«Bei Islam nicht zuerst an Terror denken»

Angela Mueller, 30. März 2017, 09:23 Uhr
Nur etwa 300 Meter liegen die Katholische Kirche St.Otmar und die Paradiesmoschee in St.Gallen voneinander entfernt. Imam Feim Dragusha und Pfarrer Hanspeter Wagner pflegen eine gute Nachbarschaft, diesen Samstag öffnen sie gemeinsam die Türen ihrer Gotteshäuser.

«Muslime kämpfen gegen viele Vorurteile in unserer Gesellschaft. Seit dem 11. September denken wir, wenn wir Islam hören, zuerst an Terror», sagt der katholische Pfarrer Hanspeter Wagner. Doch an der Paradiesstrasse ist es ein wenig anders -  die beiden Gotteshäuser haben viele Berührungspunkte: Zum Beispiel kommen auch muslimische Jugendliche in den Jugendtreff der Kirche.

Menschen guten Willens

Und beide Häuser sind international ausgerichtet. «Wir leben hier in einem multikulturellen Quartier und feieren in unserer Kirche englischsprachige, vietnamesische, eritreische und tamillische Gottesdienste», sagt Wagner. Wir wollen als Menschen guten Willens gemeinsam einen Weg in die Zukunft suchen.» Auch Imam Feim Dragusha predigt in verschiedenen Sprachen.

Gotteshaus im ehemaligen Restaurant

Die Moschee an der Paradisstrasse befindet sich im ehemaligen Restaurant Burghof und sieht überhaupt nicht wie ein Gotteshaus aus - das rote Restaurant-Logo hängt noch immer an der Fassade. Die Moschee gilt als international und wird mehrheitlich von Gläubigen aus den Kosovo, Mazedonien und Albanien besucht. «Wir sind Sunniten, sind aber offen für alle», sagt Imam Feim Dragusha. Die Moschee stellt deshalb verschiedene Gebetsräume für die Gläubigen zur Verfügung.

Sprache ist der Schlüssel

Dragusha will Brücken bauen, zwischen Christen und Muslimen, aber auch innerhalb seines eigenen Glaubens. «Muslime haben gegenüber anderen sehr viele Vorurteile», sagt er, der seit 2012 Imam der Paradiesmoschee ist. Er kommt aus Albanien und legte, als er in die Schweiz zog, grossen Wert darauf, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. «Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration.»

Bodenheizung statt Kegelbahn

Die Innenräume der Moschee werden zurzeit herausgeputzt. Der riesige Gebetsraum bekommt den letzten Schliff. Die alte Kegelbahn wurde herausgerissen, Bodenheizung eingebaut und ein weicher, roter Teppich gelegt. «Das Geld dazu haben die Gläubigen gespendet und nicht nur das - viele legen auch gleich selbst Hand an und beteiligen sich am Umbau.»

Tag der offenen Türe an der Paradiesstrasse: 10 bis 16 Uhr, 12 Uhr Fastensuppe in der Kirche St.Otmar, ab 14.30 Kaffee und Süsses in der Paradiesmoschee. Führungen und Vorträge in beiden Gotteshäusern.

Angela Mueller
veröffentlicht: 30. März 2017 08:11
aktualisiert: 30. März 2017 09:23