Kim Yong Uns (un-)bekannter Wahnsinn

Leila Akbarzada, 15. September 2015, 11:30 Uhr
Der eiserne Machthaber Kim Jong Un bei einer Parteiveranstaltung in Pjöngjang im September 2015.
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat heute bekannt gegeben, dass die Nuklearbasis Yongbyon wieder voll in Betrieb sei. Ob das stimmt, kann niemand so genau sagen. Immer wieder sorgt der Diktator für Verwirrung mit abstrusen, teils auch makaberen Aktionen, die nicht verifiziert werden können.

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA liess verlauten, dass das Land nun mit dem Nuklearkomplex Yongbyon jederzeit bereit sei, auf amerikanische Aggression zu reagieren. US-Beamte zweifeln jedoch am Wahrheitsgehalt dieser aktuellen Ankündigung.

Das Mysterium Yongbyon

Die Nuklearanlage Yongbyon ist nicht neu. Sie ist die grösste Atomanlage in Nordkorea und produziert wohl den grössten Teil der Kernenergie des Landes. 2007 zeigte sich Nordkorea kompromissbereit dem Westen gegenüber und schloss die Anlage. Die Behörden liessen sogar internationale Atomexperten in das abgeschottete Land und sprengten den Kühlturm des Reaktors. Danach gab es immer wieder Gerüchte, dass die Anlage wieder in Betrieb sei. Ein im Jahr 2010 veröffentlichter Bericht eines US-Atomwaffenexperten zeigte auf, dass die Anlage in Betrieb ist, und nun sogar neben Plutoniumgewinnung auch Urananreicherung stattfindet. Staatsmedien bestätigten offiziell die Reaktivierung des Reaktors im April 2013. Und nun seien die Nuklearwaffen Nordkoreas «in Qualität und Quantität» verbessert, teilt die KCNA mit. Solche Äusserungen werden aber von westlicher Seite oftmals mehr als Grössenwahn denn als echte Bedrohung interpretiert.

Girlband Moranbong verschwunden

Zuletzt machte Nordkorea Schlagzeilen wegen der Girlband Moranbong. Die persönliche Popband des Staatschefs war während zweier Monate verschwunden. Die hübschen Mädels waren mit ihren Propaganda-Songs während drei Jahren omnipräsent im staatlichen Fernsehen – westliche Musik ist in Nordkorea verboten. Die jungen, von Kim Yong Un persönlich auserwählten Sängerinnen, wurden immer dann aufgeboten, wenn Nordkorea etwas zu feiern hatte: Nationalfeiertage, Militärparaden, Partei-Events und so weiter.

Plötzlich verschwanden die Mädels während zweier Monate von der Bildfläche. Die Fans spekulierten hysterisch: Hat der Diktator kein Interesse mehr? Sind sie vielleicht sogar liquidiert worden? In Nordkorea ist alles möglich. Aber dann die Entwarnung des Regimes: Die Band bleibt am Sender. Wieso genau zwei Monate nichts von den Schönheiten zu sehen und hören war, bleibt eines der mysteriösen nordkoreanischen Geheimnisse.

Hinrichtungen im engsten Kreis

Kim Jong Un, der das Land seit 2011 fest im Griff hat, erregt immer wieder internationale Aufmerksamkeit für seine skrupellosen Hinrichtungen. Weil ihm sein Verteidigungsminister Hyon Yong Chol öffentlich widersprochen habe, und dazu noch bei einer öffentlichen Veranstaltung eingeschlafen sei, habe der Diktator ihn abgesetzt und darauf am 30. April 2015 hinrichten lassen. Ende 2013 hat Kim Jong Un seinen eigenen Onkel Chang Song Taek nach einem Militärprozess exekutieren lassen. Laut KCNA wurde dem Politiker und Mentor Kim Jong Uns Fraktionsbildung, Korruption, Export von Rohstoffen an China sowie auch Frauengeschichten vorgeworfen. Auch soll Kim Jong Un einem CNN-Bericht zufolge seine eigene Tante im Mai 2015 vergiftet haben. Sie gehörte ebenfalls zum engen Führungskreis und war die einzige Tochter des Staatsgründers Kim Il Sung. Seit September 2014 war sie nicht mehr öffentlich zu sehen. Eine makabere Machtdemonstration- wenn sie dann auch wirklich wahr ist. Zu was der erst 32jährige Kim Yong Un alles sonst noch bereit ist, will man vielleicht gar nicht so genau wissen.

Leila Akbarzada
Quelle: lak
veröffentlicht: 15. September 2015 11:02
aktualisiert: 15. September 2015 11:30