«Es ist ein schwarzer Tag für Konstanz»

Raphael Rohner, 31. Juli 2017, 10:27 Uhr
Nach der Schiesserei in einer Konstanzer Disco nehmen die Behörden Stellung. Der Täter schoss mit einem Sturmgewehr M16 um sich. Die Behörden gehen von einem Streit aus und schliessen einen islamistischen Hintergrund aus.

«Wir sind heute Augenzeugen eines schlimmen Verbrechens geworden», so begann der Innenministeriums-Staatssekretär von Baden-Württemberg seine Ansprache an der Medienkonferenz. Er habe den Tatort besucht und sei betroffen: «Es ist ein schwarzer Tag für Konstanz. Ich möchte der Polizei in Konstanz meinen Dank aussprechen für ihren Einsatz.» Er betonte immer wieder, dass es beim Angriff keinen islamistischen Hintergrund gegeben habe. Auch Innenstaatssekretär Martin Jäger betonte, es handle sich um kein islamistisch motiviertes Verbrechen.

Die Staatsanwaltschaft berichtete, es habe Streit vor der Diskothek gegeben. Der 34-Jährige sei daraufhin nach Hause gefahren, habe die Kriegswaffe geholt und sei damit zum Club zurückgekehrt. Bei dem Schützen habe es sich um den Schwiegersohn des Betreibers der Diskothek gehandelt.

Täter holte Sturmgewehr und schoss um sich

Mit einem Sturmgewehr des Typs M16 hat ein vorbestrafter Mann in einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen. Erst schoss er einem Türsteher ins Gesicht, welcher daraufhin verstarb. Dann schoss er wahllos in die Menschen. Dabei wurden drei Menschen schwer verletzt. Als die Polizei bei der Disco auffuhr, eröffnete der Mann das Feuer auf die Beamten. Er traf einen Polizisten am Helm. Der Beamte erlitt schwere Verletzungen.

Nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb der 34-jährige Angreifer. Bei ihm handelt es sich um einen anerkannten Asylbewerber irakisch-kurdischer Herkunft, der als Kind 1991 nach Deutschland gekommen war. Das teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Johannes-Georg Roth am Sonntag in Konstanz mit.

Mit so einem M16-Sturmgewehr schoss der Täter um sich.
Mit so einem M16-Sturmgewehr schoss der Täter um sich.

«Es war ein Einzeltäter»

Warum es zum Streit gekommen war, war zunächst nicht bekannt. Die Ermittler gehen von einer persönlichen Auseinandersetzung aus, die auf «unsagbare Weise eskaliert» sei. Der Mann habe als Einzeltäter gehandelt. Nach Angaben des Experten Andreas Stenger vom Landeskriminalamt nutzte der Mann eine US-Kriegswaffe vom Typ M16. Das Sturmgewehr sei die Standardwaffe der US-Streitkräfte. Woher der Mann die Waffe hatte, war zunächst unklar. Der Schütze war vorbestraft, er war der Polizei unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Drogendelikten bekannt.

Schiesserei vor der Disco

Der Täter schoss gegen 4.30 Uhr am Sonntagmorgen im «Grey Club» in einem Konstanzer Industriegebiet um sich. Er war wohl nicht im Innern der Disco. Zu den Schüssen kam es nach Angaben der Ermittler vor allem im Eingangsbereich des Clubs. Der 34-Jährige sei dann wenig später bei einem Schusswechsel mit Polizeibeamten lebensgefährlich verletzt worden. Er erlag in einem Spital seinen Verletzungen. Auch ein Polizist erlitt eine Schussverletzung. Er befand sich jedoch nicht in Lebensgefahr.

Ein Augenzeuge hatte der Nachrichtenagentur dpa erzählt, dass ein Täter wahllos auf die Gäste geschossen habe. «Die Diskothek war rammelvoll. Ich schätze, dass mehrere Hundert Menschen da waren», sagte er.

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Gäste verliessen Gebäude in Panik

Sowohl der Zeuge als auch die Polizei hatten mitgeteilt, dass zahlreiche Gäste nach den Schüssen das Gebäude in Panik verlassen und sich verschanzt hätten. Nach Angaben der Stadt werden mehrere Gäste psychologisch betreut. Die Polizei war gegen 4.30 Uhr alarmiert worden und war danach mit starken Kräften an Ort und Stelle, auch Spezialkräfte waren am Einsatz beteiligt. Durch ein neues Einsatzkonzept der Polizei seien so bezeichnete Erstinterventionskräfte schnell dort gewesen, sagte Polizeipräsident Ekkehard Falk. Dadurch sei wohl verhindert worden, dass mehr Menschen zu Schaden kamen. An der Disco seien nach Eingang der Notrufe rasch elf Einsatzwagen gewesen.

«Grey Club» trauert

Der «Grey Club» wurde erst vor drei Monaten eröffneten. In der Grossraumdisco an der Max-Stromeyer-Strasse, wo früher das bekannte Dancepalace war, fand in der Tatnacht – wie jeden letzten Samstag im Monat – die Birthday Special Party statt.

Seit 8 Uhr am Sonntagmorgen zeigt das Facebook-Titelbild des Nachtclubs nicht mehr die bevorstehenden Partys an, sondern wurde durch eine schwarze Fläche ersetzt. Unter dem schwarzen Bild drücken Facebook-User ihr Beileid aus und wünschen den Verletzten gute Besserung. Und manche suchen nach ihren Angehörigen, die sie nicht erreichen können. Am Montagmorgen postet der Club John Lennons Lied «Imagine» und schreibt: «Wir können es noch gar nicht fassen, uns fehlen die Worte.»

Raphael Rohner
Quelle: rar
veröffentlicht: 30. Juli 2017 19:18
aktualisiert: 31. Juli 2017 10:27