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Coronatest-Speicheltest

So stelle ich mir einen Schwangerschaftstest vor

Lara Abderhalden, 26. Dezember 2020, 14:47 Uhr
Seit einigen Wochen vertreibt die St.Galler Firma Home Sampling GmbH einen Coronatest, der über eine Speichelprobe erfolgt. Ich habe den Test ausprobiert – und das Warten auf das Ergebnis ist schrecklich.
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Quelle: FM1Today / Lena Rhyner

Ein kleines Kartonpäckchen – knapp die Grösse einer Pralinenschachtel – enthält eine kleine Plastikdose, ein Röhrchen, einen Trichter und zwei Papierbögen. Das ist der Coronatest «ohne Schmerzen» – wie er im Internet angepriesen wird. Denn anders als beim gewöhnlichen Coronatest braucht es bei diesem Test, der von der St.Galler Firma Home Sampling GmbH vertrieben wird, keinen Nasen-Rachen-Abstrich. Nur ziemlich viel Spucke.

Ergebnis sollte innerhalb eines Tages kommen

Vor dem Test darf ich eine halbe Stunde nichts konsumieren. Durch Fremdstoffe wie Nahrungsmittel, aber auch Kaugummikauen, könne der Test gestört und es unmöglich werden, ein Ergebnis zu bekommen, heisst es. Falschpositive Resultate entstehen dabei, gemäss Firma, aber keine.

Der Test an sich ist so simpel wie er klingt – durch kurzes Reiben der Backen wird die Speichelproduktion angeregt (steht in der Anleitung) und los geht das «Spudere», bis die Flüssigkeit über eine Markierung kommt. Dafür brauche ich schon mehrere Anläufe.

Durch das Schliessen des Deckels vermischt sich der Speichel mit einer Konservierungsflüssigkeit. Das Ganze wird anschliessend noch zusätzlich verschlossen und in der Plastikdose an das Labor geschickt. Sobald die Probe im Labor ankommt, dauert es noch rund einen Tag, bis das Ergebnis des Tests bekannt ist. Dieses bekommt man in Form einer verschlüsselten E-Mail – steht zumindest in der Anleitung.

Wie Bungeejumping

Das Warten auf das Testergebnis ist das Schlimmste an der ganzen Sache – unangenehm, extrem unangenehm. Ohne Symptome einen Test zu machen und das vor Weihnachten, dem Fest der Familie, fühlt sich irgendwie an wie Bungeejumpen. Man hängt in den Seilen – weiss nicht recht, wie es weiter geht. Die Gefahr besteht, Weihnachten alleine feiern zu müssen.

24 Stunden nach dem Test habe ich noch immer keine Nachricht. Positiv oder negativ? So stelle ich mir das Warten auf ein Schwangerschaftstestergebnis vor. Gemäss Boris Waldvogel, Geschäftsführer der Invenimus Medizinische Laboratorien AG in Kloten, wo die Tests ausgewertet werden, ist das Ergebnis gleichwertig, wie das Ergebnis eines Nasen-Rachen-Abstrichs. Immerhin. Das Handling war ausserdem «tubelisicher» – weswegen ich wohl kaum etwas falsch gemacht habe.

Labor hat nur beschränkte Ressourcen

Während ich weiter warte, frage ich Boris Waldvogel, ob die Nachfrage nach den «schmerzfreien» Tests zugenommen hat. «Darüber wollen wir keine Auskunft geben», heisst es kurz und bündig. Einen grösseren Einsatz der Speicheltest, beispielsweise bei Massentest, kommt für Boris Waldvogel aktuell nicht in Frage: «Aufgrund beschränkter Testkapazitäten sehen wir den Nutzen mehr in der spezifischen Einzeltestung.» Es arbeite ein kleines Team an der Auswertung der Proben.

Na dann aber los jetzt! Ich bin ungeduldig. Wie haben das nur alle anderen, die auf ein Coronatestergebnis warteten, ausgehalten? Bei jedem Aufleuchten eines Mails, jedem «DingDong», bleibt mein Herz kurz stehen und schlägt dann wie verrückt.

Haben sie mich vergessen? Werde ich direkt vom Contact Tracing informiert? Ich habe Angst. Angst vor dem Alleinsein – vor einer Absage meiner Weihnachtspläne. Jetzt kommt schon, schickt das Resultat!

Da ist es. Negativ. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Zwei Tage nach dem Speicheltest steht das Ergebnis schwarz auf weiss in einer E-Mail. Der «Spuck» ist vorbei.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. Dezember 2020 14:46
aktualisiert: 26. Dezember 2020 14:47