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Mehr Betrunkene mit dem Auto unterwegs? Die Zahlen des Bundes täuschen

· Online seit 17.10.2023, 17:47 Uhr
Am Montag hat der Bund die neue Urteilsstatistik veröffentlicht. Auffällig dabei ist, dass die Verurteilungen wegen Trunkenheit am Steuer schweizweit um 25 Prozent zugenommen haben. Doch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen.
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Die Strafurteile wegen Fahrten im fahrunfähigen Zustand haben im vergangenen Jahr um 18 Prozent zugenommen. Dabei stach Alkohol am Steuer mit einer Zunahme von 25 Prozent besonders hervor. Dieser Anstieg klingt zuerst sehr massiv, doch man sollte die Zahlen richtig einordnen. Denn der Anstieg ist im Vergleich zum Jahr 2021 – also einem Jahr, in dem die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch galten.

Genauer Blick lohnt sich

Dass die Zahlen trügerisch sind, zeigt auch ein genauerer Blick in die Statistik des Bundes. Vergleicht man nämlich die Zahlen von 2022 mit den Zahlen vor der Pandemie, also im Jahr 2019, ändert sich die Wahrnehmung.

Nehmen wir das Beispiel des Kantons Graubünden. Im Jahr 2021 wurden dort 128 Urteile wegen Trunkenheit am Steuer gefällt, 2022 waren es deren 213. Ein Anstieg von 66 Prozent! 2019 waren es aber 237. Faktisch ist es also ein Rückgang. «Die Zahlen aus den Pandemiejahren sind nicht vergleichbar mit den anderen», sagt auch Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden, gegenüber FM1Today. Darum seien auch diese Schlüsse nicht richtig.

Die Zahlen des Bundes im Überblick:

Kanton 2019 2020 2021 2022
Appenzell Innerrhoden 10 18 27 16
Appenzell Ausserrhoden 38 39 34 56
Graubünden 237 183 128 213
St.Gallen 520 531 467 548
Thurgau 243 200 197 243

Starke Schwankungen in den beiden Appenzell

Auch im Kanton St.Gallen wurden im Vergleich zu 2021 81 Verurteilungen mehr wegen Alkohol am Steuer ausgesprochen. Total waren es 548 – gleich viele im Jahr 2018 und ein bisschen mehr als 2019. Im Kanton Thurgau stiegen sie wieder auf das Niveau vor der Pandemie.

Auch in Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden gibt es hohe Abweichungen. Allerdings sind die Zahlen in beiden Kantonen starken Schwankungen unterworfen, da die Fallzahlen eher tief sind. Beispielsweise in Ausserrhoden liegen die Verurteilungen seit 2008 immer zwischen 34 (2021) und 65 (2010). In Innerrhoden liegen sie zwischen 8 (2015) und 29 (2021).

veröffentlicht: 17. Oktober 2023 17:47
aktualisiert: 17. Oktober 2023 17:47
Quelle: FM1Today

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