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Fachkräftemangel

«Grosse Probleme»: Gastronomie findet keine Angestellten mehr

Nico Conzett, 15. November 2021, 07:47 Uhr
Die Gastronomie leidet unter der Pandemie. Doch nicht nur die Massnahmen und Schliessungen machten den Restaurants zu schaffen, auch Fachkräfte sind rar. Die Bergrestaurants müssen vor Beginn der Wintersaison um gute Leute kämpfen.
Fachkräfte sind in der Gastronomie derzeit schwer zu finden.
© KEYSTONE/Ti-PRESS/PABLO GIANINAZZI

Die Coronapandemie setzt der Gastronomie zu. Besonders die Schliessungen zu Zeiten des Shutdowns waren für die Wirtinnen und Wirte hartes Brot. Mittlerweile sieht die Situation wieder deutlich besser aus, doch ausgestanden sind noch längst nicht alle Sorgen.

Bergrestaurants ringen um Fachkräfte für den Winter

So ist es derzeit vor allem die Suche nach Angestellten, welche Komplikationen mit sich bringt. Insbesondere Fachkräfte sind rar, beispielsweise in den Bergrestaurants. Diese bereiten sich derzeit für die Wintersaison vor, eine Zeit in der viele saisonal befristet angestellte Arbeitskräfte gefragt sind. Die Suche nach diesen läuft auch am Flumserberg. Dort ist man in personeller Hinsicht zwar mittlerweile gut unterwegs, allerdings sagt Mario Bislin, CEO der Bergbahnen Flumserberg, gegenüber FM1Today: «Der Markt für Fachkräfte ist momentan schon sehr, sehr eng. Beispielsweise einen Chefkoch zu finden, ist aktuell überhaupt nicht einfach.»

Ähnlich klingt es im Toggenburg. Jürg Schustereit, Marketingverantwortlicher der Bergbahnen Wildhaus, erklärt: «Wir konnten mittlerweile alle Stellen besetzen. Aber es war aufwendiger als in vergangenen Jahren. Besonders Köchinnen und Köche sind derzeit sehr schwierig zu finden.» Dem Skigebiet Wildhaus komme zugute, dass man einen grossen Anteil an Mitarbeitenden aus der Region habe und so auch durch Weiterempfehlungen qualifizierte und motivierte Berufsleute für eine Saisonstelle gewinnen kann – und dies oft auch für mehrere Jahre. Müsste man alle Stellen jedes Jahr neu besetzen, wäre dies natürlich noch herausfordernder.

«Ein internationales Problem»

Dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt schwierig ist, weiss Walter Tobler, Präsident des Branchenverbands Gastro St.Gallen, schon länger. Gemäss Tobler ist der Personalmangel eine akute Aufgabe – regional, national und sogar international: «Wir haben grosse Probleme, Vollbestand zu haben. Das zieht sich durch sämtliche Arten von Betrieben.» Und die Gastronomie in Österreich und Deutschland würde die gleichen Sorgen teilen. Für die aktuelle Situation gibt es eine Fülle an Gründen – übergeordnete Verantwortung trägt die Coronapandemie und die Massnahmen, welche diese mit sich brachte. Viele Gastro-Angestellte kehrten ihrer Branche den Rücken.

«Wir hatten – das lässt sich nicht wegdiskutieren – eine sehr hohe Abwanderung in andere Branchen in dieser Zeit», sagt Tobler. Fehlende Perspektiven, Unsicherheit aufgrund der Massnahmen und das schlichte Bedürfnis 100 Prozent zu arbeiten und zu verdienen, führten zur Personalflucht, so die Einschätzung von Tobler.

Für die Bergrestaurants komme erschwerend hinzu, dass dort im Winter auch immer mal wieder Personen aus dem Osten arbeiten. Diese würden nun aber häufig nicht in die Schweiz oder nach Österreich kommen können, weil sie mit dem russischen Impfstoff Sputnik geimpft seien, welcher in Westeuropa nicht offiziell anerkannt ist.

Was kann man tun?

Eine Zauberlösung gibt es für die Personalprobleme nicht. Der St.Galler Gastroverband versucht den Schwierigkeiten auf zweierlei Wegen entgegenzuwirken: «Einerseits diskutieren wir über Möglichkeiten, wie man junge Leute ansprechen und für die Gastronomie begeistern kann», erklärt Tobler. Auch der nationale Verband, Gastro Suisse, beschäftige sich mit diesen Überlegungen. Andererseits sollen vermehrt Umschulungsmöglichkeiten angeboten und damit mehr Möglichkeiten für Quereinsteiger aus anderen Berufen geschaffen werden. Während es bei erstgenannter Option um eine langfristige Verbesserung der Personalsituation geht, verspricht jene der Umschulungsmöglichkeiten innert kürzerer Frist eine Linderung der Probleme.

Nur stellt sich die Frage: Nimmt man keine Qualitätseinbussen in Kauf, wenn Branchenfremde, welche nur eine kurze Ausbildung oder Umschulung absolvieren, die Arbeit von Fachkräften, die eine Lehre abgeschlossen haben, übernehmen? Ganz ausschliessen kann Tobler diese Gefahr nicht. Er sagt aber: «Es ist sicher schon mal besser, wenn diese Leute eine Grundausbildung absolviert haben, als wenn sie gar keine Kenntnisse haben.»

Ausserdem ist die Suche nach Lösungen zurzeit schlicht alternativlos: «Was sollen wir machen, wenn wir kein Personal mehr haben?», fragt Tobler rhetorisch.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. November 2021 05:31
aktualisiert: 15. November 2021 07:47