Dieses Jahr gibt's weniger «Müggli»

Fabienne Engbers, 2. Juni 2018, 12:03 Uhr
Dieses Jahr gibt es weniger Stechmücken. (Archiv)
Dieses Jahr gibt es weniger Stechmücken. (Archiv)
© Keystone/DPA/Patrick Pleul
Wer sich für dieses Jahr schon mit Anti-Insekten-Spray eingedeckt hat, hat sich zu früh vorbereitet. Heuer bleiben die Mücken-Plage und auch die lästigen Wespen vermutlich aus.

An einem lauen Sommerabend im Garten sitzen, ein Glas gekühlten Weisswein oder ein kaltes Bier trinken und ein Steak auf den Grill schmeissen – so stellen wir uns die warmen Monate vor. Nicht selten werden uns diese Abende aber spätestens dann vermiest, wenn jemand den halben Tisch umstösst, weil ihm eine Mücke auf dem Oberschenkel sitzt. Dieses Jahr wird das aber nicht so oft der Fall sein. Wegen des trockenen Frühlings wird es vermutlich weniger «Müggli» geben als in anderen Jahren.

Die Larven brauchen Sumpfgebiete

Gemäss Mücken-Experte Alexander Mathis vom Institut für Parasitologie an der Uni Zürich war es den Mücken dieses Jahr schlicht zu trocken. «Für Mückenlarven ist feuchtes Klima optimal. Da es in den vergangenen Wochen nur selten geregnet hat und sumpfigere Gebiete oder Orte, wo es bei viel Niederschlag kleine Tümpel gibt, trocken blieben, wird es vermutlich weniger Mücken geben.»

Auch der Ostschweizer Insektenexperte und Autor André Mégroz bestätigt: «Für die Mückenlarven war es dieses Jahr zu trocken.» Dies gilt für weite Teile der Ostschweiz, auch für den Bodensee. Nur, wo es Sumpfgebiete hat, in denen es immer feucht war, wird es vermutlich viele Mücken geben. «Dies gilt nebst den Stechmücken auch für kleine Fliegen und ‹Schnoggen›», wie der Experte sagt.

Weniger Mücken bedeutet weniger Wespen

Die geringere Anzahl kleinerer Insekten hat auch Auswirkungen auf weitere Arten. «Viele Tiere ernähren sich von Mücken und Fliegen», sagt André Mégroz. «Gibt es weniger Kleininsekten, finden Vögel, Fische und grössere Insekten keine Nahrung.» Darunter könnten unter anderem auch Wespen und Hornissen leiden. «Gut möglich, dass es dieses Jahr auch weniger Wespen gibt.» Die Grillparty im Garten kann also steigen – auch ohne stinkende Mückenkerzen und Wespenfallen.

Regionale Unterschiede geben subjektives Gefühl

Während für die Experten fast sicher ist, dass es dieses Jahr weniger Fliegen und Mücken geben wird, kann einen das subjektive Gefühl täuschen. «Die kleinen Insekten sind oft im Schwarm unterwegs und bewegen sich von Ort zu Ort. Ist man gerade irgendwo, wo sich die Schwärme aufhalten, denkt man schnell, es hat dieses Jahr mehr Insekten als in anderen Jahren», sagt Mégroz. Der Experte gibt aber Entwarnung: «Da die Schwärme weiterziehen, wird das Gefühl von einer Mückenplage schnell vorbei sein.»

Ausserdem sind nicht alle kleinen Insekten, die fliegen können, Stechmücken. «Es stechen nur die weiblichen Mücken, da diese das Blut für die Entwicklung der Larven brauchen. Männliche Mücken sind harmlos. Ausserdem gibt es ganz viele Arten von kleinen Fliegen und Schnaken, die ebenfalls niemandem etwas zuleide tun», sagt Mégroz.

Frauen sind bei Mücken beliebter

Studien haben gezeigt, dass sich Stechmücken lieber bei Frauen bedienen, als bei Männern. «Das liegt an den Ausdünstungen. Mücken werden von Frauen mehr angezogen als von Männern. Dabei gibt es auch bei den Frauen Unterschiede; es gibt Frauen, die werden von Mücken verfolgt, während andere kaum gestochen werden», sagt André Mégroz. «Mein bester Schutz gegen Mücken ist deshalb meine Frau», sagt der Experte lachend.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 2. Juni 2018 12:03
aktualisiert: 2. Juni 2018 12:03