Coronavirus

Schwangere setzen wegen Corona auf Hausgeburten

Dario Brazerol, 10. April 2020, 06:28 Uhr
Die Geburt bringt viele Fragen mit sich - vor allem in Zeiten von Corona.
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Das Coronavirus sorgt bei vielen Schwangeren für Verunsicherungen. Diese gehen so weit, dass Frauen vermehrt auf einen Spitalaufenthalt verzichten und zu Hause gebären wollen.

Der Termin rückt näher, der Bauch wird runder und die Sorgen wachsen. Für Schwangere, welche kurz vor der Entbindung stehen, kommt die Coronakrise besonders ungelegen: Spitäler sollen bestmöglich gemieden werden. Die Angst, sich zu infizieren, oder dass sich das Neugeborene mit dem Virus ansteckt, ist gross. Dadurch stehen Hausgeburten wieder im Trend.

Mehr Anfragen in der Ostschweiz und Graubünden

«Wir verzeichnen in der Ostschweiz deutlich mehr Anfragen für Hausgeburten», sagt Bettina Gertsch, Präsidentin der ostschweizerischen Sektion des Hebammenverbands. «Im Spital gibt es mehr Keime, welche es im häuslichen Umfeld nicht gibt. Wenn sich Frauen diesbezüglich unwohl fühlen, empfehlen wir eine Hausgeburt.» Genaue Zahlen, wie viele Hausgeburten in den nächsten Wochen in der Ostschweiz und Graubünden durchgeführt werden, gebe es zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Um die Geburt in den eigenen vier Wänden durchführen zu können, müssen einige Kriterien erfüllt werden: Für eine Hausgeburt muss eine termingerechte Geburt zwischen der 37. und der 42. Schwangerschaftswoche stattfinden. Ausserdem sollte der Verlauf der Schwangerschaft normal sein. «Von einer Hausgeburt wird abgeraten, wenn mehr als ein Baby erwartet wird und das Kind nicht in der optimalen Geburtsposition – mit dem Kopf nach unten – liegt», sagt Bettina Gertsch.

Keine PDA bei Hausgeburten

Für Schwangere wie auch für Hebammen bringe die Hausgeburt gewisse Vorteile mit sich: «Als Hebamme bin ich bei einer Hausgeburt immer bei der Schwangeren und kann sehr vorausschauend arbeiten. Im Spital ist die Hebamme vielleicht noch für andere Patientinnen zuständig. Ausserdem bemerkt man so schneller, ob frühzeitig gehandelt werden muss.» Auf eine grosse Hilfe müssen die Schwangeren zu Hause allerdings verzichten: «Dort gibt es keine PDA, also keine Spritze in die Wirbelsäule, welche die Schmerzen stark lindert.»

Bettina Gertsch, Präsidentin Ostschweizer Hebammenverband Sektion Ostschweiz
© ostschweizer-hebammen.ch

Medien verunsichern Schwangere

Aktuell würden sich Schwangere besonders stark über geburtsrelevante Themen informieren – was auch seine Tücken bereithält: «Es gibt so viele unterschiedliche Meldungen in den Medien zu Geburten in Zeiten von Corona, dass die Schwangeren gar nicht mehr wissen, was sie glauben sollen und was nicht», sagt Bettina Gertsch. Vor allem die Gerburtsbegleitung bereite den Frauen Kopfzerbrechen, also ob und wie lange der Partner bei und nach der Geburt anwesend sein darf. «Ich kenne noch kein Spital, das die Geburtspräsenz des Partners verboten hat. Im Wochenbett ist der Besuch von anderen Familienmitgliedern allerdings verboten», sagt Bettina Gertsch.

Bei allen Unsicherheiten der Schwangeren empfiehlt sie deshalb, den direkten Kontakt mit der zuständigen Hebamme zu suchen: «Wir sind Fachpersonen und können gut auf die Anliegen der Schwangeren eingehen. Doktor Google ist für Sorgen und Ängste nicht optimal.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. April 2020 06:28
aktualisiert: 10. April 2020 06:28