Ostschweiz

Nach Anschlagsplänen auf Moschee: 19-Jähriger auf der Flucht

Vanessa Kobelt, 19. April 2021, 11:56 Uhr
Zum Anschlag kam es nicht. (Symbolbild)
© Keystone
Ein Ostschweizer soll ein Massaker in einer Moschee geplant haben. Mittlerweile befindet sich der Jugendliche auf der Flucht.

Ein Teenager aus der Ostschweiz soll in der Region ein Massaker auf eine Moschee geplant haben. 2019 kündigte der damals 17-Jährige auf Social Media an, alle Muslime töten zu wollen. Laut dem Tages-Anzeiger lud der Jugendliche Ausschnitte eines Videos des Attentats von Christchurch hoch und schrieb dazu: «Irgendwann möchte ich das gleiche in der Schweiz tun.» Bei dem Terroranschlag in Christchurch auf zwei Moscheen hatte ein australischer Rechtsterrorist 51 Menschen getötet und weitere 50 verletzt.

«Ich kann Bomben basteln»

In einer Chatgruppe liess der Jugendliche mit balkanischen Wurzeln durchblicken, dass es bei ihm in der Nähe eine Moschee gebe. Welches Gotteshaus er meinte, ist unklar. Auch, als ihn die Kantonspolizei verhaftete und kurze Zeit später wieder freiliess, machte er mit seinen Botschaften weiter. Zum Beispiel schrieb er in den Chat: «Ich habe Waffen, kann Bomben basteln und habe Vorläuferstoffe bestellt.»

In einem Onlineshop einer Drogerie soll der heute 19-Jährige dann tatsächlich 7,5 Kilogramm Aceton, 4 Kilogramm Wasserstoffperoxid und 5 Kilogramm Salzsäure bestellt haben. Die Chemikalien, die er sich liefern lassen wollte, passen zu seinen angeblichen Plänen, den hochexplosiven Initialsprengstoff TATP herzustellen. Die Drogerie wurde misstrauisch und blockierte die Bestellung. Sie schaltete ausserdem das Bundesamt für Polizei (Fedpol) ein. Nach der Meldung des Drogisten führt die Polizei eine Hausdurchsuchung durch.

Behörden stufen ihn als gefährlich ein

Zum Anschlag kam es nicht, der junge Mann, der mit seiner Familie in einem abgelegenen Ostschweizer Dorf lebte, wurde ein zweites Mal verhaftet. Bis heute läuft gegen ihn ein Strafverfahren, das nicht abgeschlossen ist. Die zuständigen Sicherheitsbehörden schätzen ihn als sehr gefährlich ein. Das Fedpol will sich zurzeit nicht zur Angelegenheit äussern.

Jugendlicher kann flüchten

Am 13. Juni stimmt die Schweiz über das Anti-Terror-Gesetz ab. Justizministerin Karin Keller-Sutter macht sich dafür stark. Bei einer Medienkonferenz vor einigen Tagen erwähnte sie dabei auch den Fall des verhinderten «Christchurch-Attentäters». Dabei verschwieg die Bundesrätin allerdings, dass sich der 19-Jährige gar nicht mehr in Haft befindet. Gemäss Recherchen des Tages-Anzeigers gelang ihm vor einigen Monaten die Flucht aus dem Massnahmenzentrum Uitikon. Er soll sich in den Balkan abgesetzt haben.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. April 2021 10:13
aktualisiert: 19. April 2021 11:56