Immobilien-Betrug: Richter war befangen

Angela Mueller, 15. Dezember 2018, 06:47 Uhr
Die Verhandlung im November war ins Feuerwehrdepot Mels verlegt worden.
© Keystone/Nathalie Grand
Das St.Galler Kantonsgericht hat im Fall Isenbach/Bad Rans einen der fünf Richter für befangen erklärt. Nun wird der Prozess wohl nochmals durchgeführt werden müssen.

Im November standen die Verantwortlichen eines Netzwerks, das in krimineller Absicht Bauprojekte aufgegleist haben soll, vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland. Zwei Hauptbeschuldigte wurden wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft und weiterer Tatbestände zu fünf respektive zu dreieinhalb Jahren Freiheitstrafen verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nun wurde einer der fünf Kreisrichter vom Kantonsgericht St.Gallen für befangen erklärt, schreibt der «Beobachter» in seiner neusten Ausgabe. Der Geologe soll im Auftrag der beschuldigten Genossenschaft Bad Rans ein geologisches Gutachten erstellt haben. Die Entschädigung erfolgte aber nur teilweise. Dieser Umstand soll der Richter seinen Kollegen nicht mitgeteilt haben.

Millionen von Franken verloren

Die Fälle reichen bis ins Jahr 2005 zurück. Bei der Wohnbaugenossenschaft Isenbach in Illnau-Effretikon ZH verloren über 500 Anleger ihr Geld. Sie investierten in der Regel zwischen 20'000 und 50'000 Franken in Anteilscheine. Das Genossenschaftskapital von 20 Millionen Franken ging vollends verloren. Während des Konkurses meldeten sich 210 Gläubiger mit Forderungen von über 43 Millionen Franken.

Die Beschuldigten waren auch in die Planung verschiedener Bauprojekte im St.Galler Rheintal involviert. Im Fall der gescheiterten Genossenschaft Bad Rans, die in Sevelen (140 Millionen Franken) und in Buchs (20 Millionen Franken) Hotels plante, aber nie baute, sollen sie 6,2 Millionen Franken an Investorengeldern als «Promotionshonorare» eingestrichen haben.

50 Zügelkartons voll Akten

2010 nahm die St.Galler Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf. Sie führte insgesamt 23 Hausdurchsuchungen durch. Gegen vier Beschuldigte erhob sie 2014 Anklage. Zwei Jahre später folgte eine erweiterte Anklage gegen acht Beteiligte. Die ursprünglich für April 2016 angesagte Verhandlung am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland wurde mehrmals vertagt.

Die Akten zum Verfahren füllten über 50 Zügelkartons. Zur Hauptverhandlung im November erschienen sechs Beschuldigte. Sie standen wegen Delikten des Insolvenzstrafrechts, wegen Betrugs, Urkundenfälschung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Veruntreuung und Misswirtschaft vor Gericht.

 

Angela Mueller
veröffentlicht: 15. Dezember 2018 06:47
aktualisiert: 15. Dezember 2018 06:47