Anzeige

Dutzende Unfälle wegen Winter-Comeback

Laurien Gschwend, 29. April 2017, 07:31 Uhr
Der Winter ist definitiv zurück. Diesmal nicht nur mit einem Hauch Puderzucker, sondern mit über 30 Zentimetern Neuschnee. Auf den Strassen ist am Freitag ein regelrechtes Chaos ausgebrochen. Erst am Abend beruhigte sich die Lage.

Mit Schnee hatten wir zwar gerechnet. Dass der Winter aber ein derartiges Comeback gibt, kam für viele überraschend. Dementsprechend sah es am Freitag auf den Ostschweizer Strassen aus, wie Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St.Gallen, auf Anfrage sagte. «Im Moment sind die Strassenverhältnisse schwierig.» Zu prekären Situationen kam es am Morgen vor allem in St.Gallen, Gossau, Wittenbach, Waldkirch, Oberbüren und Wil.

Besonders auf der Autobahn war bis vor dem Mittag eine Menge los. Es gab in beide Fahrtrichtungen der A1 mehrere Unfälle; so zum Beispiel beim Kybunpark in Fahrtrichtung St.Gallen, zwischen Uzwil und Gossau in Fahrtrichtung St.Gallen sowie bei der Einfahrt Kreuzbleiche in Fahrtrichtung Zürich.

St.Gallen bricht den Schnee-Rekord

Gemäss «SRF Meteo» hat St.Gallen den Rekord von 2001 gebrochen: So spät im Jahr fiel noch nie so viel Schnee.

«Wir sind ziemlich gefordert»

Die St.Galler Kantonspolizei sprach in ihrer Bilanz von Freitag um 12 Uhr von mehreren Dutzend Verkehrsunfällen auf den Strassen des Kantons St.Gallen. Ein Grossteil habe ohne Polizei erledigt werden können, es gab keine Meldungen zu verletzten Personen. «Wir sind ziemlich gefordert. Die Kantonale Notrufzentrale wird von zusätzlichem Personal unterstützt», sagte Hanspeter Krüsi am Freitag. Die Kantonspolizei St.Gallen wurde durch Feuerwehren mehrerer Gemeinden unterstützt.

Die Unfallursache war vielerorts auf das Nichtanpassen der Geschwindigkeiten an die Strassenverhältnisse zurückzuführen, teilte die St.Galler Kapo mit. Mehrere Autos seien mit Sommerpneus ausgerüstet gewesen. Bei den polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfällen belief sich die Schadenssumme auf weit über hunderttausend Franken.

Auf St.Galler Stadtgebiet gab es mehrere Unfälle, wie Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei St.Gallen, auf Anfrage am Freitagmittag sagte. Weil es nicht immer zwingend zu einer Unfallaufnahme durch die Polizei komme, konnte man am Freitag noch keine konkreten Zahlen herausgeben. «So viel Schnee ist für die Polizei personalintensiv. Mehr oder weniger alle, die im Dienst sind, arbeiten auf der Strasse.»

In der Nacht auf Freitag krachte am Burggraben in St.Gallen ein Baum auf die Fahrleitungen der Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) und der Appenzeller Bahnen, was einen Streckenunterbruch zur Folge hatte. Am Freitagmittag wiederholte sich der Vorfall. Am frühen Nachmittag konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Die Stadtpolizei St.Gallen warnte am Nachmittag ausserdem vor Dachlawinen. «Vorsicht vor herunterfallendem Schnee» schreibt die Stadtpolizei auf ihrem Twitteraccount und empfiehlt, zwischendurch auch mal nach oben zu schauen.

Die Kantonspolizei Graubünden hatte nicht aussergewöhnlich viel zu tun. «Es war gar nicht so schlimm, wir hatten rund ein Dutzend Blechschäden, ansonsten gab es keine grossen Meldungen», sagt Anita Senti von der Kantonspolizei Graubünden. Im Kanton Graubünden wurden allerdings einige Pässe aufgrund des vielen Schnees wieder geschlossen, der San Bernardino war am frühen Nachmittag kurzzeitig für Lastwagen mit Anhänger gesperrt.

