 18:27 Uhr
Es gibt sie einfarbig schlicht, bunt gemustert oder sogar mit dem Firmenlogo bedruckt: Mundschutzmasken aus Stoff. Aber Vorsicht: Einlagige Baumwollmasken schützen kaum. Die Empa testet deshalb zurzeit diverse Masken auf ihren Filterschutz und Luftdurchlässigkeit. Erste Textil-Unternehmen in der Ostschweiz haben grünes Licht bekommen und starten mit der Massenproduktion.

Sie sind ein gefragtes Gut in Zeiten der Corona-Krise: Schutzmasken. Wer nicht täglich mehrere Einwegmasken nutzen und dann wegwerfen will, der erhält von der Textilbranche eine attraktive Alternative: Die Schutzmaske aus Stoff.

Die einlagige Variante aus Baumwolle, die man auch selbst nähen kann, schützt den Träger allerdings kaum. «Bei der Verwendung normaler Stoffe ist der Schutz weniger als zehn Prozent im Vergleich zu einer Hygienemaske», sagte Brigadier Markus Näf, der für die Armeeapotheke verantwortlich ist, am Montag vor den Medien.

«Haben schon erfolgreich Tests durchgeführt»

Die eidgenössische Materialprüfstelle Empa in St.Gallen hat deshalb in der vergangenen Woche Empfehlungen an die Schutz-Attribute für sichere Stoffmasken publiziert. «Darin schlagen wir drei Messungen vor. Dies ist einerseits der Flüssigkeitsschutz, wo wir schauen, wie viele grosse Tropfen durch die Maske gelangen», sagt René Rossi.

Weiter wird geprüft, ob auch kleine Partikel in der grösse der Coronaviren von der Maske abgehalten werden, eine sogenannte Filtration von Aerosolen. Zuletzt wird die Luftdurchlässigkeit der Masken geprüft, damit man darunter gut atmen kann.

An der Empa werden die Schutzmasken geprüft.

© FM1Today/Nicole Milz

Die Prüfung der Masken durch die Empa ist anspruchsvoll, doch nur so können die Masken, die durch die Empa empfohlen werden, sich von den «normalen» Masken, die nur wenig Schutz bieten, absetzen. Dutzende Protoypen wurden von der Empa mit Hochdruck getestet. «Einige davon haben die Anforderungen erfüllt», sagt Rossi.

«Würden gerne Masken an den Bund liefern»

Ein solches Gütesiegel hat die Cilander AG in Herisau erhalten, im besten Fall liefert das Ostschweizer Unternehmen schon bald Masken an den Bund. «Wir sind in Gesprächen und bieten unsere Produktion als privates Unternehmen an», sagt CEO Burghard Schneider. Auch hier besteht eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmen. Das Gewebe liefert die Cilander AG, die Maske daraus näht das St.Galler Unternehmen Forster/Rohner.

«Wir sind in der Lage, etwa 300'000 bis 400'000 Textilmasken pro Monat zu nähen», sagt Burghard. Diese würden vor allem im Pflegebereich eingesetzt, um die zertifizierten FFP2- und FFP3-Masken in den Spitälern einzusetzen. «Man setzt hier in einem strapazierten Markt auf inländische Produkte, die durch die Waschbarkeit nachhaltig sind und einen riesigen Berg an Spezial-Müll verhindern», so Burghard.

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Quelle: TVO

In den kommenden Tagen will der Bund über die Bestellung der Masken entscheiden, im Mai möchte die Cilander AG mit der Produktion des speziellen Gewebes starten. Die Masken sollen dann unter anderem auch an Unternehmen und Privatpersonen gelangen.

Noch kein «Go» der Empa hat die Firma Schoeller Textil AG aus dem Rheintal erhalten. «Wir werden nun den Bericht der Empa analysieren und schauen, was wir verbessern müssen», sagt der Verantwortliche bei Schoeller, Rick Van Es.

