«Die Leute werfen uns in einen Topf»

Nach der Verhaftung eines St.Galler Kita-Mitarbeiters, der Kinderpornos verbreitet haben soll, fürchten weitere Männer in der Branche, unter Generalverdacht gestellt zu werden.

«Wir wollen im Job unser bestes geben und mit den Kindern zusammenarbeiten. Wenn sowas passiert, ist das nicht einfach für uns», sagt der 25-jährige Samuel Rogers, der in der St.Galler Kinderkrippe Globi seine Ausbildung absolviert, im Interview mit TVO. Es sei nicht gerecht, wie sich die Leute auf die Story stürzen. «Sie werfen uns alle in denselben Topf.»

«Schade, wenn wir nicht arbeiten können»

Im nächsten Jahr schliesst Rogers seine Ausbildung ab. Nach der Verhaftung des 32-Jährigen, der unter Verdacht steht, kinderpornografisches Material im Netz verbreitet zu haben, fürchtet er, keine Stelle zu finden. «Ich habe vier weitere Männer in der Klasse. Es ist schade, wenn wir den Beruf nicht ausüben können, den wir von Herzen gerne machen.»

Bewerber werden genau geprüft

Der Beschuldigte sitzt aktuell in Untersuchungshaft und hat von seinem Arbeitgeber, der Kinderkrippe Fiorino im Osten der Stadt St.Gallen, eine fristlose Kündigung erhalten. Vor jeder Neueinstellung würden die Bewerber genau geprüft, sagt Fiorino-Verwaltungsratspräsident Jacques Hefti: Unter anderem hole das Unternehmen, das neun weitere Kitas in St.Gallen und Umgebung betreibt, Referenzen ein – zudem prüfe es den Strafregisterauszug und schaue sich den potenziellen Mitarbeitenden bei einem Probeeinsatz genau an.

Auszug nur Momentaufnahme

Auch ein Sonderprivatauszug – dieser geht spezifisch auf die Arbeit mit Kindern ein – sei leider nur eine Momentaufnahme und daher eine «vermeintliche Sicherheit», sagt Roger Zahner, Leiter der Abteilung Kinder und Jugend beim Amt für Soziales des Kantons St.Gallen.

Ob die Anstellungsbedingungen für männliche Kita-Mitarbeiter in Zukunft verschärft werden, ist derzeit noch unklar. Für den 32-jährigen Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

(lag)


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