Den Pfadi-Putsch finden nicht alle lustig

Angela Mueller, 15. April 2019, 15:55 Uhr
Gabriel Vetter kennt als Liechtensteiner Chef-Pfadfinder kein Pardon mit dem Fürst.
Gabriel Vetter kennt als Liechtensteiner Chef-Pfadfinder kein Pardon mit dem Fürst.
© Screenshot/SRF
Das fand die Liechtensteiner Pfadi nicht lustig: Komiker Gabriel Vetter hat in der SRF-Satiresendung Deville als Pfadfinder verkleidet die Revolution im Fürstentum Liechtenstein ausgerufen und den Fürsten zum Verlassen des Landes aufgefordert.

Die Satiresendung Deville hatte anlässlich des 300-jährigen Bestehens des Fürstentums Liechtensteins am Sonntag ihre Show dem Ländle gewidmet. Komiker Gabriel Vetter war bei Dominic Deville zu Gast und trat als Chef-Pfadfinder Maximilian Cornelius Maria Frick auf. Er rief ohne mit der Wimper zu zucken die «Republik Liechtenstein» aus: «Das isch es Militärpütschli - mir stönd jetzt mit 86 Maa – aso Wölfli – vorem fürschtliche Schlössli und fordert di unterdrückerische Chräft uf, uses Ländle z verloh!»

Dieser Sketch hat sogleich die Pfadi Liechtenstein auf dem Plan gerufen, der Verband will überhaupt nichts mit dem Auftritt von Vettel zu tun haben, wie die Pfadi in einem Leserbrief klar stellte. «Wir respektieren Satire, möchten aber klar stellen: Die Produzenten haben die Uniform nicht von offiziellen Repräsentanten erhalten [...]. Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Liechtensteins waren nicht an der Sendung beteiligt und distanzieren sich von sämtlichen Inhalten.»

Uniform war selbst gebastelt

Per Facebook kommt denn auch am Montag die Entkräftung des Verdachts: Simone Kern, Mitarbeiterin von SRF und Ehefrau von Dominic Deville schreibt: «Liebe Pfadfinder und Pfadfinderinnen Liechtensteins, die Uniform habe ich selbst gebastelt.»

Liebe Pfadfinder und Pfadfinderinnen Liechtensteins, die Uniform hab ich selbst gebastelt.. #diewölflikommen

Gepostet von Simone Kern am Montag, 15. April 2019

Damit ist das wichtigste Anliegen der Liechtensteiner Pfader erfüllt. Im Sketch treibt es Vettels Pfadfinder Maximilian aber ziemlich weit, auch wenn die Satire offensichtlich ist. Er droht dem Fürsten freudestrahlend, falls dieser das Land nicht sofort verlasse, werde man diesem während er schlafe, den Finger in kaltes Wasser halten - «bis er ins Bett seicht».

«Wir sind nicht verärgert, aber...»

Durch die umgehende öffentliche Reaktion erscheint die Liechtensteiner Pfadi durchaus humorlos, doch der Grund für die harsche Reaktion liegt anderswo: «Wir sind nicht verärgert, aber der Fürst ist Schirmherr der Pfadfinder und deshalb ist es uns doppelt wichtig, nicht mit dem Inhalt dieses Sketches in Verbindung gebracht zu werden», sagt Gary Kaufmann, Sprecher des Liechtensteiner Pfadfinderverbands, auf Anfrage von FM1Today.

Schon vor der Sendung am Sonntag hatte die Verbandsleitung via Twitter Kenntnis von Vettels Sketch erhalten. «Wir haben uns die Sendung angesehen und wollten schnell reagieren», sagt Kaufmann. Den Vorwurf, dass die Pfadi keinen Spass verstehe, lässt er nicht gelten: «Wir verstehen schon Spass. Aber es ist uns auch wichtig, Respekt zu bekunden.»

Angela Mueller
Quelle: red.
veröffentlicht: 15. April 2019 15:34
aktualisiert: 15. April 2019 15:55