Bienen

Ein guter Sommer für den Ostschweizer Honig: Zwei Imker ziehen Bilanz – und fürchten sich vor der asiatischen Hornisse

14. September 2022, 08:04 Uhr
Was Bienen mögen, konnte der diesjährige Sommer bieten: Wärme und Trockenheit. In der Ostschweiz verzeichnen Imkerinnen und Imker deshalb eine gute Honigernte – grundsätzlich. Die Wetterextreme könnten das Wohlergen der regionalen Bienen negativ beeinflussen. Zwei Imker aus der Region geben Einblicke.
Wegen der Wärme und Trockenheit in diesem Sommer verzeichnen die Imkerinnen und Imker in diesem Jahr eine gute Honigernte.
© Gaetan Bally/Keystone
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Trockene Wiesen, dünne Bäche, Waldbrandgefahr: Der heisse Sommer hatte die Ostschweiz in diesem Jahr im Griff. Und trotzdem können die hiesigen Imkerinnen und Imker 2022 zufrieden sein, schreibt das «St.Galler Tagblatt». Ins Wasser gefallen – so wie wortwörtlich im Sommer davor – ist ihre Honigernte nämlich definitiv nicht.

Denn Bienen mögen es grundsätzlich warm und trocken. Das weiss Max Meinherz, kantonaler Bieneninspektor in St.Gallen und Redaktor bei der «Schweizerischen Bienen-Zeitung». Eine Auswertung zum Honigjahr 2022 seitens seiner Zeitung ist derzeit zwar noch in Bearbeitung. Seine Einschätzung lautet jedoch:

«Die Ostschweiz hatte ein mittelmässiges bis gutes Jahr, was die Honigerträge angeht.»

Auch Füllemann selbst konnte bei den eigenen Bienenstöcken in Grabs eine gute Ernte verzeichnen. Ob alle Ostschweizer Imkerinnen und Imker in diesem Jahr eine positive Bilanz ziehen werden, ist jedoch fraglich. Denn: «Lokal sind starke Unterschiede immer möglich.»

Der Standort der Bienenstöcke entscheide massgeblich darüber, ob die Honigbiene gut mit den jeweiligen Umweltbedingungen zurechtkomme oder nicht. Wo die Trockenheit für beinahe blütenlose Wiesen, Gärten und Felder gesorgt habe, werde wohl auch die Ernte schlechter ausfallen.

Gut auf Wärme und Kälte vorbereitet

Die Hitze allein kann den Honigbienen deshalb nur indirekt zu schaffen gemacht haben. Sie sind dank eines ausgeklügelten Systems nämlich gut gegen extreme Temperaturen gewappnet. Meinherz erklärt: «Ist es im Bienenstock zu kalt, bringen sie ihre Flügel zum Vibrieren, was dazu führt, dass die Temperaturen steigen.» Sei es zu heiss, transportierten Arbeiterbienen Wassertropfen in den Stock. Durch die Verdunstung steigt die Luftfeuchtigkeit. Im Umkehrschluss sinkt die Temperatur im Bienenstock.

Die Honigbiene ist eine sogenannte «Generalistin». Sie holt ihren Nektar von allen Blüten.

© St.Galler Tagblatt/Toni Sieber

Deshalb war es in diesem Jahr ganz besonders wichtig, dass sich in der Umgebung der Honigbienen Wasserquellen befanden. Viele Imkerinnen und Imker stellten in unmittelbarer Nähe ihrer Bienenstände deshalb entsprechende Wassertränken bereit.

Für das allfällige Kühlen brauchten die Bienen in diesem Jahr zwar einiges an Energie. Meinherz geht allerdings davon aus, dass das Heizen im vergangenen verregneten Jahr für die Bienen aber eine grössere Herausforderung beutete. Für die Brutpflege benötigen die fleissigen Insekten nämlich eine Temperatur um die 36 Grad.

Wildbienen wegen Klimawandel in Gefahr

Auch Armin Füllemann, Imker in Amlikon-Bissegg und Präsident des Vereins Thurgauischer Bienenfreunde, kann aus eigener Erfahrung bestätigen: «Zum Nektarsammeln war das Wetter in diesem Jahr für die Honigbienen und auch die Wildbienen eigentlich ideal.»

Dennoch blickt Füllemann mit Sorge in die Zukunft, gerade was die Wildbienen angeht. Rund 600 verschiedene Wildbienenarten gibt es in der Schweiz. Viele von ihnen sind dabei auf Pollen und Nektar bestimmter Pflanzenfamilien oder sogar Pflanzenarten angewiesen. Ihre Brut- und Sammelzeiten sind deshalb genau auf den Zeitpunkt ausgelegt, zu welchem diese blühten. Füllemann erklärt:

«Verschiebt sich die Blütezeit dieser Blumen nun langfristig wegen des Klimawandels, könnten gewisse Wildbienenarten verhungern oder gar aussterben.»

Sie würden sich leider nicht ebenso schnell an die veränderten Blütezeiten anpassen wie Pflanzen sich an neue Wetterbedingungen.

Aber auch das Nistplatzangebot von Wildbienen, die sich etwa in Sand, Totholz oder Steinhaufen vergraben, wird in der ganzen Schweiz rar. Das sei problematisch. «Die Wildbiene übernimmt nämlich einen wichtigen Teil der Bestäubungsarbeit in unseren Ökosystemen –, obwohl sie meist nicht als Generalist auftritt wie die Honigbiene», sagt Füllemann. Als «Generalisten» unter Bienen gelten jene Bienenarten, die nicht auf bestimmte Pflanzen angewiesen sind.

Sogenannte «Insektenhotels» werden privat immerhäufiger aufgestellt, da Wildbienen zunehmend Mühe haben, Nistplätze zu finden.

© St.Galler Tagblatt/Urs Bucher

Gefahr wegen asiatischer Eindringlinge

Als grösster Schädling eines Honigbienenvolks gilt hingegen die Varroamilbe. «Dieser asiatische Neozoon vermag die Bienenvölker enorm zu schwächen und überträgt gleichzeitig verschiedene Viren», sagt Bieneninspektor Meinherz. Sie lasse sich leider nicht mehr ausrotten. Der Imkerschaft müsse es einfach jeweils gelingen, den Schädling über das ganze Jahr unter einer gewissen Schwelle zu halten. Gemäss Füllemann kämen Imkerinnen und Imker inzwischen allerdings relativ gut mit der Milbe zurecht.

Indes ist bereits der nächste Neozoon auf dem Vormarsch: die asiatische Hornisse. Meinherz erklärt:

«Sie lauert vor den Eingängen der Stöcke und frisst die ausfliegenden oder heimkehrenden Bienen.»

Die asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die einheimische.

© St.Galler Tagblatt/Dietemann Argoscope

Das ganze Bienenvolk gerate dadurch in eine Stresssituation. Die invasive Art ist 2020 erstmals im Kanton Genf und im Jura aufgetaucht. Vor wenigen Tagen wurde nun auch ein Nest im Kanton Baselland entdeckt.

«Die asiatische Hornisse ist bis zum heutigen Tag in der Ostschweiz jedoch noch nicht gesichtet worden», beschwichtigt Meinherz. Dennoch: Trotz guter Wetterbedingungen für die Bienen wie in diesem Jahr dürfte ihr Fortbestehen auch in Zukunft auf die Probe gestellt werden.

Quelle: St.Galler Tagblatt/Aylin Erol
veröffentlicht: 14. September 2022 08:25
aktualisiert: 14. September 2022 08:25