«Wir wollten eine Panik verhindern»

Urs Marti, Patrik Degiacomi und Tom Leibundgut informieren zum Unfall.
Urs Marti, Patrik Degiacomi und Tom Leibundgut informieren zum Unfall. © Krisztina Scherrer/FM1Today
Der Stadtrat der Stadt Chur hat am Vormittag zum tödlichen Unfall eines 14-Jährigen an der Maiensässfahrt informiert. Dabei kam auch zur Sprache, wieso der Umzug trotzdem durchgeführt worden ist.

«Vor Beginn des Umzuges stand die Stadt vor der schwierigen Entscheidung, den Umzug durchzuführen oder nicht», sagt der Churer Stadtrat Patrik Degiacomi. Nur wenig früher kam es zum tödlichen Unfall: Ein 14-jähriger Schüler stürzte bei der Wanderung bei Juchs rund zweihundert Meter in die Tiefe und verstarb.

Angehörige wurden erst spät erreicht

Degiacomi sagt: «Um ein Durcheinander oder im schlimmsten Fall eine Massenpanik auf der Quaderwiese zu verhindern, haben wir am Ablauf festgehalten.» Zudem waren die Angehörigen zu jenem Zeitpunkt noch nicht informiert gewesen, die Eltern wurden erst nach 20 Uhr erreicht. «Der Stadtrat ist sich bewusst, dass die Durchführung Fragen aufwirft, er ist sich aber sicher, mit dieser Entscheidung dem Wohle und der Sicherheit in hohem Masse Rechnung getragen zu haben, für all jene, die sich in der Stadt befanden.»

Der Stadtrat musste die Begrüssungsrede auf der Quaderwiese mit schwerem Herzen antreten. «Ich musste so tun, als wäre alles in Ordnung. Viele Leute haben es mir jedoch in den Augen angesehen, dass etwas nicht stimme. Ich durfte aber nichts sagen.»

Die Kantonspolizei Graubünden hat am Freitagmorgen über den tödlichen Unfall informiert. Die Abklärungen zum Unfallhergang werden von der Polizei und von der Staatsanwaltschaft gemacht.

Weg war in einwandfreiem Zustand

Wie jedes Jahr wurden die Wanderwege für den Umzug überprüft und instand gesetzt. «Selbstverständlich haben wir uns nach dem Unfall gefragt, wie der Zustand des Weges war», sagt Tom Leibundgut, Departementsvorsteher Bau, Planung und Umwelt. «Der Wanderweg wurde vom Schnee befreit, er war in einwandfreiem Zustand.»

Die Sicherheitsvorkehrungen für die Maiensässfahrt werden laufend beurteilt und angepasst, versichert Degiacomi. Der Stadtrat betont, dass er zurzeit keine Schlüsse ziehen möchte in der Frage, warum der Jugendliche dennoch vom Weg abstürzte. Der tragische Unfall wird in die lange Geschichte der Maiensässfahrt eingehen. «Nach unserem Wissen war dies der einzige so schwere Vorfall in der 165-jährigen Geschichte der Maiensässfahrt.»

Zweihundert Meter abgestürzt

Der 14-Jährige war mit weiteren Sekundarschülern der Stadt Chur kurz nach 17 Uhr vom Churer Hausberg Pizokel über Juchs nach Chur unterwegs. «Plötzlich kam der 14-Jährige auf der Alpstrasse in der Oberen Val Parghera vom Weg ab und stürzte rund zweihundert Meter über felsdurchsetztes, steiles Gelände ab», sagt Polizeisprecherin Anita Senti. Warum der Jugendliche abgestürzt ist, ist zurzeit Sache der Ermittlungen.

Die Rega wurde aufgeboten. «Der Regaarzt konnte nur noch den Tod des Jugendlichen feststellen.» Der tödlich verunglückte Schüler wurde mit einer Seilwinde geborgen.

Angehörige, Klassenkameradinnen und -kameraden sowie Lehrpersonen werden psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei Graubünden untersuchen nun, wie es zum Unglück gekommen ist.

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