Winterdienst

«Der fehlende Schnee kostet mich nur»

Sarah Lippuner, 6. Februar 2020, 05:49 Uhr
Ohne Schnee läuft nichts. Kleinere Skilifte liefen diesen Winter noch keinen Tag.
© Tagblatt/Urs Bucher
Diesen Winter wurden wir noch kein einziges Mal frühmorgens von einem Pfadschlitten geweckt. Der lukrative Nebenerwerb fehlt den Bauern und Firmen, die normalerweise Winterdienst leisten.

«Bis jetzt musste ich noch kein einziges Mal mit dem Pfadschlitten ausfahren. Das habe ich in meinen über 20 Jahren beim Winterdienst noch nie erlebt.» Für Bauer Hans-Walter Bodenmann aus Herisau ist der schneearme Winter ein Problem. «Mir fehlt nicht nur der Nebenerwerb. Der Winterdienst kostet mich zusätzlich. Um überhaupt Winterdienst leisten zu können, muss ich Bewilligungen und Abgaben, zum Beispiel die Pauschale fürs LSVA (Schwerverkehrsabgabe), für gut 2000 Franken bezahlen. Ohne Schnee bekomme ich nichts für das Geld.»

«Es ist sehr ärgerlich»

Auch bei der Max Müller AG in St.Gallen standen die 25 Fahrzeuge, parat für den Winterdienst, bis jetzt nur in der Garage. «Es geht allen gleich. Es ist sehr ärgerlich, dass wir nichts zu tun haben. Aber diesen Ertragsausfall müssen wir nun mal hinnehmen», sagt der Geschäftsführer Daniel Müller.

Da die Max Müller AG auch Entsorgungen und Transport im Bauwesen übernimmt, hat der milde Winter auch seine positiven Seiten. «In der Baubranche kann man ohne Schnee umso mehr arbeiten, so haben wir dort mehr Aufträge als üblich.»

Bilder, die wir diesen Winter noch nicht gesehen haben: Pfadschlitten im Einsatz: 

Gärtnern statt pfaden

Ähnlich klingt es bei der Germann Gartenbau AG in Kirchberg, auch hier musste man bis jetzt noch nie mit dem Pfadschlitten ausfahren. «Da unsere Haupttätigkeit der Gartenbau ist, können wir den fehlenden Winterdienst gut abfedern. Wenn es kein Schnee hat, können wir in den Gärten arbeiten. Darum nehmen wir den milden Winter gelassen», sagt Bauführer Pascal Buschor.

Das Hoffen geht weiter

Von allen Unternehmen, die Winterdienst anbieten, bleibt der milde Winter für die Bauern am ärgerlichsten. «Der Winterdienst ist ein lukrativer Nebenerwerb, ich verdiene so mehr als auf dem Hof», sagt Bodenmann. «Aber so ist es jetzt halt, ein wetterbedingtes Auf und Ab ist üblich. Existenzbedrohend ist das nicht für mich, aber das Geld fehlt schon. Aber vielleicht kommen die grossen Schneemassen ja noch.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. Februar 2020 05:41
aktualisiert: 6. Februar 2020 05:49