Die verkohlten Reste der Landi Thusis

Raphael Rohner, 16. Dezember 2017, 18:23 Uhr
Nach dem Grossbrand in Thusis zeigt sich vor Ort ein Bild der Zerstörung. Rund 24 Stunden nach dem Ausbruch des Feuers löschen die Feuerwehrleute die letzten Brandherde. Die Polizei sucht in den Trümmern Spuren für die Brandursache. Ein Augenschein auf dem Brandplatz.

Freitagmorgen im Domleschg: Die Wipfel der Tannen sind schneebedeckt. Wolken verziehen sich langsam aus dem Tal und die ersten Sonnenstrahlen brechen durch ins Tal. Im Dorf Thusis wirkt es düster und neblig. Es riecht nach verbranntem Holz.

Landi nur noch ein rauchendes Gerippe

Ein Feuerwehrauto fährt vorbei. Der Fahrer macht einen erschöpften Eindruck. Von weit her sieht man die grauen Rauchsäulen in den Himmel steigen. Dort wo vor 24 Stunden noch eine Landi samt Tankstelle stand, ragen nun nur noch verkohlte Reste von Holzträgern gegen Himmel. Einem Skelett gleich steht das verkohlte, rauchende Gerippe der Landi-Filiale mitten im Tal.

Brandermittler von Graubünden und St.Gallen suchen Spuren

«Das Gebäude ist völlig zerstört», sagt Reinhold Ziegler, Feuerwehrkommandant von Thusis. Auch er wirkt müde und vom Einsatz gezeichnet. Trotzdem behält er den Überblick. Vor Ort gräbt sich ein Bagger durch die übrig gebliebenen, noch rauchenden Reste der 1600 Quadratmeter grossen Anlage. Zudem suchen mehrere Brandermittler der Kantonspolizei Graubünden und St.Gallen in den Trümmern nach Spuren.

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«Es gab drei mal einen lauten Knall - dann rannten wir»

Der Ort des Unglücks zieht viele Schaulustige an. Einer davon steht an der Polizeiabsperrung: «Ich war gestern hier, als es passierte.» Er habe mit seinen Kollegen einen Kaffee getrunken, plötzlich wurden sie von einem lauten Knall überrascht: «Die Wände zitterten gewaltig und wir schauten uns fragend an», sagt er. Es knallte zwei weitere Male. «Jemand schrie: Alle raus hier, es brennt! Wir rannten raus und als ich beim Auto stand sah ich schon dicken, schwarzen Rauch aus der Türe kommen - es war verrückt», erinnert er sich.

Verletzte wieder aus dem Spital entlassen

Kurz vor dem Mittag, brach das Feuer am Donnerstag in der Landi in Thusis aus. Dabei konnten sich die Angestellten und Kunden in Sicherheit bringen. Zwei Personen mussten am Donnerstag mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gebracht werden. Sie konnten das Spital bereits wieder verlassen.


Tankstelle blieb unversehrt

Bei den ersten Bildern des Brandes wurde von diversen Leuten gemutmasst, dass die Agrola-Tankstelle brenne. Diese wurde jedoch vom Brand verschont. «Die Anlage hat einen eingebauten Schutzmechanismus, welche die gefährlichen Teile der Tankstelle vor Feuer schützt», sagt Kommandant Reinhold Ziegler. Lediglich der Tankstellenshop wurde zerstört.

Goldacher Feuerwehrauto im Einsatz

Wie lange die Feuerwehr Thusis noch im Einsatz steht, kann der Kommandant noch nicht sagen. Noch seien einige Glutnester zu löschen. Dazu setzt die Feuerwehr Thusis ein Tanklöschfahrzeug der St.Galler Gemeinde Goldach ein. Ziegler: «Wir würden heute unser neues Tanklöschfahrzeug bekommen.» Die Feuerwehr Goldach lieh ihr altes Feuerwehrauto nach Thusis aus, weil deren Lastwagen bei einem Unfall einen Totalschaden erlitten hatte.

Raphael Rohner
Quelle: rar
veröffentlicht: 15. Dezember 2017 15:10
aktualisiert: 16. Dezember 2017 18:23