Windrad-Skilift gerät in Turbulenzen

Angela Mueller, 13. April 2018, 06:21 Uhr
Skimasten mit Windrad - diese Weltneuheit soll in Feldis gebaut werden.
Skimasten mit Windrad - diese Weltneuheit soll in Feldis gebaut werden.
© pd
Nachdem ein Solarskilift im Bündner Ort Tenna für klingende Kassen gesorgt hatte, möchte es nun auch Feldis im Domleschg mit einem Windenergie-Skilift wissen. Doch das Projekt erhält Gegenwind.

Noch bis vor kurzen hatte Andreas Fotsch, Verwaltungrsratspräsident der Sesselbahn und Siklift Feldis SFF AG, damit gerechnet, den weltersten Windenergie-Skilift bereits im Frühling 2019 bauen zu können. Doch nun gibt es einen Rückschlag. Gerade hat der Kanton Graubünden eine Vorprüfung des Projekts abgeschlossen.

«Wir werten diese zurzeit aus und werden uns mit der Gemeinde besprechen», sagt Fotsch. Über den Inhalt der Vorprüfung gibt er keine Auskunft. Auch die Gemeinde nicht: «Die Ergebnisse dieser Vorprüfung werden nun vom Verwaltungsrat der Luftseilbahn  und vom Gemeindevorstand Domleschg geprüft», teilt diese auf Anfrage schriftlich mit.

Skilift gilt bereits als Windpark

Der Windenergie-Skilift soll auf der Alp Raguta über Feldis auf der Höhe von 2000 Meter gebaut werden, dieser soll Feldis ein schneesicheres Skigebiet garantieren. Die Luftseilbahn Feldis AG plant deshalb einen 500 Meter langen Bügellift mit sieben Masten. An den obersten drei Masten sind drei Windräder geplant, die die Energie liefern sollen.

Und genau dies ist der heikle Punkt: Mit drei Windrädern gilt der Skilift nicht einfach als ein von Windkraft angetriebenes Transportmittel, sondern als ganzer Windpark. Zu diesem Schluss kommt der Kanton Graubünden in seiner Vorprüfung, wie FM1Today aus gesicherten Quellen weiss. Die Realisierung eines Windkraftparks dürfte jedoch wesentlich hürdenreicher sein und länger dauern als ursprünglich gedacht. Damit verändert sich die Ausgangslage für den Bau des ersten Windenergie-Skilifts grundlegend.

Schneesicheres Skigebiet

Feldis ist ein 140-Seelen-Dorf, das auf 1400 Meter über Meer in der Viamala-Touristenregion liegt. Eine Seilbahn nach Rhäzüns ist die schnellste Verbindung ins Tal. Entsprechend idyllisch wirkt das Dorf, das vorwiegend vom Tourismus lebt. Mit seinem Berghotel Sternahaus gilt Feldis als alternativer, ruhiger Ferienort für lärmgeplagte Städter im Sommer wie auch im Winter. Doch das momentane kleine Familien-Skigebiet Feldis-Mutta liegt auf 1500 Meter und ist gerade angesichts des Klimawandels nicht mehr schneesicher. Dies sollte nun der neue Skilift auf der Alp Raguta ändern.

Das Dorf Tenna im Safiental hatte vor einigen Jahren den weltweit ersten Solarlift in Betrieb genommen und weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Ob Feldis ein ähnlicher Coup gelingen wird, muss sich erst noch zeigen.

pd
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Angela Mueller
veröffentlicht: 13. April 2018 06:15
aktualisiert: 13. April 2018 06:21