Die «Sonne» geht wieder auf

Vanessa Kobelt, 1. Juni 2018, 05:38 Uhr
Sie haben dem Beizen-Sterben im Rheintal den Kampf angesagt: Roger Eugster und Roy Schachtler eröffnen die «Sonne» in Oberriet neu. Unter Dach und Fach ist die Übernahme aber noch nicht.

Es war ein harter Schlag für viele Stammgäste, als die «Sonne», eines der ältesten Lokale in Oberriet, im Februar definitiv seine Türen schloss. Grund waren Lärmklagen aus der Nachbarschaft. Für das Kult-Lokal gibt es nun wieder eine Zukunft. Roger Eugster und Roy Schachtler, die Geschäftsführer vom Partylokal «Falken» im Eichberg wollen die «Sonne» übernehmen und so gegen das Beizen-Sterben im Rheintal vorgehen. «Die Sonne hat für viele Leute in Oberriet und Umgebung eine grosse Bedeutung», sagt Roger Eugster. «Vielen Menschen wurde mit der Schliessung etwas weggenommen. Das möchten wir ihnen jetzt zurückgeben». Noch heute Abend wird in der Sonne wieder das erste «Bier» ausgeschenkt.

Ein harter Kampf

Der Weg bis zur Neueröffnung der Sonne ist alles andere als einfach. «Erst dachten wir, dass man das Lokal gar nicht mehr eröffnen kann. Dann hiess es von der Gemeinde aber, sobald wir die Brandschutzvorschriften erfüllen, sollte es kein Problem sein.» Was folgte war ein langes bürokratisches Geplänkel, das den beiden fast den letzten Nerv raubte. «Wir hatten das Gefühl, die Gemeinde will gar nicht wirklich, dass die ‹Sonne› wieder aufgeht.» Nun haben sie eine Fest-Bewilligung für drei Tage bekommen, nächste Woche entscheidet dann der Gemeinderat über eine definitive Bewilligung. «Gut möglich, dass sie uns erst testen wollen. Wenn in diesen drei Tagen alles glatt läuft, dürfte es klappen», sagt Roger Eugster.

Streit mit Nachbarn schlichten

Zur Sprache kam auch immer wieder der Streit mit den Nachbarn, welchen den Vorgänger dazu brachte, die «Sonne» zu schliessen. Die beiden neuen Geschäftsführer haben dafür schon einen Plan. «Wir werden uns strikt an die Öffnungszeiten halten. Will heissen, unter der Woche bis 23.00 Uhr, am Wochenende bis 01.00 Uhr.»

Wichtig ist ihnen auch der Kontakt zu den Nachbarn. «Wir werden uns bei ihnen vorstellen und hoffentlich im Gespräch bleiben. Wenn es Probleme gibt, kann man gemeinsam nach Lösungen suchen, ohne dass man direkt zur Polizei oder zur Gemeinde rennen muss», sagt Roy Schachtler.

Kein Barbetrieb mehr

Den Barbetrieb, welcher vor allem zu Streit mit den Nachbarn führte, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Man wolle sich auf die Leute konzentrieren, die ihr Feierabendbier geniessen wollen. Des Weiteren soll man in der «Sonne» Motorsport auf dem Fernseher verfolgen können und für die bevorstehende Fussballweltmeisterschaft ist ein Public Viewing geplant. «Wir sind guter Dinge, dass es ein guter Neustart wird. Allein schon die Rückmeldungen sind grossartig. Manche Leute fahren fast täglich mit dem Velo an der ‹Sonne› vorbei, um zu schauen, ob sie schon wieder offen ist.»

Beizen im Rheintal haben es schwer

Ganz allgemein sei die Situation für Beizen im Rheintal aber schwierig, findet Roger Eugster. «Viele junge Leute feiern in Österreich, wo es günstiger ist. Andere wiederum gehen in die grösseren Städte, wo die Bars und Beizen in der Nacht länger offen haben». Trotzdem sind Roger Eugster und Roy Schachtler zuversichtlich, was die Zukunft der «Sonne» betrifft. «Es ist ein Lokal wo man auch mit der ‹Büezerhose› sein Feierabend trinken kann. So einen urchigen Laden, in dem sich Jung und Alt treffen, gibt es nicht überall.»

Vanessa Kobelt
Quelle: kov
veröffentlicht: 1. Juni 2018 05:38
aktualisiert: 1. Juni 2018 05:38