Ein eigenes Modelabel mit 23 Jahren

Stefanie Rohner, 2. März 2019, 06:09 Uhr
Den Traum, seinen Wunschberuf zu finden, haben viele. Anna Laura Klucker aus dem bündnerischen Tamins lebt mit ihrem Modelabel genau diesen Traum. Sie versucht sich in der Selbstständigkeit und hat schon drei Kollektionen herausgebracht.

Entwürfe, Schnitte, Muster, Stoffe und eine surrende Nähmaschine. Anna Laura Klucker hat sich mit ihrem eigenen Atelier und Modelabel einen Traum verwirklichen können. Begonnen hat alles mit der Maturaarbeit.

Im Rahmen dieser Arbeit hat sie das Label «Yuli» gegründet und eine Kollektion entworfen. «Die Kleidungsstücke waren inspiriert durch die Bündner Tracht, die aus verschiedenen Teilen besteht, aber immer gleich aussieht. Deswegen habe ich die verschiedenen Teile so entworfen, das man sie alle zusammen, aber auch separat tragen kann», sagt Klucker.

So hat man mit einem Kleid viele Möglichkeiten und kann es für verschiedene Anlässe anders kombinieren. Sie sagt, ihr seien Traditionen wichtig, weswegen sie Bestehendes als Idee verwendet und es weiterentwickelt. «Oft sehe ich auch Kleidungsstücke, die mir gefallen, ich aber anders tragen würde. Auf der Strasse halte ich immer die Augen offen, um mich inspirieren zu lassen», sagt die 23-Jährige.

Zeitmanagement ist knifflig

Ohne die Maturaarbeit hätte Klucker vielleicht nicht gerade eine Modeschau veranstaltet, aber sie hätte dennoch eine Kollektion entworfen. Die Matura-Kleider wurden zwar nicht verkauft, aber sie konnte dennoch davon profitieren. «Ich habe danach Anfragen erhalten und durfte einige Kleider für Kundinnen nähen», sagt Klucker. Vor einem Jahr hat sie den Bachelor an der Kunstschule Zürich abgeschlossen und näht seither in Vollzeit im Atelier in Tamins.

Selbstständigkeit, die eigene Chefin sein: Das klingt wunderbar, birgt aber auch Schwierigkeiten. «Es ist eine grosse Herausforderung, in die ich sehr viel investiere. Ich merke, dass das Zeitmanagement manchmal knifflig ist. Man muss für sich ein Mass finden, bei dem man sich nicht überarbeitet und genügend Pausen einplant», sagt Klucker.

Die Linie zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt gern mal. Zudem besteht immer die Unsicherheit, ob genügend Aufträge reinkommen. Das Label kann sie zwar selbst finanzieren, ist aber zusätzlich auf finanzielle Hilfe der Eltern angewiesen. Sie durfte sich deshalb ihr Atelier im Elternhaus einrichten.

«Das Märchenhafte hat mich gepackt»

Kundinnen dürfen dort die Musterkleider anschauen und anprobieren. «Aber sie können dann Schnitt, Stoff, Muster und Farben selbst zusammenstellen und ich entwerfe aus diesen Vorstellungen ein Kleid.»

Alles nach Mass also. Jedes Kleid ist ein Unikat. Klucker sagt, ihr sei wichtig, dass sich die Frauen im Kleid wohl fühlen. «Wenn man sich schön fühlt, dann strahlt man das auch aus. Das ist das Ziel.»

Für ihr Label hat sie sich vorwiegend auf Fest- und Hochzeitsmode spezialisiert. Schon immer ist sie davon fasziniert gewesen. «Das Märchenhafte und Verträumte hat mich gepackt. Wenn man sich heutzutage schön anzieht, ist es für Feste und Hochzeiten», erklärt die Bündnerin. Sie sagt, wenn sie selbst mal heiratet, werde sie ihr Brautkleid selber entwerfen und nähen.

Modeschau in Planung

Anna Laura Klucker hat die Leidenschaft für das Nähen schon mit zwölf Jahren für sich entdeckt. Damals nähte sie ihr erstes Shirt. Für ihre Konfirmation schneiderte sie sich das Kleid gleich selbst. Das war das erste Festkleid, das sie kreiert hat. «Ich habe damals einfach kein Kleid gefunden, das meinen Vorstellungen entsprach.» Schliesslich machte sie das für jeden Anlass. «Natürlich habe ich dann auch für meine Schwester Kleider genäht und so folgten die ersten Anfragen aus dem Bekanntenkreis.»

Nun entwirft und näht sie seit einem Jahr Kleider für Kundinnen. Sie geniesst ihre Arbeit und steckt ihre ganze Energie hinein. «Es ist wunderbar, dass ich meine Kreativität ausleben kann. Ich geniesse es, die Ideen der Kundinnen umsetzten zu können und am Schluss zu sehen, wie sie strahlen und sich freuen.»

Sie wünscht sich, auch in Zukunft so weiterarbeiten zu können und viele Bräute einkleiden zu dürfen. Zugleich plant sie für den 11. Mai eine Modeschau im Schloss Reichenau. «Ich hoffe natürlich, dass ich dadurch Kundinnen gewinnen kann.»

Stefanie Rohner
Quelle: str
veröffentlicht: 2. März 2019 06:09
aktualisiert: 2. März 2019 06:09