Der Barde und der Bau-Skandal

Dario Brazerol, 7. Juni 2018, 10:07 Uhr
Bei den manchen der Bündner Regierungsratskandidaten ist der Lack ab.
Bei den manchen der Bündner Regierungsratskandidaten ist der Lack ab.
© KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Die Regierungsratswahlen im Kanton Graubünden geben in diesem Jahr zu reden. Zuerst der Baukartell-Skandal, welcher den Wahlkampf auf den Kopf stellte, und dann noch ein Kandidat, der als Kinderlieder-Macher bekannt ist.

Der Bündner Baukartell-Skandal hat im Wahlkampf für die anstehenden Regierungsratswahlen Steine ins Rollen gebracht, die nicht mehr aufzuhalten sind. Kandidaten, die man schon auf sicher in der nächsten Amtsperiode sah, müssen nun um ihre Wiederwahl bangen oder haben sich ganz aus dem Rennen genommen. Konkret geht es um die BDP-Politiker Jon Domenic Parolini und Andreas Felix.

BDP unter Bedrängnis

Felix, als Geschäftsführer des Bündner Baumeisterverbandes, betont zwar, nichts von den illegalen Absprachen der Unterengadiner Baumeister gewusst zu haben, sah seine Kandidatur dadurch aber auf verlorenem Posten - Mitte April zog er sich aus dem Wahlkampf zurück, gleichzeitig legte er sein Amt als Präsident der Bündner BDP nieder. Weiterhin für die BDP im Rennen ist der bisherige Regierungsrat Jon Domenic Parolini. Der Gemeindepräsident von Scuol soll ebenfalls über die Bauabsprachen informiert worden sein, weshalb auch sein Sitz im Regierungsrat wackelt.

Kartell-Skandal zieht seine Kreise

Die beiden anderen Regierungsräte, welche sich zur Wiederwahl aufstellen, müssen sich weniger Sorgen machen. Der Verbleib Mario Cavigellis von der CVP und Christian Rathgebs von der FDP ist wahrscheinlich. Verbindungen zum Baukartell lassen sich aber auch bei ihnen finden. Cavigelli ist Vorsteher des Bündner Baudepartements. Allerdings ereigneten sich die illegalen Preisabsprachen noch vor seiner Amtszeit. Unter Christian Rathgeb, dem Polizeidirektor, wurde die fragwürdige Verhaftung von Kartell-Whistleblower Adam Quadroni im Juni 2017 durchgeführt. Ob der Einsatz aber in direktem Zusammenhang mit dem Kartell-Skandal steht, ist unklar.

Aus dem gleichen Grund steht ein weiterer potentieller Regierungsrat in der Kritik. Der SVP-Politiker Walter Schlegel ist Kommandant der Bündner Polizei. Unter seiner Verantwortlichkeit fand die Verhaftung Quadronis statt. Bei dieser soll es zu Polizeibrutalität, Demütigung und Druckversuchen gekommen sein - Quadroni zog sich zahlreiche Verletzungen zu. Die Staatsanwaltschaft untersucht aktuell, ob die Polizei unverhältnismässig gehandelt hat.

Bündner Barde als Überraschungskandidat

Einer, der völlig unbelastet ins Rennen geht, ist eine Bündner Berühmtheit. Bekannt wurde er durch seine zahlreichen Lieder und Geschichten, die in so manchem Schweizer Kinderzimmer zu hören sind - Linard Bardill. Der Bündner Barde liess sich überraschend als Kandidat aufstellen - parteilos, aber nicht chancenlos. Eine Umfrage der «Südostschweiz» und «RTR» von Mitte Mai zeigt, dass für den «wilden Kandidaten» eine reelle Chance auf einen Sitz in der Bündner Regierung besteht. Ebenfalls gute Chancen können sich die Sozialdemokraten mit Grossrat Peter Peyer und die CVP mit Marcus Caduff ausrechnen. Beide sind völlig frei von jeglichen Verbindungen zum Baukartell-Skandal.

Komplett auf den Kopf gestellt wird die Bündner Regierung wohl nicht. Durch den Kartell-Skandal wurden die Würfel aber neu gemischt. Der Urnengang von kommendem Sonntag könnte ein paar Überraschungen mit sich bringen.

Dario Brazerol
veröffentlicht: 7. Juni 2018 08:16
aktualisiert: 7. Juni 2018 10:07