Keine verletzten Personen

Auch die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden wurde am Freitag vom Schnee auf Trab gehalten. In Herisau und Heiden musste die Feuerwehr wegen umgestürzten Bäumen ausrücken, bereits kurz nach Mitternacht ging der erste Anruf bei der Feuerwehr Herisau ein.

Viele Unfälle ereigneten sich laut der Kantonspolizei Ausserrhoden im Morgenverkehr. Auf der Gossauerstrasse in Herisau waren es gleich drei Stück, eine Frontalkollision, ein Auffahrunfall und eine Kollision von einem Auto mit einem Zaun. Auch in Niederteufen, Gais und Schwellbrunn ereigneten sich mehrere Selbstunfälle. In Niederteufen rutschte ein Lieferwagen über eine steile Böschung in ein Tobel und kam auf dem Dach zum Stillstand. Ein Kran musste den Lieferwagen bergen, die Strasse wurde für die Dauer der Bergung gesperrt. Personen wurden glücklicherweise auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden keine verletzt.

Der Lieferwagen landete auf dem Dach. (Bild: pd)

In Innerrhoden gab es offenbar keinen einzigen Unfall. «Die Innerrhoder wissen, dass sie die Pneus erst nach der Landsgemeinde wechseln sollten», sagt Paul Broger, Sprecher der Innerrhoder Kantonspolizei. Die Landsgemeinde findet diesen Sonntag statt.

Im Kanton Thurgau gab es zwei Unfälle. In Zihlschlacht war ein 57-jähriger Autolenker auf der oberen Hagenwilerstrasse in Richtung Hauptstrasse unterwegs. Kurz vor 7 Uhr wollte er bei einer Verzweigung links abbiegen, allerdings konnte er wegen des Schnees auf den Strassen nicht rechtzeitig abbremsen. Der Autolenker rutschte mit seinem Auto mitten in den Verzweigungsbereich, wo er mit einem 18-jährigen Motorradfahrer kollidierte. Der Motorradfahrer war von Amriswil nach Sitterdorf unterwegs, er musste nach dem Unfall mit leichten Verletzungen ins Spital gebracht werden.

Wälder werden zur Sperrzone

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen rief die Bevölkerung dazu auf, die Wälder nicht zu betreten: «Es besteht aufgrund der grossen Schneelast die Gefahr von umstürzenden Bäumen und abbrechenden Ästen», heisst es in einer Mitteilung.

«Nicht gestresst fahren»

«Die Kantonspolizei St.Gallen warnt dringend, genügend Zeit einzurechnen», so Krüsi. Bei den winterlichen Verhältnissen solle niemand gestresst fahren, weil das bekanntlich zu Unfällen führe. Habe jemand schon die Sommerpneus montiert, solle sie oder er doch auf den öV umsteigen. «Man kann einen Haufen Geld sparen, wenn man keinen Unfall hat.»

Auch am Samstagmorgen ist mit eisigen Strassen zu rechnen.

Stromausfall in Mörschwil, Wittenbach und Häggenschwil

Aufgrund des Wintereinbruchs ist es am Freitag zu einem Stromausfall in Mörschwil, Wittenbach und Häggenschwil gekommen, bestätigte Hanspeter Krüsi mehrere Meldungen von Todayreportern. Die Störung dauerte bis etwa 8.15 Uhr. Wie die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) mitteilten, war ein am Freitagmorgen um 7 Uhr umgestürzter Baum, der zwischen Mörschwil und Goldach auf eine Stromleitung drückte, schuld am Unterbruch.


Laurien Gschwend
Quelle: lag/enf
veröffentlicht: 28. April 2017 06:46
aktualisiert: 29. April 2017 07:31