Ausgebüxte Papageien fühlen sich im Thurgau wohl

Stephanie Martina, 15. März 2017, 18:25 Uhr
Um solche Papageien könnte es sich bei den in Bürglen gesehenen Tieren handeln. (Symbolbild)
Um solche Papageien könnte es sich bei den in Bürglen gesehenen Tieren handeln. (Symbolbild)
© Facebook/Hans Zehnder
Wer freilebende Papageien beobachten will, muss nicht in tropische Gegenden reisen. Auch mitten im Kanton Thurgau leben einige Papageien, seit sie vor gut einem Jahr ausgebüxt sind.

Patricia Joho aus Bürglen staunte nicht schlecht, als während eines Spaziergangs plötzlich zwei laut schnatternde Papageien über ihren Kopf hinweg flogen. «Für einen kurzen Moment dachte ich, es wären Tauben. Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass die Vögel um einiges grösser sind, etwa so gross wie Krähen. Doch ihr Gefieder war blau-grün, sodass kein Zweifel bestand, dass es Papageien gewesen sein mussten», erzählt Joho.

Sofort habe sie gedacht, dass die Tiere irgendwo ausgebüxt sein mussten. Sie habe deshalb kurz überlegt, ob sie ihnen nachrennen sollte und versuchen, sie einzufangen. Doch weil die Beiden so munter waren und wirkten, als hätten sie sich gegenseitig viel zu erzählen, habe sie nicht reagiert. «Aber weil es noch ziemlich kalt war, hatte ich ein bisschen Angst, dass die Vögel nächstens sterben könnten», sagt Joho.

Papageien vor über einem Jahr ausgebüxt

Zuhause habe sie sofort eine Freundin angerufen, die sich immer mal wieder um verletzte Vögel kümmere und selbst Kakadus halte. «Sie konnte mich beruhigen, da sie meinte, dass wenn die Vögel in einer Aussenvoliere aufgewachsen seien, sie gute Chancen hätten, zu überleben. Ich habe sie dann gefragt, ob sie etwas über entwischte Papageien wisse und sie nahm mit der Polizei, dem Tierschutz und einem Züchter aus Sulgen Kontakt auf», erklärt Joho. Sie habe schliesslich ihre Beobachtung auch noch in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wiifelde wenn...» gepostet.

Ein paar Tage später hätte sich ihre Freundin gemeldet. In der Zwischenzeit habe sich herausgestellt, dass es sich bei den beiden Vögeln um Papageien handle, die einem Vogelzüchter aus Sulgen entwischt seien. Allerdings schon vor mehr als einem Jahr. «Der ehemalige Besitzer sagte, dass damals insgesamt zwölf Papageien ausgebüxt sind und einige davon nie eingefangen werden konnten und deshalb seither in freier Wildbahn leben», erzählt Joho. Ihre Beschreibung hätte in Bezug auf die Grösse genau gestimmt, allerdings habe der Züchter gesagt, dass die entwischten Vögel ein grünes Gefieder und einen gelben Kopf hätten. «Im Nachhinein war ich mir bezüglich Farbe nicht mehr so sicher, es ging alles sehr schnell», sagt die Thurgauerin.

Tierschutz sieht keinen Grund, die Tiere einzufangen

In den Tagen nach ihrer Beobachtung hat sich Patricia Joho erkundigt, ob auch andere Leute in der Gegend die bunten Vögel gesehen hätten. «Anscheinend wurden die Papageien auch schon in der Nähe von Donzhausen beobachtet, wie sie gemeinsam mit Krähen nach etwas Essbarem gesucht hatten.» Auch beim Thurgauer Tierschutz gehen fast wöchentlich Anrufe von Augenzeugen aus der Region Sulgen und Weinfelden ein, die von Papageien berichten, die in Bäumen oder auf Dächern sitzen. «Ich freue mich, dass sie hier überleben können, obwohl sie nicht einheimisch sind. Offenbar gelingt es den Tieren, genügend Futter zu finden, auch während des Winters. Möglicherweise werden sie jedoch auch gefüttert», sagt der Thurgauer Tierschützer Reinhold Zepf.

Aus Sicht der Tierschützer sieht Zepf keinen Grund, die Papageien wieder einzufangen. «In Freiheit haben es die Vögel schöner, als wenn man sie wieder in einen Käfig sperren würde, nachdem sie sich offenbar ans Freisein gewöhnt haben», betont Zepf. Allerdings bedeute ein Leben in Freiheit auch immer ein Leben mit zusätzlichen Gefahren. Zudem könnten die Papageien auch selbst zur Bedrohung für die einheimischen Vögel werden. Denn sobald sich eine neue Tierart in einer Gegend niederlasse, würde sie automatisch den einheimischen Tieren einen Teil ihres Lebensraums und ihres Futter wegnehmen.

Stephanie Martina
veröffentlicht: 15. März 2017 17:17
aktualisiert: 15. März 2017 18:25