«Streetart ist mehr als Schmierereien»

Dario Brazerol, 25. Juni 2018, 16:16 Uhr
Noch bevor Fabian Florin dem Churer Mühleturm einen neuen Look verpasst, brachte er am Wochenende das erste Streetart-Festival in die Alpenstadt. Vorerst allerdings noch in einer Light-Version.

Der Steinbock. Das ist das Tier, das man am ehesten mit Chur in Verbindung bringt. Prangt er doch auf dem Kantons- sowie dem Stadtwappen. Es ist aktuell aber ein anderes Tier, welches bei den Churern zu reden gibt: ein Bär. Nein, es wurde kein neues Tier am Calanda gesichtet, sondern an einer Hauswand mitten in der Altstadt.

Das Gemälde des Tessiner Künstlerkollektivs «Nevercrew» ist Teil des ersten Streetart-Festivals in Chur und bildete auch gleichzeitig das Highlight. Das versprach der Churer Streetart-Künstler Fabian Florin, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bane. Er und der Verein für urbane Kultur Graubünden, dessen Präsident er ist, haben das dreitägige Festival auf die Beine gestellt.

«Chur fehlt der Groove»

«Ich war schon oft auf Streetart-Festivals auf der ganzen Welt. Oft habe ich mich über die schlechte Organisation genervt. Darum habe ich mir gesagt: Mach es besser und bring den speziellen Groove solcher Festivals nach Chur. Dieser fehlt hier nämlich bis jetzt total.» Neben dem überdimensionalen Bären in der Altstadt gab es Live-Mal-Aktionen auf Leinwänden und eine Ausstellung zu den Themen Urban Art und Land Art.

Das Festival hatte ausserdem das Ziel, die allgemeine Meinung über Streetart aufzuwerten. Denn das erste, was vielen in den Sinn kommt, wenn sie Graffiti hören, seien Smileys und Piece-Zeichen in einer Bahnhofsunterführung, erklärt Florin. «Ein Grund für die Abwehrhaltung der Gesellschaft ist, dass sie im Alltag noch nicht mit dem Thema konfrontiert wurde. Mit dem Festival wollen wir diesen Leuten zeigen, dass Streetart nicht einfach nur Schmierereien in der Nacht bedeutet, sondern noch ganz viel mehr.»

Vollversion im nächsten Jahr

Dass das Festival am vergangenen Wochenende nur mit drei Standorten aufwartete und noch mit dem Label «Light» versehen war, hat seinen Grund: Die grossen Sponsoren sind ausgeblieben. Im nächsten Jahr soll die Veranstaltung aber vergrössert werden, wie Florin sagt: «Wir möchten das Festival ausweiten, damit es in der ganzen Stadt passiert und auch permanent bleibt. Das Ziel ist es, fünf, sechs, Fassaden von mehrstöckigen Häusern bemalen zu können.»

Auf Bane selbst wartet bereits ein besonders hohes Gebäude. Der Churer Mühleturm soll demnächst von ihm und seinem Künstlerkollegen «Pest» besprayt werden. Ein Mammutprojekt für den Künstler. Bei der Gestaltung des grössten Wandgemäldes der Schweiz will er sich noch nicht in die Karten schauen lassen: «Wir reden hier von 40 Metern Höhe und 30 Metern in der Breite. Es wird eine andere Herausforderung und braucht eine andere Herangehensweise als bei normalen Flächen. Was aber konkret am Mühleturm passieren wird, verrate ich noch nicht.»

© pd

Dario Brazerol
veröffentlicht: 25. Juni 2018 16:16
aktualisiert: 25. Juni 2018 16:16