Die Geister-Migros in Herisau

Sandro Zulian, 15. November 2016, 19:18 Uhr
Die alte Dame hat ausgedient. Die Migros im Herzen von Herisau hat das Stadtbild über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt. Jetzt ist der Laden leer. Die alte Dame liegt auf dem Sterbebett. Ein Blick hinter die Kulissen.

«Für mich ist das ein sehr emotionales Gefühl», sagt Thomas Brülisauer. Er ist Bauprojektleiter der Migros Ostschweiz und plant das Grossprojekt Herisau. «Jetzt ist der Tag gekommen. Jetzt muss ich zuschauen, wie diese Filiale geschlossen wird.»

Neubau geplant

Der Supermarkt im Herzen von Herisau ist momentan stillgelegt. «Wir warten auf die Baugenehmigung», sagt Thomas Brülisauer. Wenn alles gut gehe, sollte das Baugesuch im Laufe des nächsten Jahres eingereicht sein. Die Baubewilligung erhofft sich die Migros auf das Jahr 2018. «Natürlich kann es noch Einsprachen geben, dann verzögert sich das ganze Projekt», so Brülisauer. Wenn das Projekt genehmigt ist, soll das komplette Gebäude dem Erdboden gleichgemacht und wieder neu aufgebaut werden. Gemäss dem Gemeindepräsidenten von Herisau, Renzo Andreani, könnte der Neubau bei reibungsloser Planung und ohne Einsprachen frühestens 2021 eröffnet werden.

Infrastruktur ist am Ende

Bis dahin können das Gebäude sowie die Parkgarage aber nicht weiter betrieben werden. «Diese Migros wurde 1972, vor 44 Jahren, eröffnet. Mittlerweile sind weitere Investitionen schlicht zu teuer», so Brülisauer. Kurz vor der Schliessung am 5. November machte dann auch noch das Rollband schlapp. Die Kunden mussten auf den Lift zurückgreifen. Ferner ist die Ladenfläche zu alt, die Sicherheit im ganzen Gebäude ist nicht mehr zu gewährleisten. Auf eine Migros in Herisau müssen die Kunden aber nicht verzichten. «Es gibt nach wie vor die Migros in der Alpsteinstrasse», beruhigt Brülisauer. «Ebenfalls steht in der Walke eine weitere Migros, die für Einkäufe in den nächsten Jahren genutzt werden kann.»

Gestelle und Souvenirs attraktiv

«Für die zwei grossen, orangen 'M', die bis anhin am Gebäude hingen, gibt es bereits private Interessenten», sagt Silke Seichter von der Migros. Es sei schön, dass diese Zeitzeugen auch in Zukunft noch ein Zuhause haben. Nicht nur das charakteristische «M», sondern auch die Ladeninfrastruktur wird weiter genutzt. «Verschiedene 'Dorflädeli' sind bereits hier, um Ladengestelle oder Tiefkühltruhen mitzunehmen.» Diese werden dann beispielsweise in Schwellbrunn weiter genutzt.

Emotionaler Moment

Thomas Wild vom Facility Management leitet die Ausräumarbeiten der alten Migros in Herisau: «Ich war ziemlich überrascht, als ich hier reingekommen bin.» Ein Grossteil des Inventars habe bereits gefehlt. Er kennt die «Alte Dame» von Herisau in- und auswendig. Den Laden quasi über Nacht so verlassen vorzufinden macht ihn wehmütig: «Es goht amel scho cheibe schnell.»

Dieser TVO-Beitrag nimmt euch mit auf eine Tour durch die leere Migros in Herisau.

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Sandro Zulian
veröffentlicht: 15. November 2016 15:26
aktualisiert: 15. November 2016 19:18