Albulapass

Todessturz von Gino Mäder: Graubünden kannte die Gefahr der Kurve

· Online seit 05.07.2023, 09:11 Uhr
Die Stelle, wo Gino Mäder an der Tour de Suisse stürzte, galt eigentlich als ungefährlich. Nun zeigen Recherchen, dass die Kurve nicht unbekannt ist. Ein beinahe identischer Unfall ereignete sich schon einmal an genau derselben Stelle.
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Noch immer suchen Polizei und Staatsanwaltschaft knapp drei Wochen nach dem tragischen Unglüch nach Zeugen, die gesehen haben, wie Radprofi Gino Mäder von der Strasse abkam und in ein Bachbett stürzte.

Nicht erster schlimmer Sturz

Recherchen von CH Media zeigen nun: Zwei Jahre zuvor ereignete sich genau an der gleichen Stelle ein identischer Unfall, wie das «St.Galler Tagblatt» schreibt. Während des Amateur-Rennens Alpen-Challenge-Lenzerheide geriet Teilnehmer Harry Nussbaumer (62) rechts von der Strasse ab und stürzte rund 30 Meter den Hang hinunter. Gemäss Nussbaumer würden die hohe Geschwindigkeit und das Unterschätzen der Kurve als Ursachen für seinen Sturz gelten.

An der gleichen Stelle stürzten zwischen 2016 und 2022 zudem drei Töfffahrer. Zwei verletzten sich schwer, einer leicht. Zudem ereignete sich in der Kurve am 27. Juli 2022 ein Autounfall mit Blechschaden, wie eine Sprecherin des Kantons Graubünden auf Anfrage von CH Media sagt.

Graubünden wollte Stelle untersuchen

Dem Kanton Graubünden ist die Kurve bekannt. Er ist für die Strasse zuständig. Schon vor den Unfällen vom 15. Juni habe man beschlossen, sich die Stelle vor Ort anzuschauen. «Diese Analyse soll dazu beitragen, mögliche Sicherheitsdefizite zu erkennen und gegebenenfalls Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit der Strasseninfrastruktur abzuleiten», sagt eine Sprecherin des Tiefbauamtes gegenüber dem «St.Galler Tagblatt».

Weil es in der Kurve aber über die letzten zehn Jahre nur eine «geringe Anzahl Unfälle» gegeben habe und diese zeitlich verteilt waren, stand sie «in der Priorisierung für die Umsetzung von Massnahmen nicht an erster Stelle».

Engadin Radmarathon setzte bereits Massnahmen um

Bereits Ende Juni reagierte der Radmarathon, der ebenfalls an der Unfallstelle des verstobenen Radprofis vorbeiführt, auf das tragische Ereignis von Mäder. Das Organisationskomitee passte das Rennen entsprechend an. 

Heisst konkret: Die risikoreichen Abschnitte wie die Abfahrt vom Forcola die Livigno und die Abfahrt vom Albula wurden neutralisiert, wie das OK mitteilt. Diese Strecken zählten somit nicht zur Rennwertung. Mit diesen Massnahmen möchten die Organisatorinnen und Organisatoren mehr Sicherheit bei den Rennen gewährleisten.

Die Nachricht über den Tod des Radprofis und gebürtigen Ostschweizers Gino Mäder beschäftigt weit über die Radsportszene hinaus. Am Donnerstagnachmittag des 15. Juni verunfallte der 26-Jährige in der fünften Etappe der Tour de Suisse in der Abfahrt vom Albula zum Zielort La Punt bei hohem Tempo. Tags darauf erlag Gino Mäder seinen Verletzungen im Kantonsspital Chur.

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veröffentlicht: 5. Juli 2023 09:11
aktualisiert: 5. Juli 2023 09:11
Quelle: St.Galler Tagblatt/Pascal Ritter

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