Wattwil

Baumallee in Gefahr: Kahlschlag bei Thursanierung befürchtet

· Online seit 26.10.2023, 05:31 Uhr
Die IG «Vernünftiger Hochwasserschutz» an der Thur will verhindern, dass für die Verbreiterung der Thur in Wattwil alte Bäume gefällt werden. Dies sei klimaschädlich und stehe im Widerspruch zu einer ökologischen Strategie des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei.

Quelle: TVO

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80 bis 100 Jahre alt sind die 450 Bäume entlang des Flussbetts der Thur in Wattwil. Nun müssen sie voraussichtlich einem langjährigen Hochwasserschutz-Projekt des Kantons St.Gallen weichen. Dies befürchtet zumindest die IG «Vernünftiger Hochwasserschutz».

Wasserpegel soll um 80 Zentimeter gesenkt werden

Der Kanton möchte das Flussbett verbreitern, um die Hochwassersicherheit des Flusses zu verbessern. Gleichzeitig solle mehr Lebensqualität für die Natur gewonnen werden, argumentiert das Amt für Wasser und Energie. Die Uferverbauungen seien über 100 Jahre alt und eine Sanierung notwendig. Die letzten grossen Hochwasser mit Dammbrüchen ereigneten sich in den Jahren 1910, 1965, 1977 und 1978.

Im Zentrum von Wattwil soll das Flussbett auf 30 Meter verbreitert werden, in den übrigen Abschnitten auf bis zu 45 Meter. Dadurch soll der Wasserspiegel um 80 Zentimeter gesenkt werden. Ebenfalls sollen die Uferwege entlang der Thur verbreitert werden, damit Lastwagen und Baumaschinen diese befahren können. Für die Bäume werde es dann wohl keinen Platz mehr haben.

Fehlende Bäume würden Klimaerwärmung fördern

Für die IG «Vernünftiger Hochwasserschutz» sei dies der falsche Ansatz. «Wenn die Bäume wegkommen, haben wir während mehrerer Jahre keinen Schatten mehr. Bei einer Verbreiterung tauschen wir Wiese mit Stein aus», sagt Wendelin Brand, Mitglied der IG. Alles Faktoren, welche die Klimaerwärmung fördern würden, so Brand.

«Diese Bäume bringen ja gerade eine wertvolle ökologische Leistung», betont der Baumpflegespezialist Fabian Dietrich gegenüber TVO. Mit einer Verbreiterung würde man bestimmt nicht mehr Lebensraum schaffen.

Hoffnungsschimmer für IG

Und doch, die IG sieht die Notwendigkeit einer Sanierung. Jedoch plädiert sie auf eine Lösung ohne Kahlschlag. Was offenbar nicht unmöglich sei. «Wir haben vom Baudepartement erfahren, dass der Hochwasserschutz rein technisch auch mit Baumassnahmen nur innerhalb der Baumallee gewährleistet werden könnte», führt Brand aus. Ein Hoffnungsschimmer für die IG, dass sich der Kanton der Variante ohne Abholzung annimmt.

Projektstart frühstens in drei Jahren

Auf Anfrage von TVO äussern sich die Verantwortlichen des Projektes beim Kanton nicht. Sie würden Ende nächster Woche über die Ergebnisse der öffentlichen Mitwirkung und das weitere Vorgehen bezüglich Baumallee informieren. Bis zum 30. Juni wurden 180 Eingaben eingereicht und seit Anfang September wird geprüft, wie Anliegen und Wünsche berücksichtigt werden können. So oder so: Bis das Projekt wirklich umgesetzt wird, könne es noch etwa drei Jahre dauern und dann werde mit einer Bauzeit von rund vier bis fünf Jahren gerechnet.

(red.)

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veröffentlicht: 26. Oktober 2023 05:31
aktualisiert: 26. Oktober 2023 05:31
Quelle: FM1Today

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