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So will der Gemeinderat das Spital retten

Fabienne Engbers, 28. März 2019, 17:35 Uhr
Der Wattwiler Gemeinderat wehrt sich gegen die Schliessung der Bettenstation im Spital Wattwil. Am Donnerstag präsentierte er eine erste Idee, wie die Bettenstation des Spitals mit Kooperationen am Leben erhalten bleiben soll.

«Spital Wattwil 2021» – so heisst das alternative Modell des Wattwiler Gemeinderates. Seit Mitte 2018 wird über die Sparmassnahmen des Spitalverbundes diskutiert, jetzt hat der Gemeinderat eine mögliche Lösung vorgestellt. Damit soll die medizinische Grund- und Notfallversorgung in der Region Toggenburg sichergestellt werden.

«Spital Wattwil ist unverzichtbar»

«Die spezielle Lage des Toggenburgs macht das Spital in Wattwil unverzichtbar, die rund 40'000 Einwohner der Region sind auf den Standort angewiesen», sagt Alois Gunzenrainer, Gemeindepräsident Wattwil, am Donnerstag an einer Medienkonferenz. «Ausserdem ist der Spital der grösste Arbeitgeber und wir haben eine unterdurchschnittliche Hausarztdichte.»

«Integrierte Gesundheitsversorgung» als Lösung für die Probleme

Nun hat der Gemeinderat Wattwil eine Lösung ausarbeiten lassen, wie das Spital Wattwil erhalten bleiben soll. Diese sieht eine «Integrierte Gesundheitsversorgung Toggenburg» vor. Das heisst, alle Leistungserbringer im Gesundheitsmarkt im Toggenburg, sollen in einer Kooperation enger vernetzt werden. Spital, Rettung, Notfall, Spitex, Pflegeheime und Ärzteschafft sollen zusammenwachsen.

Für das Spital Wattwil würde dies bedeuten, dass man sich auf Altersmedizin und stationäre Versorgung konzentriert, auch eine Schmerzklinik, ein Angebot zur Behandlung von fettleibigen Jugendlichen und ein Schlaflabor könnten im Spital untergebracht werden. «Diese zusätzlichen Angebote würden den Nerv der Zeit treffen», ist Monika Merki Frey überzeugt. Die Nachfrage danach sei steigend, sagt die Spezialistin für Lösungen im Gesundheitswesen, welche das Modell «Spital Wattwil 2021» im Auftrag der Gemeinde ausgearbeitet hat.

Monika Merki Frey, Expertin für Lösungen im Gesundheitswesen, und Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil, präsentieren ihre Lösung.
© Krisztina Scherrer/FM1Today

Der Spital Wattwil will in Zukunft eine privatrechtliche und unabhängige Trägerschaft sein: «Wenn man wieder der gleichen Verwaltung unterstellt ist, kann man nicht flexibel sein», sagt Merki Frey. Alois Gunzenreiner betont, dass die Vision vom «Spital Wattwil 2021» noch kein fertiges Konzept sei: «Wir glauben, dass wir eine neuere, flexiblere und offenere Struktur brauchen, damit dieses Modell auch funktioniert.»

Ein stimmiges Gesamtangebot

Durch den Verbund der Institutionen entsteht ein «für die regionalen Bedürfnisse, die Partner und den Betrieb stimmiges Angebot», sagt Gemeindepräsident Gunzenreiner, der auch Präsident des Fördervereins Regionalspital Wattwil ist.

Das Bedürfnis nach einem Spital in Wattwil ist gross. In den letzten Wochen sind 6000 Unterschriften bei einer Petition zusammengekommen, welche der Förderverein Regionalspital Wattwil lanciert hat. Felix Sennhauser, Verwaltungspräsiden Spitalverbund St.Gallen hat das Grobkonzept der Gemeinde auch erhalten: «Ich kann nicht beurteilen ob der Spital Wattwil damit gerettet ist, aber die Überlegungen der Gemeinde werden ernst genommen.» Nun ist der Lenkungsausschuss des St.Galler Spitalverbundes am Zug.

Defizit der St.Galler Spitäler

Die Spitäler im Kanton St.Gallen müssen in der Zukunft sparen, momentan wirtschaftet der Spitalverbund defizitär. Deshalb wird eine Schliessung gewisser Spitäler oder Bettenstationen in Betracht gezogen, darunter ist auch die Bettenstation in Wattwil.

Die Ziele des Grobkonzeptes des Spitalverbundes sind die Konzentration, der Abbau von teuren Doppelspurigkeiten, die Erhöhung der Fallzahlen und eine weitere Qualitätssteigerung zum Wohl der Patientinnen und Patienten. Konkret sollen die Bettenstationen in den kleineren Spitälern der Region, Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach geschlossen werden. Problematisch: Die Bettenstation in Wattwil wurde erst vor Kurzem komplett saniert und ist nigelnagelneu. Wie mit den Regionalspitälern in Zukunft verfahren wird, ist noch unklar und wird von einem Lenkungsausschluss beraten.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 28. März 2019 13:33
aktualisiert: 28. März 2019 17:35