St.Gallen

Bei Anruf Betrug: Obacht vor «falschen Polizisten» am Telefon

Sandro Zulian, 17. März 2022, 20:07 Uhr
Eine dreiste Masche: Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus, gaukeln den Opfern falsche Hilfestellung vor und ziehen sie anschliessend über den Tisch. Diese Art von Telefonbetrug nimmt auch im Kanton St.Gallen immer mehr zu. Die Polizei rät daher zur Vorsicht.
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Quelle: tvo

Vor dem Kreisgericht St.Gallen stand am Donnerstag ein sogenannter «falscher Polizist». Beim Prozess ging es um gewerbsmässige Geldwäscherei. Um Geld, das sogenannte «falsche Polizisten» ihren Opfern abknöpften. Dieser eine Gerichtsfall ist allerdings nur einer von vielen. Von sehr vielen.

Masche ist weit verbreitet

Die Kantonspolizei St.Gallen bestätigt, dass diese Art von Betrug immer weiter verbreitet ist. Alleine im Jahr 2021 waren es im Kanton fast 900 Fälle. «Die Täter machen es sich relativ einfach. Sie nehmen das Telefon in die Hand und überzeugen die Opfer mit irgendwelchen Geschichten, dass sie ihnen bitte Geld überweisen sollen», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei. Hierbei gebe es «diverse Ausprägungen». An die «Handlanger», also die Personen, welche das Geld bei den Opfern abholen, kommt die Polizei meist leicht. Die Täter am Telefon seien allerdings um einiges schwieriger zu fassen, da sie meist vom Ausland aus agieren. «Wir wissen, dass es beispielsweise in der Türkei regelrechte Call-Center gibt, wo dieser Betrug gewerbsmässig betrieben wird», sagt Schneider. Dort gingen wortwörtlich morgens Betrüger zur Arbeit.

Opfer unter «starkem psychischem Druck»

Am Telefon und als Polizisten getarnt, erzählen sie ihren Opfern, dass in ihrem Zuhause ein Einbruch unmittelbar bevorstehe. Indem sie es der Polizei übergeben, könnten die Opfer rasch ihr Hab und Gut in Sicherheit bringen. «Die Betrüger setzen die Opfer unter sehr starken psychischen Druck», so Schneider weiter. Ziel sei es, den Angerufenen Angst einzujagen, einerseits vor dem möglichen Einbruch, andererseits vor der Vorstellung, sein Geld zu verlieren. «Die Betrüger gehen so clever vor, dass sich die Opfer tatsächlich dazu überreden lassen, ihr Geld zu überweisen.»

20 der fast 900 gemeldeten Fälle im Kanton St.Gallen waren dabei erfolgreich. Die Täter durchsuchen für ihre Anrufe das Telefonbuch nach Namen, die auf alte Menschen schliessen lassen. 760'000 Franken wurden so im letzten Jahr erbeutet. Ein Ende ist gemäss Florian Schneider nicht in Sicht: «Für diese Betrüger ist das ein Geschäft. Sie haben ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt. Und welche Firma führt ein erfolgreiches Geschäftsmodell nicht weiter?»

Quelle: TVO
veröffentlicht: 17. März 2022 20:07
aktualisiert: 17. März 2022 20:07
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