Dank Herzblut: Minigolf-Platz lebt wieder

Stephanie Martina, 16. März 2017, 16:15 Uhr
Nur wenige Romanshorner haben wohl daran geglaubt, dass ihre Minigolf-Anlage direkt am See diesen Sommer geöffnet sein wird. Doch nun hat sich das Blatt gewendet: Mit Priska und Ruedi Stark wurden zwei neue Pächter gefunden. Für sie ist die Anlage eine Herzensangelegenheit.

Eigentlich hatten Priska und Ruedi Stark ganz andere Pläne: Sie waren gerade dabei, ihr neues Leben in Thailand aufzubauen, als ein Anruf aus der Heimat ihre Zukunft auf den Kopf stellte. «Wir wollten gerade ein Jahresvisum beantragen, als uns der Besitzer des Minigolfs Romanshorn anrief und uns fragte, ob wir die neuen Pächter der Anlage werden möchten», erzählt Priska Stark. Kurz entschlossen hat das Ehepaar zugesagt. «Es war ein Herzensentscheid», sagt Priska Stark.

Bereits zwischen 2011 und 2013 haben die Beiden das Restaurant des Minigolfs geführt, nun übernehmen sie die Pächterschaft für die gesamte Anlage, auch für die Minigolfbahnen. Für das Ehepaar ist es, als würde es nach Hause kommen. «Wir lieben diesen Ort am See. Ich glaube, wir können daraus eine der schönsten Minigolf-Anlagen der Schweiz machen», ist Priska Stark überzeugt. Als die Beiden die Anlage vor sechs Tagen erstmals wieder betreten haben, waren sie jedoch vor allem eines: geschockt. Die Anlage und das Gebäude seien in einem desolaten Zustand gewesen, ganz anders als sie es damals verlassen hätten. «Ich habe innerlich geweint. Ich war sprachlos – das kommt selten vor», sagt die 55-Jährige. Die letzten Pächterinnen haben sich im vergangenen Jahr Knall auf Fall aus dem Staub gemacht und einen riesigen Schulden- und Abfallberg hinterlassen.

«Die Anlage ist den Aufwand wert»

Am 8. März kehrten die Romanshorner in die Schweiz zurück. Am 12. März erhielten sie bereits den Schlüssel für die Minigolf-Anlage und seither ackern sie von früh bis spät, um die Anlage pünktlich zum Saisonstart am 2. April auf Vordermann zu bringen. «Wir wissen, dass diese Anlage den Aufwand wert ist», sagt Priska Stark. Deshalb hätten sie auch zugesagt, obwohl nun viel Arbeit auf sie warte.

Seit die Beiden kurz nach dem Anruf zugesagt haben, liegen aufregende und strenge Tage hinter ihnen – und so manche schlaflose Nacht. «Kurz nach der Schlüsselübergabe lag ich wach im Bett und fragte mich, wie wir das alles schaffen sollten», gesteht Priska Stark. Sie sei aufgestanden und habe einen Helferaufruf gestartet. Alle Freunde, Bekannte und ehemaligen Stammgäste hätte sie kontaktiert und auch auf Facebook habe sie auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Rund ein dutzend Personen hätten sie in den vergangenen Tagen bereits tatkräftig unterstützt. Auch am Donnerstagmorgen waren zwei Freundinnen des Paars vor Ort, um das Dach in Ordnung zu bringen und die Sonnenstoren zu reinigen.

Fachleute gesucht

Obwohl die neuen Pächter viel Unterstützung erhalten, gibt es noch einiges, was ihnen auf dem Magen liegt: «Wir haben noch kein fliessend Wasser und auch die Bepflanzung der Anlage stellt noch eine grosser Herausforderung dar», erklärt Ruedi Stark, während er an allen Ecken und Enden Kaputtes repariert und Dinge in Ordnung bringt. Ihnen sei es wichtig, es von Anfang an richtig zu machen, keine halben Sachen.

Noch bleiben Priska und Ruedi Stark gut zwei Wochen bis zur Eröffnung. Priska Stark ist zuversichtlich, dass das Wichtigste bis dahin geschafft ist, aber ganz ohne fachmännische Hilfe gehe es nicht. «Wir hoffen, dass sich noch ein paar Leute bei uns melden, denen dieser Platz genauso am Herzen liegt wie uns», sagt sie. Vor allem für die Instandsetzung der Bahnen brauchen sie noch einen Spezialisten. «Wir können vieles selber machen, aber wie man eine Bahn neu malt, sie imprägniert und die Markierung zieht, wissen wir leider nicht», sagt Ruedi Stark. Auch ein Maler und jemanden, der die Türschlösser reparieren könnte, bräuchten sie noch. Allerdings seien das nicht die dringlichsten Arbeiten, sagt der 55-jährige Maschinenwart.

Keine Pommes, dafür Gerichte aus aller Welt

Ihre Rückkehr habe viele positive Reaktionen ausgelöst, sagt Priska Stark. Das motiviere. Bereits jetzt freut sich die ehemalige Korrektorin darauf, schon bald wieder ihre ehemaligen Stammgäste bewirten zu können. Pommes und Schnitzelbrot kommen ihr jedoch nicht auf die Karte. «Bei uns gibt es sowohl frische regionale Küche sowie Gerichte aus aller Welt», sagt sie. Obwohl überall noch viel zu tun ist, steht das Menü für die Eröffnung bereits fest: Ofenfleischkäse mit selbstgemachtem Herdöpfelsalat. Und dann fehlt den zwei neuen Pächtern nur noch eines zu ihrem Glück: Ein schöner, langer Sommer.

Stephanie Martina
Quelle: stm
veröffentlicht: 16. März 2017 16:15
aktualisiert: 16. März 2017 16:15