Bleibt in Syrien!

Leila Akbarzada, 18. September 2015, 14:04 Uhr
Flüchtlinge an der kroatischen Grenze (Symbolbild) (KEYSTONE)
Kurdische Politiker in Syrien rufen ihre Bevölkerung auf, nicht nach Europa zu flüchten. Sie fürchten, dass das Gebiet Kurdistan bald ausstirbt. Und damit dem IS keine Stirn mehr geboten wird.

Die kurdischen Parteien in Syrien haben ihre Bevölkerung aufgerufen, nicht nach Europa zu flüchten. Dies berichtete AlJazeera vor Ort. Die Parteien befürchten, wenn noch mehr Menschen Kurdistan verlassen, dass ihr Gebiet einer regelrechten Wüste gleichen wird.

Flucht in den Nordirak

Die kurdischen Gebiete in Syrien – auch Rojava genannt - sind bis jetzt relativ sicher, zumindest im Vergleich zum Restgebiet des Landes. Trotzdem haben viele syrischen Kurden ihre Heimat verlassen. Laut UNO-Hochkomissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sind im Moment 250 000 syrische Flüchtlinge im Norden Iraks registriert.

In der kurdischen Enklave Efrin in der Nähe von Aleppo nahe der türkischen Grenze sind nach Kämpfen zwischen den kurdischen Milizen (YPG) und der islamistischen Al-Nusra-Front viele syrischen Kurden Richtung irakisches Kurdistan geflohen. Die kurdischen Behörden haben danach die Grenzen gesperrt und Kurden die Ausreise in die Türkei verboten. Ein Augenzeuge berichtete, dass die Behörden den arabisch-stämmigen Syrern die Grenzübertretung erlaubten, den Kurden jedoch nicht.

Kämpfer gebraucht

Die Politik der kurdischen Administration hat einen wesentlichen Beitrag zur Flucht von jungen Syrern gemacht. Sie verpflichtet alle, mindestens sechs Monate Kriegsdienst zu leisten. Das heisst: Krieg führen gegen islamistische Gruppen wie die Nusra-Front, oder auch die Terrormiliz Islamischer Staat. Nicht alle Kurden Syriens wollen sich aber der Befreiungsarmee anschliessen, die der PKK nahe steht. Viele sind auch Müde von der Gewalt haben. Kritiker der YPG bezeichnen den Aufruf als Hohn, denn laut ihren Angaben sind die meisten Familien der YPG-Milizionäre sicher im Ausland wohnhaft.

Übernimmt IS bald Kurdistan?

Nichtsdestoztrotz wäre die Schwächung der kurdischen Truppen eine grosse Gefahr, denn die Kurden sind noch die einzige lokale Widerstandskraft gegen den IS, die wirklich ein grösseres Gebiet als nur eine Stadt mit Umland berrscht. Wandern noch mehr kurdische Syrer ab, ist es eine Frage der Zeit, bis der IS auch das kurdische Gebit Syriens, also der Norden, unter Kontrolle bringt. Wie die Türkei damit umgehen würde, wnen die IS auf der anderen Seite der Grenze herrscht, wird sich dann zeigen.

Leila Akbarzada
Quelle: lak
veröffentlicht: 18. September 2015 14:02
aktualisiert: 18. September 2015 14:04