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Er tauscht den Bus gegen das Stadion

Sandro Zulian, 9. Februar 2018, 06:05 Uhr
Mit Pius Hofstetter ging im Dezember letzten Jahres ein stadtbekannter VBSG-Mitarbeiter in Pension. An den FC St.Gallen-Spielen wird der 62-Jährige auch dieses Jahr noch zu sehen sein. Allerdings in anderer Uniform.

Wenn der FCSG am Sonntag den FC Zürich empfängt, wird ein bekanntes Gesicht fehlen - dasjenige von Pius Hofstetter. Jahrelang organiserte er an den Heimspielen den Fantransport vom Bahnhof ins Fussballstadion und umgekehrt.

Bei Regen oder Schnee einen Hut mit breiter Krempe auf dem Kopf, einer leuchtend gelben Uniform über dem VBSG-Anzug und mit dem obligaten Kiel in der Hand. «Es war eine wunderschöne Zeit.» Hofstetter war seit der Eröffnung des Kybunparks (damals: AFG Arena) an praktisch jedem Heimspiel des FC St.Gallen für die Fantransporte verantwortlich. «Ich habe zwar keine Dienste getauscht, wenn ich an ein Familienfest oder an eine Hochzeit musste, aber ansonsten stellte ich immer sicher, dass ich bei den FCSG-Spielen dabei sein konnte.»

Selten blöd «angezündet»

«Die Nähe zu den Fans bleibt mir in bester Erinnerung», sagt Hofstetter. Fussballfans werde oft fehlende Fairness vorgeworfen, doch das habe er nur selten erlebt: «Unsere Arbeit wurde oft gelobt, wir wurden selten bis gar nie blöd ‹angezündet›». Nach einiger Zeit kannten die Fans des FC St.Gallen den Charakterkopf Hofstetter: «Als ich zwei-, drei Mal fehlte, erkundigten sich bereits die ersten Fans nach meinem Wohlbefinden.»

Nur ein schlechtes Erlebnis

Seine Arbeit rund um die FCSG-Spiele sieht Hofstetter als seine liebste Zeit in den 40 Jahren bei den VBSG. Und doch gibt es auch einen Moment der ihm in schlechter Erinnerung bleibt: Ein Zürcher Fan sei mitsamt Trikot und Schal unter den FCSG-Anhängern in Richtung Bus gelaufen. «Ich wusste schon am Anfang, dass das nicht gut kommen konnte.» Prompt wurde der Zürich-Fan von einem St.Galler niedergeschlagen: «Der war gleich weg. Das ging mir durch Mark und Bein.»

Dieter Bohlen oder doch lieber George Clooney?

Gesamthaft überwiegt aber das Positive. Dazu gehört auch ein privates Experiment, welches ihm einen Spitznamen eingebracht hat. Hofstetter färbte seine Haare blond: «Ich bin selbst ein wenig erschrocken, als die Coiffeuse meine Haare wusch und ich das Resultat sah». Er könne sich noch gut an diesen Tag erinnern. «Ich wurde dann oft mit Dieter Bohlen verglichen», sagt der 62-Jährige und lacht. Wenn die Fans auf einen Bus warten mussten, der sie in die Stadt oder ins Stadion brachte, fingen sie oft an zu singen: «Didi, bring uns einen Bus!»

Die blonden Haare wuchsen sich aus, doch auch die grauen führten zu einem Spitznamen. Einige Fans nennen ihn den «George Clooney der VBSG». Darauf angesprochen, druckst Hofstetter: «Ich bin schon ein bisschen eitel. Den Clooney-Vergleich höre ich natürlich gerne.»

Immer abseits des Stadions

Egal ob nun George Clooney oder Dieter Bohlen. In Zukunft wird man Hofstetter im - statt vor dem - Kybunpark antreffen. «Ich kaufe eine Saisonkarte.» Statt bei den Bussen ist Hofstetter bald auf den Rängen. Zwar ohne Uniform, dafür garantiert mit Kiel.

Ein Leben für die VBSG

Pius Hofstetter kam 1978, nach einer Lehre zum Lastwagenmechaniker, zu den VBSG. Nach fünf Jahren als Busfahrer, wechselte er in die Verkaufsstelle und zur Leitstelle der Verkehrsbetriebe. Er leerte die Billetautomaten, sorgte dafür, dass die Busfahrer im Depot richtig parkierten und musste Reklamationen entgegennehmen. Nach 20 Jahren zog es Hofstetter als Teamleiter zu den Billetkontrolleuren. Nochmals 20 Jahre später liess er sich Ende 2017 frühpensionieren und arbeitet aktuell noch 50 Prozent beim Regiobus. In Zukunft sitzt Hofstetter wieder in der Führerkabine eines Busses. Sein berufliches Leben fasst er in einem Satz zusammen: «Ich würde alles wieder genau gleich machen.»

(saz)

 

Sandro Zulian
veröffentlicht: 9. Februar 2018 06:05
aktualisiert: 9. Februar 2018 06:05