Einpark-Klischee

Sexistischer Post: So sucht eine Zürcher Feuerwehr Frauen

30. Oktober 2020, 07:04 Uhr
Eindeutig sexistisch: Die «Werbeaktion» der Feuerwehr Fällanden.
© Instagram / @feuerwehr_faellanden
Die Feuerwehr Fällanden hat nur eine Frau in der Mannschaft und möchte gerne Zuwachs. Die Werbung auf Instagram ging allerdings nach hinten los. Der Kommandant entschuldigt sich.

Offenbar braucht die Feuerwehr ganz dringend weiblichen Zuwachs – auch in Führungspositionen. Denn von einer Frau abgesegnet worden, ist dieser Instagram-Post der Feuerwehr Fällanden sicher nicht.

«Frauen können nicht parkieren», heisst es da, «Frauen können aber sehr gut Feuerwehrdienst machen». Frauen sind also unfähig, ein Fahrzeug in ein Rechteck zu steuern, aber Menschen aus brennenden Häusern zu retten, das soll kein Problem sein.

Natürlich versuchte die Feuerwehr Fällanden aus dem Kanton Zürich mit dem später gelöschten Post zu provozieren. Allerdings ist der Versuch dazu äusserst plump geraten.

Interne Kritik

Nach Informationen von FM1Today führte der Instagram-Post der Fällander Kollegen auch zu Unmut innerhalb der St.Galler Milizfeuerwehr. Wie eine Feuerwehrfrau zu diesem Portal sagt, habe der Post in einem Whatsapp-Chat die Runde gemacht, und zu Kopfschütteln geführt – denn so werde sich sicher keine Frau zum Feuerwehrdienst motivieren lassen.

Danach habe es auch einige Telefonate gegeben. Es brauche zwar mehr Frauen in der Feuerwehr, bestätigt die Feuerwehrfrau, doch bedinge dies bessere Werbung. Und mit einem ihrer Ansicht nach besseren Beispiel aus Deutschland zeigt sie, dass man ihr auf keinen Fall Dünnhäutigkeit andichten kann:

Dies sei zwar auch provokant, aber auf eine bessere Art. 

© Deutscher Feuerwehrverband

«Ich entschuldige mich» 

Für den Social-Media-Auftritt zuständig ist der Fällander Kommandant Marco Bachthaler. «Der Post sollte nur etwas provozieren und auf keinen Fall frauenfeindlich sein. Ich entschuldige mich, falls dies jemand so empfunden hat», sagt er gegenüber FM1Today.

Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass man das Posting auch so auffassen könne. Für die Zukunft wolle er den Social-Media-Dienst nicht mehr alleine bewältigen, sondern ein Team aufbauen, damit das nicht mehr passieren könne.

Das Ziel sei es ja, Frauen für die Feuerwehr zu begeistern und sie nicht etwa abzuschrecken. In der Fällander Feuerwehr seien Frauen klar untervertreten. So komme auf 40 Feuerwehrleute derzeit nur eine Frau.

Auch St.Gallen sucht Frauen 

Der St.Galler Milizfeuerwehrkommandant Jascha Müller will zum Post der Zürcher Kollegen keine Stellung nehmen. Allerdings bestätigt er, dass die Feuerwehr gewisse Probleme bei der Rekrutierung von Frauen hat. «Nur zehn Prozent unseres Korps sind Frauen. Das ist zu wenig.» Den ausbleibenden weiblichen Zuwachs kann er nicht vollends erklären. Im Gespräch zeige sich oft, dass Frauen ihre Befähigung zum Dienst unterschätzen. «Sie stellen ihr Licht oft unter den Scheffel», sagt Müller.

Und was die Befähigung der Frauen zum Feuerwehrdienst betrifft, geht er mit der gelöschten Werbung sogar einig: «Frauen sind im Dienst gerade so gut wie Männer. Und sie fahren sehr umsichtig.»

Da gehört das Parkieren bestimmt dazu.

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Oktober 2020 07:04
aktualisiert: 30. Oktober 2020 07:04