«Die ersten Masken werden in zwei Wochen verfügbar sein»

Noch bevor sie die Testergebnisse der Empa erhielten, starteten andere Textilproduzenten in der Ostschweiz mit der Produktion. Eine davon ist die Weberei Appenzell. «Wir produzieren ein spezielles Gewebe, das antiviral und antibakteriell ist und verkaufen dieses an unsere Kunden», sagt Marketingchef Alexander Barberi. Die Technologie stammt von einem Unternehmen aus Schlieren, das eine Viroblock-Technologie entwickelt hat, welche von der Weberei Appenzell in ihr Gewebe eingebaut wird. Das Gewebe wird dann von den Kunden zu Masken verarbeitet.

Einer dieser Kunden ist der Textilverarbeiter Metzler in Balgach. Die Firma produziert normalerweise Hemden, Poloshirts und andere Oberbekleidung. In den letzten Wochen wurde ein Teil der Produktion auf die Herstellung von Schutzmasken umgerüstet und das Personal entsprechend geschult. Mit dem ersten Stoff der Weberei Appenzell werden die Schutzmasken nun produziert. «Wir rechnen damit, dass die ersten Masken in der Farbe weiss in etwa zwei Wochen in den Vertrieb gehen», sagt Geschäftsleiterin Alessia Mastroberardino.

Zertifizierung der Textilmasken ist schwierig

Nicht nur die Firma Metzler stellt textile Schutzmasken mit einem erhöhten Schutz und neuen Technologien her. Der Markt für textile Schutzmasken wird in den kommenden Wochen weiter mit Angeboten gefüllt und für den Konsumenten wird es immer schwieriger, die Produkte voneinander zu unterscheiden und die Empa-geprüften Masken von den «normalen» Stoffmasken zu unterscheiden.

Eine Zertifizierung erhalten die Stoffmasken nämlich nicht. «Dafür müssten sie EU-Standards genügen. In der Schweiz gibt es dafür nur zwei Zertifikate, jenes für die FFP-Masken und jenes für die OP-Masken», sagt Rossi.

Die Zertifizierung ist für Stoffmasken nicht möglich, sie erhalten von der Empa eine Empfehlung.

© FM1Today/Nicole Milz

Die Empa kann die von ihr geprüften Masken aber mit einer Art Siegel versehen. «Wenn ein Partner sich auf die Empfehlungen der Wissenschafts-Taskforce beziehen möchte, werden wir ihn selbstverständlich unterstützen», sagt der Experte.

«Eine nachhaltige Alternative zu den Einweg-Masken»

Wer also einen guten Schutz vor den Viren möchte und doch keine Einweg-Masken nutzen will, der wird von der Schweizer Textilbranche schon bald eine Alternative erhalten.

«Der grosse Vorteil der Masken aus Stoff ist, dass man sie waschen und dadurch mehrmals nutzen kann», sagt Mastroberardino. Wer zu Stosszeiten im ÖV unterwegs ist, zum Coiffeur oder zur Massage muss und dabei gut geschützt sein will, dem bietet die Textilmaske also eine nachhaltige Lösung.

Dies unterstützt auch der Schweizer Textilverband, Swiss Textiles. «Wir stellen eine Nachfrage für Schutzmasken fest, die wir mit nachhaltigen und wiederverwendbaren Textilmasken bedienen können. Ausserdem haben die Produzenten momentan Kapazität, weil die Läden in ganz Europa geschlossen sind», sagt Verbandschef Peter Flückiger.

Diese Nachfrage kommt auch vom Detailhandel. Auf Anfrage von FM1Today sagt Coop: «Wir nehmen Stoffmasken in unser Sortiment auf. Über den genauen Verkaufszeitpunkt sowie weitere Details äussern wir uns zu gegebener Zeit.»

Mittelfristig werden neue, geprüfte Textilmasken auf den Markt kommen

Gestartet wurde ausserdem ein Forschungsprojekt, um auf mittel- und langfristige Sicht neue textile Schutzmasken zu entwickeln. «Die Schweiz ist eines der führenden Länder weltweit für textile Lösungen. Dieses innovative Umfeld hilft, neue Produkte zu entwickeln, die künftig in solchen Situationen genutzt werden können», sagt Flückiger.

Unter anderem arbeiten daran auch die Ostschweizer Textilproduzenten und die Empa mit. Wie lange es allerdings noch dauert, bis man hier mit einer Lösung aufwarten kann, ist unklar.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 1. Mai 2020 06:36
aktualisiert: 1. Mai 2020 18:27