Stadler Rail überlegt sich Wegzug aus Altenrhein

Michael Ulmann, 4. April 2017, 11:57 Uhr
Gibt es vielleicht schon bald nicht mehr: Der Stadler Rail-Standort in Altenrhein.
Gibt es vielleicht schon bald nicht mehr: Der Stadler Rail-Standort in Altenrhein.
© Stadler Rail
Die Gemeinde Thal verliert womöglich ihren grössten Arbeitgeber. Der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail ist nicht mehr zufrieden mit seinem Produktionsstandort in Altenrhein und überlegt sich einen Umzug ins rund acht Kilometer entfernte St. Margrethen.

Stadler Rail möchte in St. Margrethen auf dem Altfeldareal einen Neubau realisieren. In Zusammenarbeit mit dem Kanton St. Gallen, der Gemeinde St. Margrethen sowie der Landbesitzerin Hiag hat der Schienenfahrzeughersteller in St. Margrethen ein rund 70‘000 Quadratmeter grosses Areal gefunden, das unter anderem wegen des bereits vorhandenen Gleisanschlusses optimale Bedingungen bietet. Damit der Neubau realisiert werden kann, wäre allerdings eine Umzonung und Anpassung des Überbauungsplans nötig. Ein entsprechendes Gesuch hat Stadler Rail eingereicht.

Kritik an Eigentümer

Die Gründe für die Umzugspläne von Stadler Rail sind vielfältig. Ein Grund sticht besonders hervor und beinhaltet Zündstoff. Laut Stadler Rail ist der Standort in Altenrhein stark veraltet und der Eigentümer hat in den letzten Jahren keine Bereitschaft gezeigt, die nötigen Investitionen zu tätigen und Renovationen durchzuführen. Dadurch sei die Produktivität an diesem Standort limitiert und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Umfeld geschwächt, kritisiert Stadler Rail.

Der Schienenfahrzeughersteller strebt aber auch eine Effizienzsteigerung an, nicht zuletzt wegen dem hohen Margendruck infolge der Währungssituation und dem Lohnkostenniveau in der Schweiz.

In St. Margrethen reibt man sich die Hände

Bei der Gemeinde St. Margrethen frohlockt man bereits über die Umzugspläne des international tätigen Unternehmens. Der Gemeindepräsident von St. Margrethen, Reto Friedauer, sagt: «Die Gemeinde St. Margrethen sieht in einem möglichen Umzug von Stadler die willkommene Chance für eine hochwertige Neunutzung des Altfeldareals. Sie erwartet davon wichtige Impulse für die Gemeindeentwicklung.»

Der geplante Umzug nach St. Margrethen sei ein klares Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz und zum Standort im Dreiländereck, teilt Stadler Rail mit. Die Verlagerung betreffe lediglich den Produktionsstandort in Altenrhein. Nicht betroffen seien der Hauptsitz in Bussnang, das Kompetenzzentrum für Drehgestelle in Winterthur oder das Inbetriebsetzungszentrum in Erlen.

In Altenrhein beschäftigt Stadler Rail zurzeit rund 950 Mitarbeitende auf über 49'000 Quadratmetern Produktions- und Lagerfläche.

Am
Am

Am Standort von Stadler Rail in Altenrhein befindet sich heute das Kompetenzzentrum für KISS-Doppelstockzüge. Das Werk wurde ursprünglich 1924 von Claude Dornier als Dornier-Werke Altenrhein AG gegründet. Damit die dort entstandenen Flugzeuge abheben konnten, entstand in Altenrhein der Flugplatz, der 1927 den Betrieb aufnahm. In Altenrhein wurde auch das weltweit grösste, jemals gebaute Wasserflugzeug Do X montiert und in der Schweiz erprobt. Ab 1949 wurde aus Dornier die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein AG (FFA) und das Unternehmen begann, Waggons zu bauen. Der Waggonbau wurde zu einem wichtigen Pfeiler der FFA, so wurden u.a. alle Fahrzeuge der Rhätischen Bahn in Altenrhein gebaut – bis heute. 1987 wurde die FFA an die Schindler Holding verkauft. Der Waggonbau wurde am Standort behalten und Schindler formierte eine zweite Waggonbau-Tochtergesellschaft, die Schindler Waggon Altenrhein (SWA). Im Jahr 1997 hat Stadler das Werk vor der Schliessung gerettet und von der SWA übernommen – inklusive der Belegschaft von 67 Mitarbeitern. Zwei Jahre nach der Lancierung des Gelenktriebwagen (GTW) entsprach das einer Verdoppelung der Stadler-Mitarbeiterzahl.
Michael Ulmann
veröffentlicht: 4. April 2017 11:57
aktualisiert: 4. April 2017 11:57