Frauenfeld

Rassistisch an der Fasnacht: «Keine Kostüme zu Minderheiten»

Géraldine Bohne, 22. Januar 2020, 18:22 Uhr
Ein Indianer-Kostüm sei eine veraltete Darstellung, meint der Leiter der Stiftung gegen Rassismus. (Symbolbild)
© iStock
Die Kostümwahl an der Bechtelisnacht in Frauenfeld sorgte auf Facebook für eine grosse Diskussion. Die Kostüme seien rassistisch gewesen, kritisierte eine junge Frau. Experten finden, dass Kostüme heute besser überlegt werden sollten.

Indianer, Mexikaner oder die jamaikanische Bobmannschaft – die Kostümvielfalt an der Bechtelisnacht am Montagabend in Frauenfeld war gross. Doch nicht allen gefiel die Bekleidung der Feiernden. Eine Frau kritisierte am Tag nach der Bechtelisnacht in einem Facebook-Beitrag scharf, dass sie an der diesjährigen Feier besonders viele rassistische Kostüme beobachtet habe. «Zutiefst schockiert von den vielen Menschen, die sich gestern Nacht an der Bechtelisnacht das Gesicht schwarz angemalt haben. Das selbe gilt für die vielen verkleideten Indianer, Mexikaner und andere», schreibt sie. Der Beitrag löste in der Gruppe «Du bisch vo Frauefeld, wenn...» eine grosse Diskussion aus.

Dieser Beitrag sorgte nach der Bechtelisnacht für eine grosse Diskussion auf Facebook.

© Screenshot/«Du bisch vo Frauefeld, wenn...»

Stereotypen entsprechen nicht der Realität

Gilt an der Fasnacht nicht mehr die völlige Narrenfreiheit? Dominic Pugatsch, Leiter der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus «GRA», erklärt gegenüber FM1Today: «Eine gewisse Narrenfreiheit soll absolut möglich sein, jedoch nicht auf Kosten einer Minderheit.» Er ist der Meinung, dass an der Fasnacht Stereotypen verbreitet werden, die weit weg von der Realität sind. «Das Indianerkostüm zum Beispiel ist eine veraltete Darstellung, welche oft überhaupt nicht dieser Ethnie entspricht.» Beim Sombrero sieht er weniger ein Problem. Solange eine Kultur würdevoll und der Realität entsprechend dargestellt werde, sei ein solches Kostüm in Ordnung. «Mangelt es an Respekt einer Kultur gegenüber, kann ein gewisses Fasnachtskostüm durchaus verletzend sein.»

Absolut problematisch sei das sogenannte «Blackfacing», das Schwarz-Malen des Gesichts. «Das ist im Jahr 2020 nicht mehr nötig.» Ansonsten rät Pugatsch davon ab, pauschal zu entscheiden, welche Kostüme rassistisch sind. Man müsse den Einzelfall bewerten. «Wenn man jemanden bewusst darstellen will, zum Beispiel eine Film- oder Theaterfigur, dann sind gewisse Kostüme unter Umständen in Ordnung.»

Kostüme sollten zeitgemässer werden

«Wir sind im Jahr 2020 angekommen, wir sind eine moderne und aufgeschlossene Gesellschaft. In solchen Fällen wird aber mit alten Bildern und Stereotypen operiert», sagt Pugatsch. Es gebe so viele heitere Kostüme zu zeitgenössischen Personen, der Kreativität seien im Rahmen eines respektvollen Umgangs fast keine Grenzen gesetzt. Dominic Pugatsch findet es sehr gut und wichtig, dass das Thema aufkommt und diskutiert wird. «Dass man es schon immer so gemacht hat, ist eine Ausrede und heisst doch nicht, dass es deswegen richtig ist. Der Dialog ist wichtig!»

Darstellung muss bedacht sein

Auch das Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung in St.Gallen unterstützt diese Diskussion. «Heutzutage muss man solche Sachen einfach besser überdenken», sagt Marlen Rutz. Ein Kostüm sollte eine gewisse Geschichte erzählen und überlegt ausgesucht werden. «Viele der dargestellten Gruppen wurden in der Vergangenheit gerade von Europäern verfolgt. Die Geschichte gehört zum Kostüm.» Man müsse sich nicht immer als Volksgruppe verkleiden, es gebe so viele andere gute Kostüme.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Januar 2020 18:22
aktualisiert: 22. Januar 2020 18:22