«Das ist ein Generationenprojekt»

Dumeni Casaulta, 7. März 2019, 19:10 Uhr
Durch eine dritte Röhre im Rosenbergtunnel soll die Kapazität auf der St.Galler Stadtautobahn erhöht werden. Damit das städtische Verkehrsnetz vom Verkehr entlastet wird, soll ausserdem ein neuer Autobahnzubringer beim Güterbahnhof entstehen und eine unterirdische Verbindung nach Ausserrhoden. Jetzt haben die Verantwortlichen das riesige Projekt vorgestellt.

Heute fahren täglich 80'000 Fahrzeuge durch den Rosenbergtunnel der St.Galler Stadtautobahn. Das ist ein Viertel mehr als noch vor zehn Jahren. Damit stösst die Autobahn zu Spitzenzeiten an ihre Kapazitätsgrenze. Bis 2030 dürfte sich die Situation weiter verschärfen. Reagiert man nicht, verschiebt sich der Autobahnverkehr in die Innenstadt St.Gallen. Was das Bundesamt für Strassen Astra, der Kanton St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden und die Stadt St.Gallen vermeiden wollen.

Neue Röhre im Rosenbergtunnel

Um den Engpass zu beseitigen, soll im Rosenberg eine dritte Tunnelröhre gebaut werden. Der Bau der dritten Röhre bedingt, dass die heutigen Pannenstreifen zwischen den Anschlüssen St.Fiden und Neudorf zu Fahrspuren umgenutzt werden. So kann auf der Stadtautobahn durchgängig auf drei Spuren je Fahrtrichtung gefahren werden. «Die dritte Rosenberg-Röhre und die Pannenstreifenumnutzung werden hundert Prozent vom Bund finanziert», sagt Jürg Röthlisberger von Astra.

Zubringer im Areal des Güterbahnhofes

Als Entlastung des städtischen Verkehrsnetzes sei aber auch ein weiterer Autobahnanschluss nötig. 85 Prozent der Autofahrten starten oder enden im Stadtgebiet. «Es wird einen unterirdischen, neuen Zubringer von der Autobahn in die Stadt geben, der sogenannte Tunnel Feldli. Dieser endet in einem ebenfalls unterirdischen Kreisel unterhalb des heutigen Güterbahnhofareals. Von dort könnte man direkt in die Stadt fahren oder durch den neuen Tunnel Liebegg bis an die Grenze des Kanton Appenzell Ausserrhodens fahren», sagt Marc Mächler vom Baudepartement des Kantons St.Gallen.

Konkret soll der neue Zubringer in die Oberstrasse und in die Geltenwilenstrasse münden.

Der neue Zubringer soll mit einem Tunnel und einem unterirdischen Kreisel realisiert werden. (Grafik: PD)
Der neue Zubringer soll mit einem Tunnel und einem unterirdischen Kreisel realisiert werden. (Grafik: PD)

Der Tunnel Feldli schafft die Verbindung zwischen der Autobahn und dem Güterbahnhof und ist mit zwei Tunnelröhren mit je zwei Spuren geplant. Der Liebegg Tunnel besteht aus einer Tunnelröhre mit je einer Spur. «Ohne einen Kreisel wäre es unmöglich von vier auf zwei Spuren reduzieren zu können.», so Regierungsrat Mächler. Beim Kreisel würden sich die Menge an Autofahrer in alle Richtungen verteilen.

Unterirdische Verbindung entlastet Appenzell

Reisende von Appenzell können so um auf die Autobahn zu gelangen, die Stadt «unterfahren» und müssen nicht wie jetzt durch die Stadt St.Gallen fahren. «Die Achse Gais- Teufen- St.Gallen nutzen täglich dreizehntausend Fahrzeuge. Von Herisau fahren täglich zwanzigtausend nach St.Gallen. Zwei Achsen, die völlig überlastet sind und an welchen Massnahmen unumgänglich sind, in den nächsten Jahren. », sagt Dölf Biasotto vom Baudepartement des Kanton Appenzell Ausserrhodens.

Projekt nicht vor 2040 fertig

Für die dritte Röhre Rosenbergtunnel sowie den Tunnel Feldli und den Kreisel des Zubringers Güterbahnhof erarbeitet das Astra die generellen Projekte. Über diese entscheidet der Bundesrat voraussichtlich bis 2022 respektive 2025. Die weiteren Projektteile des Zubringers Güterbahnhof – die Anschlüsse an das städtische Netz und der Tunnel Liebegg – liegen in der Zuständigkeit des Baudepartementes des Kantons St.Gallen und werden in enger Abstimmung mit dem Astra sowie mit dem Kanton Appenzell Ausserrhoden, der Stadt St.Gallen und der Gemeinde Teufen weiter geplant. Der nächste Schritt ist die Erstellung eines Vorprojekts, das voraussichtlich bis 2021 vorliegt. Baubeginn ist bestenfalls im Jahr 2030. Das Riesenprojekt wird nicht vor 2040 abgeschlossen sein. Die Verantwortlichen sprechen deshalb von einem Generationenprojekt.

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Quelle: TVO

Die Region zahlt 150 bis 200 Millionen Franken

Das Gesamtprojekt kostet rund 1.3 Milliarden Franken. Der Bund übernimmt 1.144 Milliarden. Dank der Botschaft des Bundesrates und Parlaments «Strategisches Entwicklungsprogramm Nationalstrassen (STEP)», die im vergangenen September verabschiedet wurde. «Auf die Region entfällt ein Anteil von 150 bis 200 Millionen Franken», sagt Marc Mächler Regierungsrat des Kanton St.Gallens. Die Kostengenauigkeit beträgt zum jetzigen Zeitpunkt plus minus 30 Prozent. Im Verlauf der weiteren Projektierung werden die Kosten präzisiert. «Der Kanton St.Gallen übernimmt, das kann man jetzt schon sagen, das meiste dieses restlichen Anteils. »

Die Vorteile gegenüber heutigem Zustand

Das Gesamtprojekt «Engpassbeseitigung St.Gallen» verflüssigt den Verkehr sowohl auf der Autobahn als auch in der Stadt und verbessert die regionale Erreichbarkeit und somit die Attraktivität der Stadt St.Gallen, sind die Verantwortlichen überzeugt. Die neue unterirdische Linienführung zum Autobahnanschluss sei kürzer, was sich positiv auf die Reisezeit und die Belastung in der Stadt auswirkt. Indem ein grosser Teil des Transitverkehrs unterirdisch abgewickelt wird, reduziere sich der Verkehr an der Oberfläche und verschafft dem öffentlichen Verkehr wie auch dem Fuss- und Veloverkehr mehr Platz. Mit der hauptsächlich unterirdischen Führung der neuen Strassen und Anschlüsse bleibe die Entwicklung des Güterbahnhofareals möglich.

Auch ÖV profitiert vom Projekt

Wichtig ist den Verantwortlichen zu betonen, dass dieses Projekt kein Zeichen gegen den Öffentlichen Verkehr (ÖV) ist. Sondern man vielmehr, dass eine tun und dass andere nicht lassen, möchte. Da auch Busse und Strassenbahnen von einer guten Strassensituation profitieren.

Zum ganzen Projekt wurde eigens eine Webseite erstellt, auf welcher ausführlich informiert wird.

Dumeni Casaulta
Quelle: red./PD
veröffentlicht: 7. März 2019 11:24
aktualisiert: 7. März 2019 19:10