«Ich verzichte aus Überzeugung»

Hat seinen Entscheid aus Überzeugung gefällt: CVP-Mann Daniel Fässler.
Hat seinen Entscheid aus Überzeugung gefällt: CVP-Mann Daniel Fässler. © Keystone/Gian Ehrenzeller
Der Appenzeller Landammann Daniel Fässler (58) will nicht in die Fussstapfen von Bundesrätin Doris Leuthard (55) treten. Im Interview spricht er darüber, was ihn zum Verzicht auf die Kandidatur bewogen hat.

Daniel Fässler, Sie haben heute kommuniziert, dass Sie nicht an der Bundesratswahl antreten werden. Warum nicht?
Die Frage, ob man sich ein solches Amt vorstellen kann, stellt sich einmal im Leben. Ich habe mir die mögliche Kandidatur sehr gut überlegt und mit meiner Familie besprochen. Trotz meiner langjährigen Erfahrung im Regierungs- und Nationalrat und meiner regionalen politischen Mandate musste ich klar feststellen, dass die negativen Aspekte überwiegen. Es gibt anderes in meinem Leben, das mir sehr wichtig ist. Ich habe deshalb aus Überzeugung entschieden, auf eine Kandidatur zu verzichten.

Welches sind Ihrer Meinung nach die negativen Aspekte eines Bundesratsamtes?
In erster Linie ist es eine grosse Freude, ein solches Amt auszuüben. Ob ich gewählt worden wäre, wäre nüchtern und objektiv betrachtet selbstverständlich völlig offen gewesen. Als Bundesrat ist man sehr exponiert, ständig in der Öffentlichkeit, wird anders kritisiert und beurteilt. Letztlich ist man sieben Tage die Woche im Amt gefordert. Ich war nicht bereit, meine Freiräume aufzugeben.

Haben Sie in der Entscheidungsphase auch mit ehemaligen und amtierenden Bundesräten gesprochen?
Wenn man so lange politisch aktiv ist, kennt man viele frühere und aktive Bundesräte persönlich. Dabei nimmt man wahr, was es für eine Person bedeutet, ein solches Amt auszuüben.

Hat Keller-Sutters Kandidatur Sie beeinflusst, nicht anzutreten?
Nein, ihr Entscheid hatte damit gar nichts zu tun. Man muss mit sich selber ins Reine kommen und selber wissen, was man will.

Sie haben sich einige Nächte lang Zeit genommen, über die Kandidatur nachzudenken.
Grundsätzlich hätte mich die Aufgabe an sich durchaus gereizt, deshalb habe ich nicht spontan Nein gesagt. Ich bin wirklich froh, habe ich mir die Zeit genommen, es mir gut und gründlich zu überlegen. Jetzt sage ich aus Überzeugung: Ich strebe das Amt definitiv nicht an.

Nun können Sie der Bundesrats-Ersatzwahl vom 5. Dezember gelassen entgegenblicken. Wer ist Ihr Favorit als Nachfolge von Leuthard?
Dazu kann und will ich mich nicht äussern. Es gibt immer noch Personen, die sich zur Verfügung stellen können – vielleicht gibt es noch eine Überraschung.

(lae/lag)


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