«Besucher respektieren Brauchtum nicht»

Sandro Zulian, 18. Dezember 2018, 05:38 Uhr
Die steigende Anzahl an Besucherinnen und Besuchern ist den Appenzeller Silvesterchläusen langsam, aber sicher ein Dorn im Auge. In Teufen sei es am Silvestermorgen besonders schlimm. Die Gemeinde will sensibilisieren.

Sie stehen im Weg, sind laut, filmen direkt vor der Maske und respektieren das Brauchtum nicht. Die Appenzeller Silvesterchläuse nerven sich über die zunehmende Anzahl an rücksichtslosen Zuschauern.

Tablets und Handys an jeder Ecke

Speziell in der Gemeinde Teufen kommen Einheimische und Touristen mittlerweile in Scharen und lenken die Chläuse ab. Tablets und Handys sind allgegenwärtig, wenn die Silvesterchläuse durch das Appenzellerland ziehen. Markus Wild aus Teufen ist Silvesterchlaus aus Leidenschaft. Seine aufwändig gestaltete Haube setzt er mit viel Freude auf. Die Zuschauerschaft mache es ihm allerdings nicht einfach, diese Freude aufrecht zu halten.

«Handys werden vors Gesicht gehalten»

«Für uns Chläuse ist es nicht mehr immer angenehm. Einerseits muss man sicherstellen, dass man seine Gspänli durch die Menschenmenge hindurch noch sieht, andererseits ist es aufgrund der vielen Leute ziemlich laut. Wir müssen uns konzentrieren, damit wir einander noch singen hören.» Die Dichte an Smartphones, Tablets und Kameras habe extrem zugenommen. «Uns werden teils Handys direkt vors Gesicht gehalten. Manchmal stehen Leute direkt zu uns in die Mitte und fangen an zu filmen.» Das sei für sie als Chläuse nicht schön und für den Brauch an sich sehr schade, findet Wild.

Kampagne lanciert

Die Besucher hätten den Respekt vor dem Brauchtum verloren, kritisiert Wild. Es gebe bereits jetzt Silvesterchläuse, die Teufen deswegen meiden. Das ist für Wild und seine Chläuse allerdings kein Thema. Zusammen mit der Gemeinde Teufen haben die Silvesterchläuse «Ankerschuppel» eine Kampagne lanciert, die die Besucher auf die Verhaltensregeln am Silvestermorgen aufmerksam machen soll.

Dieses Plakat soll die Zuschauer sensibilisieren.(Bild: TVO/Marc Sieger)

Sensibilisierung ist das Zauberwort

Man wolle möglichst viele Besucher im Dorf haben. Darüber ist man sich auch bei der Gemeinde einig. «Für uns ist das ein wichtiges Brauchtum und eigentlich genau das, was Teufen will: Das Traditionelle mit dem Modernen verbinden», sagt Katja Diethelm, FDP-Gemeinderätin von Teufen. Man wolle dem Brauch viel Platz geben, das sei der Gemeinde wichtig, so Diethelm.

Platz für das Brauchtum, aber auch viele Schaulustige und Gäste. Eine Gratwanderung. Die Plakate, die ab dem 31. Dezember an den Dorfeingängen aufgehängt werden, sollen mithelfen, dass Chläuse und vor allem die Zuschauer auf dem rechten Weg bleiben.

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Sandro Zulian
Quelle: saz/mas
veröffentlicht: 18. Dezember 2018 05:38
aktualisiert: 18. Dezember 2018 05:38